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und Verdienst, und alle nur erdenklichen bösen und gottlosen Reden über diese papistische Betschwester, wie er die allergnädigste Infantin zu nennen pflegte, gingen so rücksichtslos über seine Lippen, dass sie nur zu oft das Ohr meines Prinzen erreichten, aber anstatt den Prinzen zu kränken, was sonst der Herr Herzog auch eben nicht ungern veranlasste, fand er den Prinzen auf seine Ansicht fast eingehend. Ihr könnt Euch denken, wie dem armen Herrn das Herz schwellen mochte, wenn er eine Schwierigkeit nach der andern sinken sah und, vom alten Könige bedrängt, jede neue Ausflucht mit dem Zorne des Vaters erkaufen musste. Seine letzte hülfe war der Herzog von Nottingham. Sie sahen sich, und er, der am besten die verzweiflungsvolle Lage des Prinzen kannte, willigte ein, nach Madrid zu gehen. Als Schwiegersohn des Grafen Bristol konnte seine Reise nicht auffallen, und er war vom Prinzen zu jedem Mittel autorisirt, das diese gefürchtete Verbindung trennen konnte; ja, im letzten Falle sollte er der Grossmut der Infantin, von welcher der Prinz eine sehr gute Meinung hatte, sein ganzes verhältnis vertrauen, doch vorher bei dem Herrn Grafen von Bristol Alles erschöpfen, ihn davon abzuschrecken. Diese unglücklichen Ketzer besprachen sich in meiner Gegenwart über das beste Mittel, dem Herrn Gesandten die Vermählung mit einer Katolikin als verderblich fürs Land darzustellen! Ihr wisst, Hochwürdiger Herr, wie der arme Herzog Madrid nur erreichte, um an einem auf der Reise ausgebrochenen Fieber, worin er aus Eifer für seinen gnädigsten Prinzen sich nicht geschont, zu verscheiden. Als die entsetzliche Nachricht hier eintraf, die der erleuchtete Provinzial Manzori um zwölf Stunden früher an mich gelangen liess, ohne dass es in meiner Macht stand, den Prinzen vorzubereiten, – denn dies hätte den geheimen Weg verraten können, auf welchem ich davon in Kenntniss gesetzt worden, befanden sich eben der Herr Herzog von Buckingham bei Seiner Königlichen Hoheit. Den gnädigsten Herrn überwältigte der Schmerz auf das Heftigste, und ich sah ihn in die arme des Mannes stürzen, den er so lange Jahre vermieden hatte. Ach, Herr, die Hand stützte ihn, die sich einst freventlich gegen ihn erhoben! Aber der arme erschütterte Herr verriet in seinem Schmerze, warum der Herr Herzog nach Spanien gereist; denn in der Verblendung dieses Schmerzes nannte er sich den Mörder seines Freundes. Von diesem Augenblicke an vertrat Buckingham die Stelle des Vertrauten. Er erfuhr aber dennoch nicht den versteckten Anlass zu dem Widerwillen des Prinzen und ahnte ihn auch nicht. Denn der Herr Herzog sind wohl böswillig und äusserst listig, aber auch oft von grossem Leichtsinne besessen, und übersehen leicht die Ursachen, die Andere leiten, wenn Sie selbst nicht in Absichten gehindert sind, deren Erfolg Sie eben mit Eifer betreiben. Genug, er war es, der den Entschluss des Prinzen, nun selbst nach Spanien zu gehen, zuerst aussprach und den gnädigen Herrn dergestalt zu reizen wusste, dass er sich fast mit Gewalt von dem Könige die erlaubnis nahm. Er versprach dem Prinzen, dass er diese Verbindung stören wolle, indem er unverholen seinen Hass gegen den Grafen von Bristol und dessen Ruhm und Ansehn aussprach; ferner, wenn sie nach Spanien kämen, solle der Prinz dabei die Freiheit haben, sich als der liebenswürdigste Herr zu betragen, wobei er tausend Mal Ehre und Leben verpfändete, den Prinzen unangefochten durchzubringen. Und Ihr wisst, wie er vollständig sein Wort gelöst hat. –

Ja, unterbrach ihn Mazarin, von unwillkürlichem Verdruss ergriffen, weil die Väter Jesu ihn nicht hindern wollten, und den eiteln Toren unbewusst nach ihrer Genehmigung und ihrem Willen handeln liessen. Sie waren es, die seine Reise beschützten, und die zahllosen Gefahren von seinem und des Prinzen haupt abwendeten. Doch weiter, weiter, setzte er hinzu, von seinem Unmute, wie es schien, selbst überrascht.

Die Gräfin, fuhr Porter fort, sollte über die Reise Seiner Königlichen Hoheit getäuscht werden, wie man sie schon früher über die Reise des Herrn Herzogs von Nottingham getäuscht, was aber damals leichter möglich gewesen war, da sie eben auf einer Reise nach Schottland sich befand, um ihre Tochter abzuholen. Denn stets war diese edle Dame bereit, dem Prinzen die Freiheit wieder zu geben, und nie würde sie seine Schritte gegen den Willen des Königs genehmigt haben. Seine Königliche Hoheit sandten daher, da ihre baldige Rückkehr erwartet werden durfte, ihr die Bitte entgegen, seine längere Abwesenheit wegen Krankheit des Königs zu entschuldigen und nicht eher Briefe zu senden, als er sie abfordern werde. So war der Gefahr vorgebeugt, dass diese wichtigen Mitteilungen in fremde hände kämen, zugleich aber auch der armen Dame bei herannahendem Ende jedes Mittel geraubt, ihre Lage kund zu geben und ihre Tochter in Sicherheit zu bringen. Der einzige Schritt, den sie tat und tun konnte, den Herzog von Nottingham, unter dessen Namen alle ihre Briefe an den Prinzen gingen, zu unterrichten, brachte ihr die Nachricht seines Todes zurück. So kam es denn, dass die Nachricht von ihrem Ende durch die Beamten ihrer Güter dem allein anwesenden Grafen von Buckingham mitgeteilt ward, welcher sich sogleich beeilte, einen wohl bedeutenden Nachlass der Schwester in Beschlag zu nehmen.

Bei unserer Rückkehr erfuhr ich sofort, was ich Euch über den Tod der Frau Gräfin und die Flucht und das Verschwinden der jungen Lady mitgeteilt habe; denn der Herr Herzog hatten Ihren alten Kammerdiener zurückgelassen, und Davenack wusste nichts, was ich nicht auch erfuhr. Da der Prinz selbst nicht an