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zu bringen.

Wie kann ich nun wieder diesen Beteuerungen glauben, sprach er mit unverstellter Anmassung, da überhaupt Eure ganze Teilnahme für Eure natürlichen Freunde in derjenigen untergegangen zu sein scheint, womit Euch hier diese fremde Familie fesselt?

Einen Tag früher hätte Maria diesen Vorwurf mit Unwillen zurückgewiesen; heute bebte sie innerlich davor, aus einem ihr selbst noch nicht bekannten grund, wie vor einer Wahrheit zurück.

Ich weiss, fuhr Membrocke fort, durch den Mund Eures Oheims, dass Ihr noch nicht den Namen desselben kennt, Ihr irrt, wenn Ihr ihn für einen Grafen von Marr haltet, Ihr beginnet selbst dies zu ahnen und wisst, dass Eure Beschützer ebenso daran zweifeln. Warum war aber Euer Anteil so lau, dass Ihr nicht von mir eine so wichtige Nachricht vernehmen wolltet, die doch wohl unzweifelhaft mir bekannt sein muss?

Marie erglühte bei dem Gedanken an diese Art von Rechenschaft, die der fremde verhasste Mann von ihr zu fordern schien.

Erinnert Euch, Mylord, rief sie stolz, dass aus meinem mund an Euch nie ein anderes Wort ergangen ist, als was ich, von Eurer Zudringlichkeit gezwungen, aussprechen musste; dass ich mich nie zu einer Frage herabliess, die den verhassten Zwang Eurer Nähe mir hätte verlängern können, dass ich vor Allem nie anerkannt habe, Ihr könntet irgend etwas von denen wissen, die ich zu hoch verehre, um Euch als ihren Abgesandten ansehen zu mögen. Ein Name, wie wichtig mir auch der rechte sein möchte, würde, aus Euerm mund gehört, für mich keinen höhern Wert haben, als jener, den ich jetzt schon als einen von mir irrig angenommenen ansehen muss. Lasst die Vertraulichkeit, womit Ihr mir Rechenschaft abzufordern geneigt seid, Ihr seid und bleibt mir völlig fremd.

Sie eilte vorwärts, bis zur Hälfte schon die Allee zurücklegend, und Membrocke fühlte nun mit Unwillen, wie schwer ihm hier jeder Schritt gemacht würde, wie er auch jetzt wieder einlenken müsste. Er suchte sie daher zu erreichen, und trotz dem, dass Gaston sich zwischen ihn und seine Gebieterin gedrängt hatte, versuchte er doch so nah und vertraulich, wie möglich, neben ihr zu schlendern, da er im Angesicht des angefüllten Saales hoffen durfte, bemerkt zu werden. Dies unterstützte seine Absicht, den Schein eines Einverständnisses mit ihr zu erwecken und die in Bezug auf sie gefasste gute Meinung zu erschüttern, welches ihn hoffen liess, eine Spaltung hervorzubringen, die sie hilfloser und isolirter machen musste.

Euer Zorn, hob er aufs Neue an, obwol ich immer dessen Ziel sein muss, legt gegen Euern Willen zeugnis von Euerm treuen kindlichen Herzen ab, das ich nötig hatte, um Euch nun bald Beweise geben und anvertrauen zu können, um deren wirkung ich sicher bin. Bald erwarte ich meinen Pagen von da zurück, wo er lebt, der mich bei Euch beglaubigen muss. Bis dahin hört auf meine letzte flehende Bitte, und um des Andenkens willen, das Ihr so hoch haltet, schweigt gegen Jeden, der Euch auch noch so würdig des Vertrauens scheint. Hört Ihr, mein Page sei zurück, und ich weiss Euch nichts Genügendes zu sagen oder zu geben, dann sollt Ihr selbst den Tag meiner Abreise bestimmen, ich kann Euch nur dem Schutze des himmels empfehlen.

Lady Melville würdigte ihn keiner Antwort, sondern suchte ihm voran zu eilen, und während sie jetzt sich dem saal näherte, gewahrte sie die ganze Gesellschaft um den fröhlichen Genuss des Frühstücks versammelt.

Wie, rief die Marquise Danville, sehe ich recht? Eilt dort nicht unser kleines geheimnis, Lady Melville, daher, wenn ich nicht irre, am Morgen in derselben Gesellschaft, von der ich sie am Abend begleitet fand? Doch man hat mir gestern Abend bewiesen, dass ich zu schwach sehe, um mich auf meine Augen länger verlassen zu können. Lord Ormond, wollt Ihr mir wohl sagen, da jetzt anstatt des Mondes die Sonne am Himmel steht, wer die beiden vertrauten Personen sind, die dort die Allee entlang zu uns eilen? Oder Ihr, Lord Richmond? fuhr sie in bitterem Spotte fort; denn seht, unserm lieben Lord Ormond erstirbt die Antwort auf den Lippen.

Ohne Zweifel, ergriff Lord Ormond fest und kalt das Wort, ist dies Lady Mellville und Lord Membrokke. Lady Melville liebt früh in dem Genusse der schönen natur ihr Gemüt zu erheitern und ihre Nerven in der Morgenluft zu stählen, welches ihr die bezaubernde Gesundheit des Körpers und des Geistes erhält, der wir uns alle freuen.

Während dem war Richmond fast ungestüm von seinem Sitze geeilt, der nun eintretenden Lady Melville die Tür zu öffnen, und Ormonds Aufmerksamkeit zog sich einen Augenblick auf Ollonie, die mit einer seltsamen Ueberspannung in Maria's arme stürzte, sie heftig küsste und dann an ihr vorüber aus der Tür verschwand.

Als Maria am Eingange des Saales einen Augenblick hold grüssend stehen blieb, und ihre alsbald wieder klar werdenden Augen freundlich über Alle hinglitten, da war es ihr, als ob ein böser Dämon ihr gefolgt, der erst hier in der Nähe dieser edlen Menschen seine Macht über sie verliere. Ihre Brust entlud sich der herauf beschwornen Not, und Friede und süsse Hoffnung auf Schutz und Glück unter ihnen, zog wie der Gruss eines Engels in ihr Herz.

Mit einem unbeschreiblichen Gefühle kindlicher Ehrfurcht und Liebe näherte sie sich den beiden Herzoginnen, die am Ende des Saales in der Nähe des Kamins mit dem älteren Teile der Gesellschaft sich niedergelassen