Geistlichen, welcher noch ein jüngerer Mann war, demütig die Hand, nahm ihm Hut und Stock ab und reichte ihm zum Willkomm einen Erfrischungstrunk. Die andern, nachdem sie Reihe herum die Braut ebenfalls mit Handschlag und Glückwunsch bedacht hatten und durch einen Trunk erquickt worden waren, verliessen die stube und gingen auf den Flur, der Geistliche aber unterhielt sich mit dem Hofschulzen, der beständig seinen Hut in der Hand, in ehrerbietiger Stellung vor ihm stand, über Gemeindeangelegenheiten.
Gern hätte der junge Jäger, welcher, von den übrigen unbeachtet, aus einer Ecke der stube den Auftritt mitangesehen hatte, schon früher den Geistlichen begrüsst, wenn es ihm nicht unbescheiden vorgekommen wäre, die Anreden und Antworten der Fremden und Hofesgenossen, welche trotz der bäuerlichen Szene etwas Diplomatisches hatten, zu stören. Denn in dem Diakonus war von ihm mit Erstaunen und Freude ein ehemaliger akademischer Bekannter wiedergefunden worden. Jetzt verliess der Hofschulze auf einen Augenblick das Zimmer und nun ging der Jäger zum Diakonus, ihn bei seinem Namen begrüssend. Der Geistliche stutzte, fuhr mit der Hand über die Augen, erkannte jedoch auch den andern sogleich wieder und freute sich nicht weniger, ihn zu sehen. "Aber" – fügte er den ersten Grussworten hinzu – "jetzt und hier ist keine Zeit zur Unterhaltung, kommen Sie nachher mit, wenn ich vom hof abfahre, dann wollen wir zusammen plaudern; hier bin ich ein öffentlicher Charakter und stehe unter dem Banne des gebietendsten Zeremoniells. Wir dürfen voneinander keine Notiz nehmen, fügen auch Sie sich passiv dem Ritual; vor allen Dingen, lachen Sie über nichts, was Sie sehen, das würde die guten Leute auf das höchste beleidigen. Und diese alten, festen Sitten, so seltsam sie aussehen mögen, haben doch auch immer ihr Ehrwürdiges." – "Sorgen Sie nicht", versetzte der Jäger, "aber ich möchte doch wissen ..." – "Alles nachher!" flüsterte der Geistliche, nach der tür blickend, durch welche soeben der Hofschulze wieder hereinkam. Er trat vor dem Jäger, wie vor einem Fremden, zurück.
Der Hofschulze und seine Tochter trugen die speisen auf dem Tische, welcher in dieser stube gedeckt stand, selbst auf. Da kam eine Hühnersuppe, eine Schüssel grüner Bohnen mit einer langen Mettwurst, Schweinsbraten mit Pflaumen, Butter, Brot und Käse, wozu eine Flasche Wein gestellt wurde. Alles dies wurde zu gleicher Zeit auf den Tisch gestellt. Der Bauer war von den Pferden ebenfalls hereingekommen. Als alles stand und dampfte, lud der Hofschulze den Diakonus höflich ein, es sich gefallen zu lassen.
Es war nur für zwei Personen dort gedeckt; der Geistliche, nachdem er ein Tischgebet gesprochen, setzte sich und etwas von ihm entfernt der Bauer. "Esse ich hier nicht mit?" fragte der Jäger. "Ei behüte", antwortete der Hofschulze, und die Braut sah ihn verwundert von der Seite an. – "Hier isst bloss der Herr Diakonus und der Kolonus, Sie setzen sich draussen bei dem Küster zu Tische." Der Jäger ging in ein anderes, gegenüberliegendes Zimmer, nachdem er noch zu seiner Verwunderung bemerkt hatte, dass der Hofschulze und seine Tochter auch die Bedienung jenes ersten und vornehmsten Tisches selbst übernahmen.
In dem andern Zimmer traf er den Küster, die Küsterin und die Magd um den dort gedeckten Tisch stehen, und, wie es schien, mit Ungeduld ihres vierten Genossen warten. Auch auf diesem Tische dampfte dieselbe Speise, wie auf der Pastorstafel nur fehlte Butter und Käse, auch zeigte sich dort statt des Weines Bier. Mit Würde trat der Küster an den Oberplatz und liess, die Augen in den Schüsseln, abermals folgenden Spruch vernehmen:
Alles, was da fleucht und kreucht auf der Erden,
Liess Gott der Herr für den Menschen erschaffen
werden;
Hühnersuppe, Bohnen, Wurst, Schweinsbraten,
Pflaumen sind allerwegen
Gottesgaben, gib, o Herr, dazu uns deinen Segen!
Worauf die Gesellschaft Platz nahm, der Küster obenan. Dieser wurde von seiner Gravität nicht verlassen, wie die Küsterin nicht von ihrem Korbe, den sie dicht neben sich hinstellte. Dagegen hatte die Pastorsmagd den ihrigen anspruchslos beiseite gesetzt.
Bei dem Mahle, welches aus wahren Bergen auf den Schüsseln bestand, wurde kein Wort gesprochen; der Küster verschlang in ernster Haltung ungeheuer zu nennende Portionen, und die Frau blieb wenig hinter dem mann zurück; am bescheidensten zeigte sich in diesem Punkte auch wieder die Magd. Was den Jäger betrifft, so beschränkte er sich fast nur auf das Zusehen; das heutige Zeremonialessen war nicht nach seinem Geschmack.
Nach beendigtem Mahle sagte der Küster zu den beiden Mägden, welche diesen Tisch bedient hatten, feierlich schmunzelnd: "Jetzt wollen wir denn, geliebt es Gott, die allhier erfallende Gebühr und den guten Willen in Empfang nehmen." Die Mägde hatten vorher schon den Tisch abgeräumt und gingen jetzt hinaus, der Küster aber setzte sich auf einen Stuhl mitten in der stube, die beiden Frauenspersonen, die Küsterin und die Magd, setzten sich ihm rechts und links zur Seite, vor sich die neugeöffneten Körbe. Nachdem die Erwartung, welche diese drei ausdrückten, einige Minuten gedauert hatte, traten die beiden Mägde, begleitet von ihrem Herrn, dem Hofschulzen, wieder ein. Die erste trug einen Korb mit weitläuftigem Flechtwerk oben, in welchem Hühner ängstlich gackerten und mit den Flügeln plusterten. Sie stellte ihn vor den Küster hin und dieser sagte, hineinschauend und nachzählend