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, bis endlich eine lange Stille das Fernere der Beobachtung entzogen hatte. Als sie sich trennten und Beide Arm in Arm in dem Vorsaale erschienen, trugen sie wohl noch den Ausdruck heftiger Gemütsbewegung im Gesicht, aber zugleich den der Versöhnung. Hier erschien unangemeldet Buckingham, und nach einigen wütenden Worten gegen den Grafen, die Niemand verstand, befahl der Prinz der Dienerschaft, sich zu entfernen. Doch der heftig geführte Streit, der sich nun erhob, schien alle Grenzen zu übersteigen. Man hörte Buckinghams stimme, wie die eines Wahnsinnigen, und wenn die Worte dem Ohre unzugänglich blieben, musste es Augen gegeben haben, welche zu sehen wähnten, er habe die Hand gegen den Prinzen drohend erhoben, Robert habe ihn mit Riesenkraft ergriffen, gegen die Tür gedrängt, während der Prinz nach Wache schrie und den Herzog verhaften lassen wollte. Doch dies hinderte der Graf ebenso, und Buckingham, der etwas zur Besinnung gekommen zu sein schien, stürzte mit wütenden, unverständlichen Drohungen aus den Gemächern des Prinzen. Nach einem augenblicklich darauf erfolgten Besuche des Prinzen beim Könige erhielt Buckingham Befehl, auf seine Güter zu gehen. Doch zur selben Zeit verliess der Graf von Derbery in Begleitung seines Bruders auf vierundzwanzig Stunden London. Als er zurück kam, hatte ein unruhiges Pferd ihn geschleift und seinen Arm verwundet; es liefen darüber indess einige andere Vermutungen. Die Gräfin von Buckingham hatte ihre Abschieds-Audienz bei der Königin. Sie ward mit grosser Huld entlassen, aber die junge Gräfin war noch blässer, ihr Auge trübe und ihre Schritte wankend. Als sie, aus den Zimmern der Königin kommend, an dem Grafen von Derbery vorüber ging und ihn achtungsvoll zum Abschiede grüsste, sah die Gräfin Bristol schüchtern zu ihrem Verlobten hin; aber sein bewegtes Gesicht senkte sich, um den Gruss der Gräfin zu erwiedern, als ob eine gekrönte Fürstin an ihm vorüber ginge. Schmerzlich ruhte das Auge der Scheidenden auf diesem Grusse, und sie schwebte hinweg, um nie wieder die prachtvollen Säle von Whitehall zu betreten, in denen sie der Mittelpunkt alles Schönen und Vollkommenen gewesen war.

Bald darauf ward die Vermählung des jungen Grafen vollzogen, und da Beide nichts lebhafter wünschten, als den Hof zu verlassen, an welchem sie sich gestehn mussten, ein Gegenstand des Erstaunens und der Beobachtung geworden zu sein, gingen sie sogleich nach Godwie-Castle, während der Herzog von Nottingham in London verblieb, um sich zu seiner grossen Sendung nach Spanien vorzubereiten, wohin seine Gemahlin und Graf Archimbald ihn begleiteten.

Man sagte, die Trennung des Grafen von Derbery vom Prinzen Carl sei von Seiten des Prinzen eine Scene des leidenschaftlichsten Schmerzes gewesen. Er verliess einen Tag vor der Hochzeit London und sah die Gräfin erst später als Frau seines Freundes wieder. Wenige Tage nach ihrer Abreise kehrte er zurück, aber in eine für ihn ausgestorbene Welt, und der Ernst, der seine Stirn umhüllte, ging fast in Melancholie über. Dessenungeachtet war seine erste Handlung, den König um die Zurückberufung des Herzogs von Buckingham zu bitten, weil er wohl wusste, wie schwer Jakob sich zu einer solchen Demütigung seines Lieblings entschlossen hatte; und die Freude, die Jakob bei dieser Bitte zeigte, gab dem Prinzen die traurige Gewissheit, wie der König die gröbsten Beleidigungen gegen seinen Sohn eher vergessen, als den übermütigen Liebling entbehren könne. Nie erfuhr ein Mensch den Grund dieser wütenden Scene. Gewiss war es, dass die junge Gräfin von Buckingham an dem Tage der Verlobung des Grafen von Derbery den Grafen von Carlisle ausgeschlagen hatte. Auf ungestüme Befehle ihrer Brüder, des Herzogs und des Grafen Buckingham, diesen Antrag anzunehmen, hatte sie bestimmt erklärt, sich nie vermählen zu wollen. Sie fügte hinzu, ihre Gesundheit habe gelitten und sie wünsche mit ihrer Mutter das Schloss zu bewohnen, das der König derselben in Buckingham verliehen, und das sie nie mehr zu verlassen gedächte. Dies Schloss lag höchst einsam an einem kleinen Flekken, von Wäldern umgeben, und obwohl es der Gräfin ein bedeutendes Einkommen gewährte, schien es doch zu einsam und düster, um je von einem Mitgliede dieser glänzenden Familie bewohnt zu werden. Die Brüder erstarrten daher vor Erstaunen und Wut über den Entschluss einer Schwester, deren kurze Erscheinung sehr ehrgeizige Pläne, auf den ihr so verschwenderisch zu teil gewordenen Beifall gegründet, hinreichend gerechtfertigt hatte. Sie hielt die empörendsten Vorwürfe und Beschimpfungen aus, ohne sie abzulehnen oder zu erwiedern; als jedoch der Herzog mit dem bittersten Hohne ihr die unglückliche Liebe zum Grafen Derbery vorwarf und wie er sie verlassen, um einer Andern willen, gab sie bei diesen Worten den ersten Schmerzenslaut von sich, und als der Herzog, von der Erinnerung seines eigenen Verlustes noch höher gesteigert, mit rasender Wut Gott zum Zeugen anrief, sich an dem Grafen rächen zu wollen, sank sie mit dem Ausbruche der Verzweiflung zu seinen Füssen und bat ihn unter Strömen von Tränen, dies nicht über sie zu verhängen. Doch der Wütende schien seine gekränkte Eitelkeit bis zu Misshandlungen getrieben zu haben; man fand die Gräfin blutend am Boden, und ihre Mutter hatte dem Herzoge gedroht, sich unter den Schutz des Königs zu stellen.

So glaubte also die Welt, dass der Streit beim Prinzen eine Fortsetzung dieser Scene gewesen war, und dass des Herzogs Verbannung der unglücklichen Mutter zu hülfe kam, um mit ihrer Tochter unangefochten den Hof verlassen zu können.

Buckingham kam stolzer zurück, als er gegangen war. Der Prinz schien ihn nie zu sehen, doch vermied er mit fast ängstlicher