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Hof Ludwigs des Dreizehnten durch die natürlichen Vorzüge des Prinzen gewinnen liess, und der Prinz die aufblühende Schönheit der Prinzessin Henriette, der reizenden Tochter Heinrichs des Vierten, kennen lernte, wusste er Richelieu für eine Verbindung Beider zu stimmen, ihm den Prinzen schon jetzt liebend zu schildern und, was seinen Besuch in Spanien betraf, der wahren Absicht die Lüge unterzuschieben, dass es dabei auf Henriettens Besitz abgesehen gewesen sei.

Richelieu hatte für den Augenblick kein Bedenken, zu tun, als ob er Buckingham Alles glaube. Diese Verbindung war ihm gelegen. Was ihr entgegen stand, kannte Richelieu besser, als Buckingham. Er war jedoch weit entfernt, diese Schwierigkeit hervor zu heben, die er im Gegenteil sehr bemüht gewesen war Buckingham verbergen zu helfen, zumal da deren Kenntniss damals, wo die Schwester des Herzogs noch am Leben war, nur zu gewiss in den Plänen desselben eine Diversion gemacht hätte. Richelieu war daher entschlossen, erst dann den Herzog die Entdeckung machen zu lassen, wenn er weit genug die Sache betrieben haben würde, um dann aus Stolz sie fortsetzen und notgedrungen selbst die Hindernisse entfernen zu müssen. Wenn jedoch der Herzog von Buckingham seinen Stolz darein setzte, als eine mächtige diplomatische person dazustehn, war sein charakter doch zu sehr die Beute aller Leidenschaften, um eine solche Stellung mit Consequenz und Ueberlegenheit durchführen zu können, und der Leichtsinn und der Uebermut seines ganzen Wesens verstrickte ihn oft zur selben Zeit, wo er das ernsteste Ziel verfolgen wollte, in tausend Nebendinge, die es dem Zufall anheim gaben, was aus der Hauptsache werden sollte.

Dass dessen ungeachtet ihm so viel gelungen, stand er nicht an, seinen Talenten beizumessen, wie sehr es auch nur seinen geschickteren Emissären oder der Furcht vor seiner zügellosen Rachsucht zuzuschreiben war.

Auf gleiche Weise wusste er dieser mit Frankreich angeknüpften Verbindung auch dies Mal eine Beimischung einer Torheit zu geben, die allein hinreichend war, über seine person die tödtlichsten Gefahren zu bringen, und ihn völlig untauglich machen musste, die Rolle des Unterhändlers, wonach sein ganzer Ehrgeiz trachtete, weiter durchzuführen.

Anna von Oesterreich, die Gemahlin Ludwig des Dreizehnten, lebte an dem hof ihres Gemahls wie eine Verstossene. Dreizehn Jahre lang war eine der schönsten und geistvollsten Frauen, die jemals einen Tron geziert, der Gegenstand eines unüberwindlichen Widerwillens ihres Gemahls gewesen. Jung und von stolzer Gemütsart, ertrug sie ihr hartes los nur mit tiefstem Verdruss, und wusste ihren Wandel nicht vor dem Vorwurf zu bewahren, dass sie ihr los verdient habe. Wie konnte Buckingham einer Frau, deren sonderbare Verhältnisse kein geheimnis waren, und deren bezaubernde Schönheit ihn augenblicklich zum Toren machte, gegenüber stehen, ohne sich jeden Versuch zu erlauben, den die freche Zügellosigkeit eines verwöhnten Wüstlings ersinnen mag, das Herz und Gewissen eines leidenschaftlichen Weibes zu betören.

Dass Richelieu auch dies kannte, war gewiss, da er jede Verbindung der unglücklichen Königin wusste, ja, leitete; aber er hatte, durch die Launen des Herzogs begünstigt, hier einen Wächter gefunden, wie ihn Buckingham sich nicht träumen liess, und der ihn desshalb um so sicherer durchschaute und umstrickte.

Mazarin, dessen unschönes Aeussere jeden Verdacht der Art von ihm zu entfernen schien, hatte durch den langsamen Zauber der Gewöhnung, durch einen vielseitig gebildeten Geist, durch ein sanftes, von kleinen Launen und Eigenheiten pikant gemachtes Wesen, und vor Allem durch den dargelegten Ausdruck einer anbetenden unglücklichen leidenschaft für die Königin, endlich das eitle und stolze Herz dieser leidenschaftlichen Frau erweicht. So stark gefesselt, und stets noch mehr sie unterjochend durch seine scharfen und launenhaften Sonderbarkeiten, die zu ertragen er sie gewöhnte, blieb er, wenn auch in Wahrheit mit italienischer Wärme sich hingezogen fühlend, doch stets Beherrscher dieser Empfindung, um sie den Umständen und äussern Verhältnissen unterzuordnen. So war ihm der mächtige Einfluss gesichert, der ihm aus dieser Empfindung für die Zukunft erwuchs. Aber er besass, bei aller Ruhe, womit er unter den Augen und mit der Beistimmung Richelieus diese Verbindung zu seinen Absichten zu lenken wusste, doch einen Grad von Eitelkeit, der sich bei unschönen Männern um so heftiger zeigt, als sie gezwungen sind, dieselbe eben um der ihnen verweigerten äussern Vorzüge willen zu verbergen. Er fühlte sich innerlich unsäglich geschmeichelt, dieser schönen geistreichen und hochfahrenden Königin eine leidenschaft eingeflösst zu haben, durch die ihr ganzer charakter aus den Fugen trat und zum willenlosen Spiel seines Willens ward. Die Gefahr eines Verlustes der so errungenen Gewalt für unmöglich zu halten, war vielleicht die grösste Täuschung dieses klaren Geistes, und es konnte nur der feinen Phantasmagorie seiner erwähnten Eitelkeit gelingen, ihn darüber sicher zu stellen.

Wie musste er daher Buckingham ansehen, der, ohne in ihm seinen Gegner zu ahnen, ihn fast überrennend, mit der rücksichtslosesten Zuversichtlichkeit und dem ganzen Ungestüm des schönen Mannes dem Ziele zustürmte, welches er für einen Andern fast nicht erreichbar wähnte. Noch war Buckinghams Besuch zu kurz gewesen, noch trieb die zärtliche Frau, Mazarins Eifersucht in ihrer tödtlichen Stärke ahnend, nur Spott mit seiner tollen leidenschaft; aber schon gefiel sich ihre Eitelkeit in der Bewunderung des wegen seiner Schönheit und Galanterie berühmten Mannes. Mazarin sah sie mit ihm die kleinen Künste treiben, die ihn freilich nur verführen sollten, um ihn zu verspotten, aber geweckt aus seiner wohlgefälligen Sicherheit, liess er sich nicht mehr täuschen, und fand sich zum ersten Male durch das mächtigste Gefühl in seinen politischen Ansichten und Beschlüssen gestört. Richelieu durchschaute ihn sogleich und erteilte ihm in der