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Stille nur noch eine bedingte Wirksamkeit in den Angelegenheiten, welche die Höfe von Frankreich und England nach Buckinghams Absichten näher verbinden sollten.

Doch war es Buckingham bei seiner Rückkehr vorbehalten, den Gegner zu erkennen und zugleich die ans Fabelhafte grenzende leidenschaft der Königin für diesen fast hässlichen, ernsten und abgemessenen Sonderling. Seine Wut darüber kam nur dem Verlangen gleich, diesen ihm so unwürdig scheinenden Günstling zu stürzen, und die Eitelkeit der Königin unterstützte nur zu sehr die Unternehmungen des wilden Mannes.

Der Herzog verliess Frankreich mit dem Versprechen, als öffentlicher Gesandter und Bewerber um die königliche Prinzessin wieder zu kehren, und ein verhältnis alsdann fortzuführen, welches der Leichtsinn der Königin schon jetzt begünstigte. So übermütig er aber seine Absichten betrieb, fühlte er dennoch, dass seine Lage nicht ohne Schwierigkeiten sein würde. Richelieu war stets sein heimlicher Feind gewesen, stellte sich ihm jetzt aber als von gleichem Interesse und den schmeichelhaftesten Gesinnungen belebt gegenüber. Wie wenig er indess demselben trauen durfte, zeigten die von der Königin empfangenen Warnungen, die ihn zwangen, vorerst schneller abzureisen, um unter einem offiziellen und seine Sicherheit sanctionirenden charakter wiederzukehren. Auch war dieser ganze Vermählungsplan vorerst Eigentum seines Kopfes, womit er jedoch leicht fertig zu werden meinte, da er damit am sichersten König Jakobs Schmerz über die Zerstörung seiner Pläne in Spanien zu beruhigen dachte. Auch durfte er bei der Schönheit der Prinzessin Henriette die Einwilligung des Prinzen um so eher zu erhalten hoffen, als dieser von der freisinnigen Bildung dieser Fürstin keinen nachteiligen Einfluss derselben als Katolikin zu fürchten hatte.

Schon hatte Jakob, unfähig, dem halb zürnenden, halb schmeichelnden Buckingham zu widerstehen, zu Allem seine Einwilligung gegeben, während die Bewunderung des Prinzen für die bezaubernde Henriette von Frankreich ihm zur Zeit die seinige gleichfalls zu sichern schien; genug, der ersehnte Augenblick war nah, der ihn in dem vollen Glanze eines Bewerbers für seinen Prinzen an den Hof zurückrief, wo er hoffen durfte, unter dieser äussern Bestimmung die geheimen Wünsche und Absichten seines sittenlosen Herzens zu verfolgen. Wie musste er daher die Hindernisse aufnehmen, die sich ihm durch die Mitteilungen des Prinzen einzuleiten schienen, und wie die Ankunft des verhassten Mazarin, der sich nie ohne wichtige Absichten einzuführen pflegte und den er in so vielen Beziehungen zu fürchten hatte. Aber Hindernisse sind für intriguante Menschen nur ein erhöhtes Lebensprinzip, durch sie wird dem Verlangen, ihre Absichten zu erreichen, noch die besondere Freude, ihre Gegner zu demütigen, beigesellt.

Wir verlassen einstweilen diesen Schauplatz der Leidenschaften, uns mit den Andeutungen begnügend, deren weitere entwicklung dem Verfolg unserer Mitteilungen vorbehalten bleibt. In Burton-Hall hatte sich ausser dem Familienkreise des Grafen von Dorset eine zahlreiche Gesellschaft von jüngern und ältern Personen aus der Nachbarschaft gesammelt, welche das gastfreie Schloss der allgemein verehrten alten Herzogin in seiner weiten Ausdehnung anfüllte, und das heitere Leben eines fortlaufenden Festes darin verbreitete.

Die schönen Tage des Herbstes und die grossen wildreichen Forsten, die Burton-Hall umzogen, waren eine reiche Quelle von Vergnügungen für die Herren der Gesellschaft, und selbst die Damen verschmähten in der damaligen Zeit keinesweges, diesen Freuden mit einiger Begrenzung ihrer persönlichen Tätigkeit beizuwohnen. Ein Jagdzug gewann allerdings dadurch an mannigfachem Interesse, da in Gegenwart schöner Augen es oft noch ein lockenderes Ziel galt, als mit dem ersten sichern Schusse den zierlich dahin fliegenden Hirsch oder den wütend hervorbrechenden Keiler zu erlegen, und wenn auch dies Gelingen nicht fehlen durfte, suchte man doch mit gehöriger Kraft und Anmut Pferd und Waffe dabei zu regieren, ein andres Ziel noch ausser diesem im Sinne tragend. Denn wo die Schönheit der Frauen in der Brust des Mannes ein erhöhtes Leben verbreitet, da freut er sich, ein stolzes, wildes Pferd zu besteigen, das von seiner Kraft und seinem Mute sich bändigen lassen muss, und sein Herz jauchzt der kleinen Gefahr, wenn er im schlauen Aufblick das holde Antlitz der ängstlich Lauschenden sich entfärben sieht, oder den zarten Lippen der laut des Schreckens entschwebt.

Doch war so leichter Ruhm in jener Zeit, in welcher wir mit unserer Gesellschaft uns befinden, nicht wohl zu gewinnen, denn mutig, gewandt und mit mancher Gefahr des fröhlichen Waidwerks vertraut, waren auch die englischen Damen damals gewohnt, zu Rosse sich lustig zu tummeln, und es galt die volle Anstrengung der zärtlichen Kavaliere, durch ihre Taten Beifall oder Anteil zu erregen.

Diese Freuden, welche Burton-Hall so schön begünstigte, wurden durch den reich begabten See, der gegen Süden, zunächst dem kleinen Flecken Burton, den Park begrenzte, anmutig vervielfacht, und nach dem Umherschwärmen im Freien luden die Hallen und Gemächer des Fürstlichen Hauses zu anmutigen Spielen und Tänzen für die Jugend, während die älteren Männer und Frauen in den angrenzenden Gemächern um die alte Herzogin in traulich ernstem Gespräch versammelt blieben.

Noch immer beobachtete die jüngere Herzogin von Nottingham in diesem Kreise die ernste, verschlossene Haltung der trauernden Witwe. Sie suchte zwar vermöge der feinen Weise ihrer Erziehung die Heiterkeit um sie her nicht zu stören, und wusste stets mit vollkommener Hochachtung gegen den Willen der heiteren, verklärten Aeltermutter ihr eigenes Gefühl einer anständigen Willfährigkeit unterzuordnen. Aber sie konnte nicht wohl irgendwo erscheinen, ohne den Einfluss ihres Karakters selbst gegen ihren Willen um sich zu verbreiten, und Jeder glaubte eine Anforderung zur Beherrschung seiner eigentlichen Stimmung in ihren kalten, strengen Augen zu lesen.

Wenn die Jugend sich hiervon ausgenommen zeigte, so war es die Unbefangenheit und die geringere Wahrnehmung fremder Individualitäten, die diesem glücklichen Alter noch eigen ist,