hatten, und innig ihre hände küssend, ward sie von Beiden nach einer Jeden Art und Weise freundlich begrüsst.
Hierher, Mylady, rief jetzt Lady Danville; hier ist ein Platz für Euch. Wahrlich, Ihr macht es den Leuten schwer, Eure Gesellschaft zu geniessen. Heute Morgen, als ich Euch mit Gaston in den Park fliegen sah, als ob Ihr wer weiss welche Eile hättet, da suchte ich Euch nachzukommen, begierig von Euch die Freuden eines nebligen Herbstmorgens zu erlernen; aber ich fand bald, dass Ihr Euch für heute einen andern Schüler erwählt hattet, und ich fürchtete zu stören, als ich Lord Membrocke desselben Weges Euch nacheilen sah. Ich kehrte daher schnell zu diesem warmen Zimmer zurück, hätte auch auf keinen Fall einen so langen Lehrgang ausgehalten, wie Ihr mit Lord Membrocke zurückgelegt.
Maria hatte sich zu Anfange dieser Rede der Lady genähert. Während des Verlaufs ihrer Worte blieb sie stehen und blickte voll Erstaunen in die bitter lächelnden Züge der Marquise. Sie war sich eines gegen sie gerichteten bösen Willens so wenig gewärtig, dass sie im ersten Augenblicke zweifelte, ob sie recht höre; als sie sich überzeugen musste, ihr Zusammentreffen mit dem verhassten Lord werde als ein verabredetes angesehen, und laut und mit Hohn als solches beleuchtet, fühlte sie sich empört. Ihr Antlitz ward von einer hohen Röte überdeckt, ihre schlanke Gestalt hob sich zu einer edlen Majestät, und der ernst gebietende Glanz ihrer Augen setzte Richmond in Staunen. –
Ich muss zwar annehmen, Mylady, dass Ihr so eben scherzen wolltet; aber Ihr habt in Eurer guten Laune übersehen, dass Ihr einen Gegenstand wähltet, der selbst im Scherze das Gefühl einer Frau beleidigt, und ich bin beschämt, Euch an diesen Missgriff erinnern zu müssen.
Haltet zu Gnaden, stolzes Kind, rief die Marquise, hochrot von Zorn; glaubt Ihr in mir einen so lehrbegierigen Schüler zu finden, wie in Lord Membrocke, so seid Ihr im Irrtum. Erlaubt, dass ich Euch auf diesen Missgriff Eurerseits aufmerksam mache. Ihr aber, Lord Membrocke, seid kühl geworden in Euerm Ritteramte; warum bekennt Ihr denn nicht den Zufall, dem wir Euer empfindsames Zusammentreffen zuschreiben sollen. Könnt Ihr nicht? setzte sie lachend hinzu, da Membrocke mit einem zweideutigen Lächeln die Achseln zuckte.
Wie dürfte mein Mund widersprechen, zischelte er, wo die schöne Lady Melville sich so bestimmt erklärt hat.
Diese Worte wurden mit Willen halb leise gesprochen, wenn auch deutlich genug, um von den zunächst Stehenden verstanden zu werden, und das Gelächter, welches die Marquise ihnen nachschickte, vollendete das Beleidigende derselben. Aber schon erreichten sie nicht mehr das Ohr des unschuldigen Opfers dieser Bosheiten. Denn die alte Herzogin, auf alle ihre Gäste ein wachsames Auge habend, hatte die erhöhten Stimmen am Ende des Saales bemerkt, und, der schutzlosen Maria stets mütterlich gewogen, hatte sie schnell ihren Pagen gesandt, sie an ihre Seite zu rufen. Schon hatte das liebliche Mädchen, ihre Leiden vergessend, neben der alten Lady Platz genommen, ohne die Vollendung einer Beleidigung zu ahnen, die sie mutig von sich abgelehnt zu haben wähnte.
Richmond war ihr gefolgt. Wie auch seine innere Empfindung über dies neue Zusammentreffen mit dem Lord sein mochte, dessen bekannter charakter dem Rufe einer jeden Frau schaden musste, die man in irgend einem Verhältnisse zu ihm denken konnte: jedenfalls hatte die Art, wie Lady Melville von der boshaften Marquise angegriffen ward, ihm empörend gedünkt. Wenn er sich seine Meinung auch vorbehalten zu müssen glaubte, wollte er doch nimmer dulden, dass man in seiner Gegenwart und in dem haus seiner Verwandten ein junges schutzloses Wesen zu beleidigen wage. Der achtung sich wohl bewusst, die man seinem charakter zollte, widerlegte er durch die ehrfurchtvollste Höflichkeit gegen die eben Beschuldigte in den Augen der meisten Anwesenden das eben Gehörte. Er bediente sie selbst mit der liebenswürdigsten Galanterie bei dem Frühstück, und der anfängliche Zwang und die Absichtlichkeit, die er sich auferlegte, wichen bald dem Vergnügen, das Keinem in der Nähe Mariens fremd bleiben konnte. Ihr Geist besass heute eine besondere Elastizität, und die Freude hatte zu vollständig in dem lebhaft erregten Herzen Raum gewonnen, um nicht bald über Alle dazwischen getretenen Eindrücke zu siegen. Diese Erschütterungen selbst trugen bei, sie noch lebhafter und anziehender erscheinen zu lassen, da sie ihr ganzes Wesen in Aufregung gebracht hatten. Ihre wundervollen klaren Augen wechselten mit einem fesselnden Ausdruck, und ihr leicht bewegtes Mienenspiel deutete schon, ehe noch Worte ihn bezeichneten, den Gegenstand ihrer Empfindungen an.
Es war Richmond nicht möglich, die Augen von ihr zu wenden, obwol er sich einstweilen mehr noch ein Beobachter, als ein Bewunderer, dünkte.
Und warum war denn meine liebe Maria so erzürnt, als ich sie zu mir rufen liess? fragte jetzt die alte Lady, zärtlich Lady Melville anblickend.
Unsanft berührt mitten in dem heiteren Gespräch mit Richmond, schien sie ihm fast zusammen zu schrecken, und schnell ernst und errötend niederblikkend, blieb sie die Antwort zu lange schuldig, um nicht dadurch aufzufallen.
Ich war unhöflich, fuhr die alte Herzogin gütig fort, ich hätte Dich nicht stören sollen, da Du eben heiter warest; aber das war nur die Neugierde der alten Frau, auch möchte ich nicht zugeben, dass Dir etwas zu Leide geschehe; denn ohne Grund erzürnst Du Dich nicht.
Innig küsste Maria ihre Hand. Das Gefühl dieses Schutzes sollte mich sanft lassen, unter welchen Umständen es