einer Tür, und Membrocke eilte grüssend an Richmond vorüber.
Die Heuchlerin! rief die Marquise, dieser Hochmut vor den Augen der Welt, und doch eine Intrigue mit diesem sittenlosen Lord!
Wen meint Ihr, rief Ormond heftig bewegt; wie könnt Ihr entscheiden, wer diese Dame war, da das Mondlicht allein die Gallerie erleuchtet und wir uns irren können, sicher irren.
Irren? rief die Lady stolz und kalt, indem sie ihren Arm aus dem seinigen zog, irren? Wo wäre denn zum zweiten Mal diese neu erstandene Maria Stuart, die Ihr selbst wohl hinreichend kennen müsst, da Eure Augen sie stets begleiten und jetzt Eure Furcht vor ihrer Beschimpfung Euch hinreichend verrät. Ja, glaubt nur, Mylord, diese Erbin von Maria's Reizen ist auch die Erbin ihres bösen Blutes, ich durchschaute sie schon längst. –
Um Gotteswillen, Lady, mässigt Euch und seid nicht so grausam voreilig, es kann nicht sein, sicher Ihr irrt, es war nicht Lady Melville. –
Mit Hohn blickte die erzürnte Dame in das Gesicht des Grafen, dann rief sie bitter lächelnd: Unser Streit wird bald zu schlichten sein. Dort kommt Lord Richmond; er war ihnen ganz nah, er wird entscheiden können, wer diese zweideutige Dame war. Hierher, Lord Richmond! Meine Schritte sind gehemmt durch Erstaunen und Unwillen. Wie ist es möglich, dass Lady Melville sich zu diesem Liebhaber verstehen konnte? Erzählt uns, habt Ihr gehört, was sie sprachen? Wollte er sie umarmen, erhörte sie sein Flehen? – Unter diesen stürmischen fragen der Lady war Richmond näher gekommen. Aber auch die listige Stellung ihrer fragen sollte ihr zu keiner Bestätigung helfen; denn Richmonds zartes Gefühl erkannte mit Widerwillen die heftige Schadenfreude, womit sie das Böse zu vernehmen trachtete, und war sogleich entschlossen, ihr diese nicht zu gewähren. Lord Membrocke habe ich erkannt, erwiderte er ihr daher in gemessenem Tone, über die Dame aber, in deren Nähe er sich befand, kann ich nicht urteilen, da das Licht in der Gallerie zu unbestimmt ist, wie Euer Gnaden selbst bemerken werden.
Ein kurzes, bitteres Gelächter brach hier aus dem mund der höchlichst getäuschten Lady. Nun, Mylords, rief sie heftig, wenn Ihr Beide Eure Augen nur habt, wenn es gilt, diese Abenteuerin zu bewundern, so seid sicher, mein Auge war scharf genug, diese angebliche Lady Melville zu erkennen, und ich weiss jetzt genug von ihr. Ich wünsche Euch angenehme Träume, fügte sie spöttisch hinzu und verschwand in der tür, die zu ihrem Zimmer führte.
Die beiden Freunde kehrten schweigend nach dem saal zurück, wohin sie zu kommen sich verabredet hatten, aber ohne der ersehnten traulichen Mitteilung zu gedenken, wandelten sie neben einander mehrere Mal auf und ab, bis endlich Lord Ormond Richmonds Arm ergriff und mit einer tief bewegten stimme ihn anredete: Sprich, Richmond, gibt es keinen Zweifel, bist Du gewiss, dass sie es war?
Sie war es! erwiderte er ernst, denn sie ist nicht zu verkennen.
grosser Gott! rief Ormond heftig, welch' ein Zusammenhang knüpft dies Wesen an den nichtswürdigen Buben? Ich kann nicht glauben, was diese Danville auszusprechen wagt; ein anderer trauriger Zwang muss sie beherrschen. Sie steht verlassen ohne natürlichen Beistand da, jung und unerfahren; welch' ein Höllengedanke, dass es dem gelenken Bösewicht gelingen könnte, diesen Engel zu verlocken!
Und, sagte Richmond, bist Du wirklich sicher, dass sie dieses gute Vorurteil verdient? Hast Du seiter im täglichen Verkehr sie so genau geprüft? Ich kann mich zum Vertrauen noch nicht stimmen lassen, obwol ich es teilnehmend anerkenne, dass es ein hartes los ist, so da zu stehen, wie sie. Der kleinste Zweifel an der Reinheit einer Frau hängt sich verunstaltend um sie, wie ein böses Schlinggewächs um der Säule ebenmässigen Bau; und Zweifel mindestens hat sie erregt. Kannst Du die Rätsel lösen, die ihr Leben, ihr erscheinen unter uns begleiten? Kannst Du des Argwohns Dich überheben, wenn Du sie kennst?
Ich kenne diese geheimnissvollen Umstände, ergriff nun ruhiger Ormond das Wort, und weiss sie nicht zu lösen, doch fern bleibt von mir jeder Argwohn. Kenne sie nur erst und lass sie selbst Dir zeugnis ablegen von der unverfälschten Reinheit ihrer Seele! Sie fühlt den Schmerz, der ihrer Lage zugeteilt ist, nur als das trostlos plötzliche Vereinsamen eines in Liebesfülle aufgeblühten Kindes; doch fern liegt ihr die Ahnung einer ihr dadurch aufgedrückten Zweideutigkeit. Sie hat den festbegründeten Stolz der Unschuld und jenes rührende Vertrauen in die Wahrheit noch, durch deren offne Entüllung sie sich selbst und uns allen glaubt Genüge getan zu haben. Sie lebt so ohne Furcht vor uns in diesem Kreise, dass sie sich um nähere Entüllung ihres geheimnissvollen Lebens nur deshalb sorgend müht, weil sie der Unruhe ihrer Freunde über ihr Verschwinden denkt und es sich selig träumt, diejenigen der Ihrigen, die sie noch am Leben hofft, uns zuzuführen. Dass uns das erscheinen dieser Freunde zum zeugnis über sie auch nötig scheinen könnte, ahnt ihre Seele nicht. Und wer muss ihren unbekannten Freunden nicht zeugnis hoher Einsicht ablegen, wenn er die Erziehung dieses Mädchens kennt? Die natur hat an dieser schönen Hülle sich nicht erschöpft; frei, grossartig und edel ist jeder Trieb in dieser Brust, doch wie hat auch die Erziehung mit höchster Weisheit, mit Ehrfurcht fast vor dieser natürlichen Gestaltung, gegen alle Verkrüppelung sie