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, allerdings überrascht, auf einem friedlichen Spaziergange so fest an der Gurgel gepackt zu werden, mir wenig zu helfen wusste. –

Ich erkannte Euch nicht, Lord Membrocke, als ich Gaston zurück rief, unterbrach ihn Lady Melville, kalt sich von ihm wendend und in die Gegend blickend; es war eine ganz gewöhnliche Handlung des Anteils und vielleicht überflüssig, da Gaston Niemand verletzt und mir nur diesen Platz gern einsam zu erhalten trachtet. –

Ich könnte gehen, wollt Ihr sagen, um Gastons handfeste Bemühungen nicht vergeblich zu machen, setzte er spöttisch hinzu; ich bin also offenbar hier zuviel, und hättet Ihr gewusst, dass Lord Membrockes Gurgel unter seinen Krallen zusammen geschnürt war, so hättet Ihr vielleicht es nicht der Mühe wert erachtet, ihn abzurufen. Mylady, erlaubt mir Euch zu sagen, Euer Stolz tut hier Euerm schönen Herzen mehr Schaden, als er verantworten kann. Ihr hasst Niemand so heftig, selbst den armen Membrocke nicht, um ihn gleichgültig irgend einer Gefahr ausgesetzt zu sehen, wenn Ihr sie mit einem Laute Eurer holden stimme abwenden könntet.

Es lag zu viel Wahres in diesem Vorwurfe, als dass er nicht das offene und bescheidene Gemüt Maria's hätte treffen sollen. Sie glaubte ohne Grund eine unweibliche Härte begangen zu haben, und die früheren Veranlassungen ihrer nötigen Zurückhaltung über diesen Vorwurf vergessend, wandte sie sich mit milderem Wesen zu ihm.

Mylord, sprach sie, in den ruhigen Ton der Höflichkeit übergehend, Ihr vertraut meinem Herzen nicht zu viel; ich hoffe, dass es sich nie vom allgemein menschlichen Wohlwollen zu gehässiger Ausschliessung verirren wird. Sollten meine Worte in der ersten Ueberraschung gegen Euch das Gegenteil ausgedrückt haben, so mögt Ihr mir verzeihen.

Lord Membrocke jauchzte innerlich, dies stolze Wesen gegen sich in Nachteil gebracht zu haben, und hätte Lady Maria das boshafte Lächeln gesehen, womit er hinter ihr stehend sie betrachtete, sie hätte vielleicht bereut, auf seine Worte gehört zu haben.

Was könntet Ihr noch sagen, Mylady, erwiderte er sanft zurückhaltend, was härter wäre, als das grenzenlose Misstrauen, womit Ihr mich behandelt, seitdem Euer bezaubernder Liebreiz aus dem geheimen Abgesandten Eurer Freunde Euren zärtlichsten und unglücklichsten Anbeter machte.

Ihr habt mir befohlen darüber zu schweigen, fuhr er fort, als die Lady sich augenblicklich anschickte, die Höhe hinabzusteigen, indem er ihr ehrerbietig, aber nahe genug folgte, um ihr Ohr noch zu erreichen, – und ich werde Euern Befehl befolgen, so lange meine schwache Kraft es vermag; aber ich beschwöre Euch noch ein Mal, wendet um dieser unschuldigen, unfreiwilligen Vergehung meines Herzens nicht Euer Vertrauen ganz von mir. Denkt, ich wiederhole es Euch, dass ich der einzige bin, dem sich Euer unglücklicher Oheim vertrauen durfte, um Euch, dem letzten ihm gebliebenen Troste, von ihm Kunde zu geben. Er ist umstellt, verfolgt und jeden Augenblick der Gefahr ausgesetzt, seine Sicherheit durch Flucht bewirken zu müssen. Bedenkt, was Ihr tut, indem Ihr mir versagt, Euch zu ihm zu führen, und so die Zeit vergehen lasst, die ich viel nützlicher an seiner Seite zubringen könnte.

Mylord, sprach hier Lady Melville, ohne still zu

stehen, Ihr behandelt mich auf eine unverzeihliche Weise. Eure unschicklichen Verfolgungen lassen mich nichts für wichtiger halten, als wie ich mich denselben entziehen soll, und das wenigstens darf ich nicht bezweifeln, dass mein Oheim Euch nie zu seinem Vermittler gewählt haben würde, hätte er ahnen können, mich dadurch in die beleidigende Vertraulichkeit mit einem mann zu bringen, der damit anfing, mich zum gegenstand einer unehrerbietigen Neigung zu machen. Aber davon abgesehen, dass das Vertrauen eines der edelsten Menschen Euch hätte bewegen müssen, mich mit achtung zu behandeln, muss ich jedenfalls einen Mann gering achten, der eine Lage, wie die meinige, zu benutzen sucht, um, während ich meines natürlichen Schutzes beraubt bin, mir Vorschläge zu tun, an die ich nicht denken darf, ohne Eure Nähe gleich der einer giftigen Schlange zu fliehen. Seitdem Ihr meinen Zorn empfunden habt, erst seitdem tretet Ihr als Gesandter auf, und unter der Autorität der Namen, die mir heilig sind, sucht Ihr mein verscheuchtes Vertrauen wieder zurück zu bringen. Vielleicht hatte ich Unrecht, Euch noch ein einziges Mal Gehör zu geben, aber ich bin noch zu jung, zu wenig gewohnt mich selbst zu leiten, und war zu überwältigt von dem Gedanken an die Möglichkeit dieses letzten, einzigen Schutzes, der mir geblieben, um dem nötigen und allzusehr gerechtfertigten Misstrauen sogleich Gehör geben zu können. Ihr habt, auf diese teure Namen hin, mich mit ungekannten Schrecknissen bedrohend, eine Verschwiegenheit von mir erpresst, die mich unaufhörlich beleidigt, die mich wie eine Schuld gegen die edle Familie belastet, der ich das unbedingteste Vertrauen schuldig zu sein glaube, und welche Ihr mir ohne alle Gründe als Gefahr bringend schildern wollt. Aber seid sicher, mein Herz verwirft diese falsche Stellung jeden Tag lebhafter, und eben heute fühle ich es unerlässlich, mich wieder rein zu stellen; heute noch soll die Herzogin von Nottingham erfahren, was Ihr von mir verlangt, in wessen geheimer Vollmacht Ihr hier zu sein vorgebt, und hat sie für mich geprüft, dann mögt Ihr immerhin unter dem Gefolge Euch befinden, das sie mir ersehen wird, um mich an den Ort meiner Bestimmung zu führen.

Nun, rief hier Membrocke mit einem Zorn, den er längst einmal gegen das mutige Mädchen zu versuchen entschlossen