Rotaarige. "Als zum Beispiel, so führte ich einen Zaunpfahl bei mir, um damit die Pferde einzutreiben, und wie ich nun den Pitter ansichtig wurde und ihn niedergeschmissen hatte, so dachte ich, du willst dem Hund mit dem Pfahl eins versetzen, dass er auf Lebenszeit genug hat, weil er nämlich an allen Mädchen herumkaressiert, so dass man gar nicht mehr ankommen kann. Aber da dachte ich auch, dass ich so viel darüber nachgedacht hatte: 'Jach sein zum Hader, zündet Feuer an, und jach sein zum Zanken, vergiesst Blut', und gab ihm bloss einen Puff auf die Nase und damit gut, und dann noch einen Tritt ins Kreuz und liess ihn laufen."
"Nun insofern mag es gut sein, aber künftig kannst du auch das Puffen und Treten unterlassen, wenn du über den Spruch nachgedacht hast", erwiderte der Hofschulze.
Der kleine Schwarzäugige, Verwegne sagte: "Meiner Treu', es ist und bleibt wahr, dass ein Sperling in der Hand besser ist, als ein Reiher auf dem dach. Darum habe ich die Gedanken auf die Gertrud drüben eingestellt, weil sie gar zu hoffärtig ist, und auf Michael einen Verspruch mit dem Wicht3 von Hölschers getan, die ich kriegen konnte."
"Magst du sie denn leiden?" fragte der Hofschulze.
"Ne", erwiderte der Kleine, "es wird aber doch schon gehen."
Der dicke Langsame, welcher zur Ameise geschickt worden war, ihre Weise anzusehen, erklärte, dabei nichts gelernt zu haben, "denn", sagte er, "ich bin auf keine Ameise gestossen". Dagegen sagte die erste Magd: "Euer Spruch, Baas, trifft nicht zu. 'Hast du Vieh, so warte sein, und trägt dir's Nutzen, so behalte es.' Denn ich habe die Kühe zu Abend gehörig gemelkt und abgewartet, und Nutzen würden sie mir auch tragen, aber behalten darf ich sie darum doch nicht."
"Der Spruch geht auf eine eigene Wirtschaft, und wenn du eine bekommst, so wird er eintreffen", antwortete der Hofschulze. "Ja so", sagte das Mädchen. – "Aber Ihr habt eine eigene Wirtschaft, Baas, und das Vieh trägt Euch Nutzen und Ihr behaltet es, und doch wartet Ihr nicht sein."
"Es ist ein Spruch für Frauenzimmer, nicht für Mannsleute", antwortete der Hofschulze etwas barsch. "Und nun lass dein fragen und schliess die Milchkammer zu."
Das Mädchen, welches am Mittage von dem Spruche: "Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt endlich an die Sonnen", rot geworden war, hatte bisher seitwärts und in sich gekehrt gesessen, an ihrer Schürze gezupft und scheu vor sich nieder geblickt.
Als nun die übrigen Knechte und Mägde gegangen waren, schlich sie sich zu ihrem Herrn, zupfte ihn verstohlen am Rock und ging mit ihm vor die tür ins Freie. Nach einiger Zeit kam der Hofschulze allein zurück und sagte zu seiner Tochter: "Es ist richtig, die Gitta4 hat mir's eben gestanden, sie hat sich mit dem Matties vergangen. Sprich du weiter mit ihr und sag ihr, wenn sie sich sonst ordentlich halte, wolle ich sorgen, dass der Matties an ihr seine Schuldigkeit tue."
"Ich habe mir's gleich gedacht", antwortete die Tochter, ohne über die Entdeckung und den ihr erteilten Auftrag verlegen zu werden.
Nach ihrer Entfernung sprach der Jäger seine Verwunderung über die Gewalt aus, welche er seinen Wirt in diesem Falle hatte üben sehen. "Das ist ganz leicht", versetzte der Hofschulze. "Ein jeder weiss, dass er nicht bei mir in Dienst bleibt, wenn ich auf ihn einen Argwohn habe, und er nicht bekennt und zu Kreuz kriecht. Tut er das aber, so vergebe ich ihm oder nehme mich seiner an. Da es mir meine Umstände zulassen, bei allem Lohn einen Taler mehr zu geben, als meine Nachbaren, so mag keiner vom Oberhof herunter. Kriege ich nun von etwas Wind, so ziele ich darauf mit einem Spruche hin, und gemeiniglich wird dann gebeichtet, weil nämlich der Sünder weiss, dass ausserdem ihm der Dienst aufgesagt ist."
Sie wünschten einander gute Nacht, und der Jäger ging auf sein Zimmer. Er entkleidete sich, schlug die Decke des Bettes zurück und sah an kleinen Fältchen der übrigens blendend weissen Leintücher, dass die Leute nicht für nötig gefunden hatten, dieselben nach dem letzten Besuche, welcher auf dieser stube geherbergt, zu wechseln. Eine wunderbare Empfindung durchrieselte ihn; er hatte das Mädchen, welches hier geruht, schon ganz vergessen gehabt, nun fiel ihm das Nachtäubchen wieder ein, er nahm es vom Stuhl, mass abermals an der Zerknitterung das Oval des Gesichtes ab, drückte es an seine Wange, wie um sie zu kühlen, und brach plötzlich in heftige Tränen aus. Denn in dieser jungen, saftschwangern natur lagen noch alle Widersprüche des Ernsten und Närrischen, welche das Leben später bis zur Gleichgültigkeit abdämpft, chaotisch nebeneinander.
Seine Unruhe, als er sich zwischen den Decken ausgestreckt hatte, wurde vermehrt, als er sich auf einmal erinnerte, dass er bei dem Abschiede von dem alten Jochem diesem ja gar nicht gesagt habe, wo er während dessen Spürfahrt verweilen wolle.
Sechstes Kapitel
Der Jäger schreibt an seinen Freund Ernst im
Schwarzwalde
Mentor, mein Mentor, dem