die schlimmste werde!"
Sie richtete jene tiefsinnig prüfenden fragen an Münchhausen, welche er so wenig verstand, als die unglücklichen Leser des ersten Teils dieser Geschichten sie werden verstanden haben. Münchhausen aber gab ihr darauf die befriedigendsten Antworten. Jetzt war sie versichert, dass ihr durch Blumenhut und Schurz die Erscheinung des Fürsten von Hechelkram angekündiget worden sei. "Aber wo, wo weilest du?" fragte ihre sehnsüchtige Seele.
Münchhausen begann zu erzählen, ein Tag nach dem andern verstrich, Rucciopuccio blieb unsichtbar. Ihr Gemüt litt unter der unruhigen Erwartung. Endlich fasste sie sich ein Herz (was wagt nicht ein liebendes Weib?) und schüchtern sagte sie zu dem Diener Karl Buttervogel eines Tages, gerade als sie ihn den Rock Münchhausens ausklopfend fand: "Karl, sein Sie wahr gegen mich! Wo weilt der Grössere, in dessen Dienste Sie eigentlich stehen?"
Karl Buttervogel liess den Klopfstock sinken, riss die Augen auf, spuckte, wie gemeine Leute bei Verlegenheiten zu tun pflegen, aus, und sagte: "Mich soll der Teufel holen, wenn mein Herr grösser ist, als ich, und ich kenne keinen Grösseren, und mit meinem Dienen hat es zum längsten gewährt."
"Wie?" fragte das fräulein in höchster Spannung.
"Denn diese Kondition gefällt mir nicht, und ich werde mich bald auf meine eigene Hand setzen", fuhr Karl Buttervogel fort.
"Was?" rief das fräulein, von einem überwältigenden Gedanken erschreckt. Sie wankte und war einer Ohnmacht nahe. Münchhausen, dem der Diener mit dem Rocke zu lange machte, kam in Hemdärmeln die Treppe heruntergestolpert und fing die Freundin auf. "Schlingel, was trödelst du wieder? Lauf jetzt und hole Essig für das gnädige fräulein!" rief er Karln zu. Dieser versetzte trotzig: "Ich bin kein Schlingel, denn Sie geben mir keinen Lohn, aber Essig tue ich holen aus Barmherzigkeit." – "Münchhausen", flüsterte Emerentia in den Armen des Freiherrn, "Sie sehen mich in meinem Schmerz und zeigen mir ein menschlich Herz. Schmerz nenne ich diese Stimmung, denn auch das Übermass der Freude kann wehe tun. Ich bin in einer unaussprechlichen Verfassung und beschwöre Sie, mir zu sagen: Sind Sie und Ihr Karl die Vorläufer jemandes, oder sind Sie ..." Münchhausen fuhr seltsam zusammen, zitterte mit den Nasenflügeln, sah sich scheu um, liess Emerentien nicht ausreden, sondern stotterte hastig: "Was Vorläufer? Lassen Sie sich doch nichts in den Kopf setzen, meine Diotima. Gott verdamme mich, wenn uns jemand nachgelaufen kommt. Wir sind da, ich und mein Taugenichts von Bedienten, und man muss uns nehmen, wie wir sind, und nicht wähnen, dass noch ein anderer uns folge und hier auf dem schloss ankommen könne."
"Also ist es klar und entschieden, mein Glück!" rief das fräulein. Der Bediente Karl Buttervogel kam mit Essig. Emerentia spreche sich und ihr Glück jetzt selbst aus.
Drittes Kapitel
Blätter aus Emerentias Tagebuche
"Was Vorläufer! Es kommt uns niemand nachgelaufen" – und: "Ich kenne keinen Grösseren, diese Kondition gefällt mir nicht, ich setze mich auf meine eigene Hand." – So hat denn also des Schicksals Zeichen recht. Blumenhut und Lauferschurz deuten nicht in die ungewisse Ferne, nein, in der nächsten Nähe hält sich, den meine Seele ewig lieben wird, mein Fürst, mein Freund, der Birmane von Nizza! Nach langen Prüfungsjahren schlägt die Stunde der Wiedervereinigung, die Augen meines Freundes suchen mich unter den Töchtern von Zion, und Sulamit schläft nicht, die Taube. Niemanden sendet er voraus, "gleich kommt er selbst, er ist im schloss, denn es läuft ihm ja niemand nach" – er ist da, denn "er kennt ja keinen Grösseren". – glückliche Emerentia!
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Aber welcher von beiden ist's? – Ist's der Freiherr, oder bis du es, Karl? Hier prüfe, hier sei bedachtsam, hier zeige deinen ganzen Scharfsinn, Herz! –
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Ach, das Herz ist stumm. Münchhausen und Karl sind mir beide gleichgültig. Das ist nun herrlich für die ferneren Beschlüsse des Geschicks, da ich dem Fürsten nur Freundin im reinsten Sinne des Worts sein will, aber übel für den Augenblick.
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Denn ich erkenne den Plan des Prätendenten von Hechelkram. Unter der Verkleidung will er seine Emerentia erforschen, und wie herrlich würde sie ihre Aufgabe lösen, wenn sie plötzlich vor den wahren träte und spräche: "Fürst, Sie sind erkannt; Liebe sieht mit Adlersblicken, Treue hält, was sie gefasst, teuren Hauptes leisestes Nicken kündet den ersehnten Gast!"
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Dass mir beide so gleichgültig sind! – Eigenartige Qual, seltsame Verwirrung, festgeschürzter Knoten!
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Ich glaube, der Freiherr ist's. Wir standen heute am Entenpfuhl, friedlich fischte das Gefieder nach dem grünen Flott zu unsern Füssen, ein erquickender Landregen fiel sanft vom grauen Himmel, der Freiherr erzählte mir eine seiner sinnigen Geschichten, wie er vorlängst durch ein Senfpflaster, auf das Haupt gelegt, und dessen Ziehkraft sich ein ausgefallenes Bein wieder eingerenkt habe – mein Busen wurde so weit, mir wurde so wohl und so weh, so – so –
Dumme Störung! Da werde ich gerufen, um Speck auszugeben. Wo die Lisbet nur bleibt, die Landstreicherin, das unnütze geschöpf? kommt sie wieder, soll sie