die erbaulichsten Gedanken bekommen, zum Exempel: Überhebe dich nicht, denn da steht geschrieben, wieviel Zinsroggen und Schlosshafer du geben musst, oder auch so: Wenn du draussen Lasten zu tragen hast, hier im Gotteshause bist du frei, und was dergleichen mehr war. Nun aber, als man auf die leeren Stellen sah, gingen die Gedanken immer wandern und suchen nach den Tafeln, und es dauerte geraume Zeit, ehe und bevor die Menschheit wieder recht nach dem Pastor hinhörte."
Er ging in sein Haus. – "Das ist ein alter Racker!" rief der Pferdehändler, als er seinen Handelsfreund nicht mehr sah, indem er den lackierten Hut verdriesslich wieder auf den Kopf stülpte. "Wenn der nicht will, so bringt ihn der Teufel nicht herum. Das Schlimmste ist, dass der Kerl die besten Pferde in der Gegend zieht, und sie im grund sozusagen billig genug losschlägt."
"Ein starres, widerhaariges Volk hierzulande", sagte der Rezeptor. "Ich bin erst vor kurzem aus Sachsen herversetzt, und merke den Abstand. Dort wohnen die Leute beisammen und deshalb müssen sie schon höflich und nachgiebig und betulich miteinander sein. Aber hier sitzt ein jeder auf seinem Kampe, hat sein Holz, sein Feld, seinen Wiesewachs um sich, als gäbe es sonst nichts in der Welt. Darum halten sie auch auf ihre alten Schnurren und Faxen so steif, die anderwärts überall abgekommen sind. Was für Mühe habe ich schon mit den andern Bauern wegen der dummen Umschreibereien gehabt, aber dieser hier ist doch der schlimmste."
"Das kommt daher, Herr Rezeptor, weil er so reich ist", bemerkte der Pferdehändler. "Mich wundert, dass Sie es mit den andern in der Bauerschaft ohne ihn durchgesetzt haben, denn der hier ist ihr General und Advokat und alles, sie richten sich in jeglicher Sache nach ihm. Er bückt sich vor keinem. Vorm Jahre kam ein Prinz hier durch; wie er den Hut vor dem abnahm, war es wahrhaftig, als wollte er sagen: Du bist der und ich bin der. Der Mistfink! Für die Stute sechsundzwanzig Pistolen haben zu wollen! Aber das ist das Unglück, wenn der Bauer zu viel Vermögen kriegt. Wenn Sie dort durch das Eichholz hindurch sind, gehen Sie eine geschlagene halbe Glockenstunde durch seine Felder. Und alles bestellt, dass es nur so eine Art hat. Ich bin mit meiner Koppel vorgestern durch den Roggen und Weizen geritten, und Gott strafe mich, wenn was anderes als die Köpfe von den Pferden über die Ähren hinübersahen. Ich dachte, ich würde ersaufen."
"Woher hat er's denn?" fragte der Rezeptor.
"Oh!" rief der Pferdehändler, "da liegen hier mehrere solcher Höfe herum, man heisst sie Oberhöfe; wenn die nicht manchen Edelmann ausstechen, so will ich nicht Marx heissen. Das Erdreich ist von uralter Zeit zusammengeblieben. Und sparsam und fleissig ist der Nichtsnutz von jeher gewesen, das muss man ihm lassen. Sie sahen ja, wie er sich abäscherte, nur um dem Schmidt die paar Groschen Verdienst zu nehmen. Jetzt freit seine Tochter einen andern jungen Geldschlingel; die kriegt mit! Ich bin an der Leinwandkammer durchgegangen, der Flachs und das Garn, das Gebild, die Wäsche und alle mögliche Kramerei ist bis unter die Decke gestopft. Und dazu gibt ihr der alte Schabhals noch bare sechstausend Taler mit. Blicken Sie nur um sich; ist es nicht hier, als ob man bei einem Grafen wäre?"
Während der letzten Reden hatte der verdriessliche Pferdehändler sacht in die Geldkatze gegriffen und den zwanzig Goldstücken, gleichsam gleichgültig tuend, noch sechs hinzugefügt. Der Hofschulze trat wieder in die tür, und der andre sagte brummend, ohne ihn anzusehen: "Da liegen die sechsundzwanzig, weil es einmal nicht anders sein soll."
Der alte Bauer lächelte schalkhaft und sprach: "Ich wusste wohl, dass Ihr das Pferd kaufen würdet, Herr Marx, denn Ihr sucht für den Rittmeister in Unna eins zu dreissig Pistolen, und mein Bräunchen passt Euch dazu, wie bestellt. Ich ging auch nur in das Haus, um die Goldwaage zu holen, und konnte vorhersehen, dass Ihr Euch unterdessen besonnen haben würdet."
Der Alte, welcher in seinen Bewegungen bald etwas ungemein Rasches, bald wieder die grösste Bedächtigkeit zeigte, je nachdem das Geschäft war, was er trieb, setzte sich an den Tisch, wischte langsam und sorgfältig seine Brille ab, spannte sie über die Nase und fing nun an, die Goldstücke genau zu wägen. Zwei oder drei musterte er als zu leicht aus, worüber der Pferdehändler ein heftiges Gezeter erhob, welchem der Hofschulze schweigend und kaltblütig, die Waage in der Hand behaltend, zuhörte, bis der andre statt der verworfenen vollwichtige hervorholte. Endlich war die Sache beendigt, der Verkäufer packte bedächtig das Geld in ein Papier und ging mit dem Pferdehändler nach dem Stalle, um ihm das Pferd zu überliefern.
Der Rezeptor wartete die Rückkunft der beiden nicht ab. "Mit solchem Klotz ist nichts anzufangen", sagte er, "aber wenn du uns nur nicht so ordentlich auf die Termine bezahltest, wir wollten dich –" Er fühlte nach seinen urkundlichen Papieren in der tasche, merkte an ihrem Knittern, dass sie noch darin seien, und schlich vom hof.
Aus dem Stalle traten der Rosskamm, der Schulze und ein Knecht, welcher zwei Pferde,