zog einen grossen Knochen aus dem Busen und hielt denselben seinem Widerpart unter die Augen. "He, was ist das?" fragte er triumphierend.
Die Bauern starrten den Knochen verdutzt an. Der Hofschulze antwortete, nachdem er ihn prüfend betrachtet hatte: "Ein Kuhknochen, Herr Schmitz. Sie sind auf einen Schindanger gestossen und nicht auf das Teutoburger Schlachtfeld."
Grimmig steckte der Sammler das bescholtene Altertum wieder an seinen Platz und stiess einige heftige Reden aus, denen der alte Bauer in derselben Weise zu begegnen wusste. Es sah daher nach einem Zanke zwischen beiden Männern aus; indessen hatte es damit nicht viel zu bedeuten. Denn es war schon hergebracht, dass sie über solche und ähnliche Dinge aneinander gerieten, wenn sie zusammenkamen. Immer aber blieben sie trotz dieser Streitigkeiten gute Freunde. Der Sammler, der sich das Brot am mund absparte, um seine Liebhaberei zu befriedigen, pflegte sich das Jahr hindurch wochenlang bei den gefüllten Fleischtöpfen des Oberhofes auszufüttern und half wieder seinerseits dem Gastfreunde mit allerhand Schreibereien in dessen Geschäften; denn er war seines Zeichens ein ehemaliger kaiserlicher geschworner und immatrikulierter Notarius.
Endlich sagte der Hofschulze nach vielem nutzlosen Hinund Herreden von beiden Seiten: "Ich will mit Ihnen über den Walplatz nicht streiten, obgleich ich dabei verbleibe, dass Hermann den Varus hier herum geschlagen hat. Es liegt mir aber überhaupt nicht viel daran, die Sache ist mehr für die Herrn Gelehrten, denn wenn der andere römische General sechs Jahre darauf, wie Sie mir oftmalen erzählt haben, schon wieder mit einer Armee in hiesigen Gegenden stand, so hat die ganze Bataille wenig zu bedeuten gehabt."
"Davon versteht Ihr nichts, Hofschulze!" fuhr der Sammler auf. "Auf der Hermannsschlacht beruht das gesamte deutsche Wesen. Wenn Hermann der Befreier nicht gewesen wäre, so sässet Ihr nicht so breit hier zwischen Euren Hecken und Pfählen. Aber ihr Leute lebt nur von einem Tage zum andern und geschichte und Altertümer sind euch nichts nütze."
"Oho, Herr Schmitz, da tun Sie mir doch gross Unrecht!" versetzte der alte Bauer stolz. "Weiss Gott, was für Pläsier es mir macht, bei Winterszeit die Chroniken und Historienbücher zu lesen, und Sie selbst wissen, dass ich mit dem Schwerte von Carolus Magnus (der Alte sprach die zweite Silbe lang aus), welches nun seit tausend und mehreren Jahren im Oberhofe aufbewahrt wird, umgehe, wie mit meinem Augapfel, folglich ..."
"Das Schwert Karls des Grossen!" sagte der Sammler höhnisch. "Freund, ist es denn nicht möglich, Euch diese Grillen aus dem kopf zu bringen? Hört doch nur –"
"Und ich sage und behaupte, dass es das echte und aufrichtige Schwert Caroli Magni ist, womit er hier auf dem Oberhofe den Freistuhl gesetzet und eingerichtet hat. Und das Schwert wirket und vollbringet noch heutzutage sein Amt, obgleich davon nicht weiter geredet werden darf." Der Alte sprach diese Worte mit einem Ausdrucke in den Mienen und mit einer Gebärde, die etwas Erhabenes hatten.
"Und ich sage und behaupte, dass das eitel Torheiten sind", eiferte der Sammler. "Ich habe den alten Flederwisch an die hundert Male untersucht, er hat kein halb Jahrtausend erlebt und rührt vielleicht aus der Soester Fehde her, wo ihn ein Reisiger des Erzbischofs, der sich hier in den büsche verkrochen, mag haben stehen lassen."
"Dass dich!" rief der Hofschulze und schlug mit der Faust auf den Tisch. Dann murmelte er vor sich hin: "Nun warte! dafür sollst du heute deine Strafe kriegen."
Der Knecht trat aus der tür. Er trug ein Gefäss aus gebrannter Erde, von bedeutendem Umfange und fremdartigem Ansehen, es steif und achtsam mit beiden Händen an den Henkeln gefasst.
"Ei Gott!" rief der Sammler, als es ihm näher zu gesicht kam, "das ist ja eine prächtige grosse Amphora! Woher stammt denn die?"
"Ich habe", versetzte der Hofschulze gleichgültig, "den alten Topf vor acht Tagen in meiner Kiesgrube gefunden, als Grand ausgestochen wurde. Es stand noch mehr des Zeuges umher, was aber die Leute mit den Grabscheiten zerschlagen haben. Der Topf allein ist erhalten worden. Ich wollte doch, dass Sie ihn sähen, da Sie einmal hier sind."
Mit feuchten Blicken betrachtete der Sammler das grosse, wohlerhaltene Gefäss. Endlich stammelte er: "Ist darüber kein Handel zu machen?"
"Nein", versetzte der alte Bauer kalt, "ich will den Topf mir selber aufheben." Er gab dem Knechte einen Wink, dieser wollte die Amphora in das Haus zurücktragen, wurde aber daran von dem Sammler gehindert, welcher, die Augen nicht von dem Gefässe wendend, den Eigentümer mit den mannigfaltigsten und beweglichsten Wendungen anging, ihm den ersehnten Weinkrug abzustehen. Es war indessen alles vergebens; der Hofschulze verblieb den eindringlichsten Bittworten gegenüber in unerschütterlicher Seelenruhe und machte auf diese Weise den unbewegten Mittelpunkt der Gruppe, um welchen die Bauern, die dem Handel mit aufgesperrten Mäulern zuhorchten, der Knecht, der das Gefäss an den Henkeln gefasst, dem haus zustrebte, und der Altertümler, welcher dasselbe am untern Ende festielt, die aufgeregten Seiten- und Nebenfiguren bildeten. Zuletzt sagte der Hofschulze, dass er in Willens gewesen sei, seinem gast den Topf, wie so manches früher aufgefundene Stück zu schenken, weil er selbst seine Freude daran habe, die