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die Reise zu der Frau Gräfin denken konnte, indem ihn teils Seine Majestät der König, teils der Herr Herzog nicht aus den Augen verloren, war er im Begriffe mich abzusenden, um die, die er noch am Leben und sich, vermöge seiner Kämpfe um sie, näher gestellt wähnte, zu begrüssen. Denn die arme Dame war so von der Welt vergessen, dass ihr Tod für den Hof nur eine Fortsetzung ihres Lebens war und Niemand davon wissen konnte, da Niemand mit ihr in Verbindung stand. Da kam der Graf von Buckingham, der indessen, wie gewöhnlich, von einem Orte zum andern geschwelgt hatte, zurück und verkündete zuerst dem Herrn Herzoge den Tod der Schwester. Da der Herr Herzog sie seit ihrer Entfernung von London nicht wieder gesehen hatte, war ihm ihr Tod nun auch höchst gleichgültig, und so war es mehr der Zufall, als eine zu lösende Verpflichtung, dass der Herzog Seiner Majestät es anzeigte und nun des Anstandes halber dem Prinzen eine gleiche Meldung machte. Da ich jeden Augenblick etwas der Art erwartete, blieb ich stets in der Nähe Seiner Königlichen Hoheit, und so war ich Zeuge dieser traurigen Scene. Der Prinz blieb starr und bleich wie Marmor vor ihm stehen, dann fuhr er mit der Hand nach dem Herzen und stürzte ohnmächtig zu Boden. Ich verschloss sogleich die Türen, und wir brachten ihn beide nach langen vergeblichen Bemühungen in's Leben zurück; aber der Wahnsinn, in den der gnädige Herr geriet, entdeckte Buckingham das ihm lang entzogene geheimnis. Als der arme Herr anfing sich zu erholen, suchte sein gutes Herz Trost an dem Herzen des Bruders und fiel in die ausschweifendsten Pläne, jetzt noch der Verstorbenen jede Ehre zu erweisen, die er ihrem Leben nicht mehr hatte gewähren können; namentlich aber wollte er die junge Lady für seine Tochter erklärt haben und dem Könige darüber sogleich seine Bitte vortragen. Der Herr Herzog widersprachen ihm nicht, denn Sie waren doch anscheinend sehr überrascht und wohl ganz ungewiss über die von der Sache zu fassende Ansicht. Doch beruhigten Sie Seine Königliche Hoheit durch die Zusicherung jeder Mitwirkung, die in ihren Kräften stände; auch unterstützte ein zweiter Anfall, den der Prinz bekam, und dem eine gänzliche Abspannung folgte, das Bemühen des Herzogs, vor allen Dingen Zeit zu gewinnen. Die ärzte wurden nun gerufen, der König benachrichtigt, und obgleich der Herzog Alles tat, um müssige Personen zu entfernen, erscholl doch bald das ganze alte Schloss von der traurigen Nachricht dieses gefährlichen Erkrankens. –

Und was, fragte Mazarin weiter, was hörtest Du von der jungen Lady, die so schnell verschwunden, und deren Sicherheit durch den Grafen Buckingham so arg bedroht schien. –

Davenack, sprach Porter, hat mir darüber, was er von dem Kammerdiener des Grafen herausholen konnte, erzählt.

Nachdem nämlich der Herr Graf die Anzeige von dem tod seiner Schwester erhalten hatte, glaubte er in Abwesenheit des Herrn Herzogs, der am selben Tage London mit Seiner Königlichen Hoheit verlassen hatte, dahin abgehn zu müssen, nicht undeutlich die Hoffnung verratend, irgend einen Nachlass zu finden, der ihn für diese langweilige Reise entschädigen könne. Er hatte dieselbe auch so lange verzögert, dass er die Schwester im Sarge fand. Eines Abends, als er im BuckinghamPark noch bis zur Nacht schwelgend an der Tafel sass, meldete ihm sein Kammerdiener, es hätten sich vermummte Gestalten nach dem Paradezimmer, worin die Leiche der Frau Gräfin stand, geschlichen. Immer schien er die Ahnung irgend eines Geheimnisses zu haben. Daher gebietet er sogleich mehreren Dienern, ihm zu folgen, und findet die junge Lady an dem Sarge ihrer Mutter; er entreisst ihr den Schleier, der sie umhüllt, und die Aehnlichkeit mit seiner Schwester, die sich nun ihm zeigt, verwirrt ihn so, dass er einen Geist zu sehen glaubt. Feuergeschrei gibt ihr gelegenheit, mit Gersem zu entfliehn. Das Feuer leitete den Grafen nach einem vorher übersehenen Teile des Hauses; er fand eine halb verbrannte Frau; Mistress Hanna war es. In den Flammen, welche die von ihr im Schlaf umgestossene Kerze entzündet hatte, erwacht und von Aussen eingeschlossen, hatte sie ein Fenster aufgerissen, wodurch das Feuer nur mehr um sich griff, bis die Tür verbrannt einstürzte und hülfe von Aussen kam. Kaum war die Gefahr vorüber, so vermisste der Graf die Flüchtlinge. Schloss, Garten und endlich die angrenzenden Gehöfte wurden durchsucht; ein Hirtenknabe verriet die Fliehenden, die, um schneller zu entkommen, Pferde in einer Meierei genommen hatten.

Die Schönheit des Fräuleins, das Geheimnissvolle ihrer Auffindung und Flucht, Alles bringt den Herrn Grafen in Wut, er selbst setzt sich mit mehreren Dienern zu Pferde und bald hat er sie erreicht. Gersem setzt sich zur Wehre; ein Hieb über den Kopf streckt ihn nieder und gibt das sterbende fräulein in die Gewalt des Grafen. Da ihr Leben entflohn zu sein scheint, kehrt er zur Nacht in eine Hütte ein, um Wiederbelebungsversuche zu machen, während der schwer verwundete Gersem nach dem schloss voran gesendet wird. Aus jener Hütte nun ist das fräulein aufs Neue durch ein Fenster entflohn, und ob nun der Herr Graf durch das bereits Geschehene etwas die Lust verloren hatte oder die Unglückliche wirklich bald in Sicherheit kam, genug der Herr Graf kehrte nach mehreren Versuchen, sie aufzufinden, unverrichteter Sache zum schloss zurück. Er fand hier viel zu tun, das Feuer brannte noch; Gersem und Mistress Hanna waren sterbend. Er schickte