lang' was angesehen, sie schiesst zuweilen so verzwickte Blicke auf mich. Aber gnädiger Herr, warum sind wir denn so fortgegangen, wo uns die drei Herren so reichlich in allem unterhielten, und Sie nichts zu tun hatten, als sich ein paar Stunden von ihnen studieren zu lassen? Und warum kriechen wir hieher in dieses verwunschene Schloss, wo sich wahrhaftig keine Maus satt fressen kann? Ich liege in einem dunkeln Loche, weder von Sonne noch Mond beschienen, und will ein Halunke sein, wenn ich seit drei Tagen Fleisch gerochen habe! Dazu sind die Wanzen in meiner Spelunk', jeden Morgen bin ich zerbissen, als hätte ich mich mit sechs Jagdhunden herumgebalgt! Lassen Sie uns je eher, je lieber fort, gnädiger Herr, denn so gern ich Ihnen diene, hier halte ich es nicht lange aus."
"Hier bleibe ich, solange die Ursache dauert, welche mich hergeführt hat"; erwiderte der Freiherr mit Ansehn.
"Die Ursache, welche hergeführt hat", sagte Karl Buttervogel, "ist doch nur, dass Sie vom Pferde fielen, und diese hat aufgehört."
"O du Tor und Kurzsichtiger", rief Münchhausen zornig, "der du immer nur den Sturz vom Pferde erkennst und nicht wahrnimmst – –"
"Was, mein gnädiger Herr?"
"Nichts!" versetzte Münchhausen barsch, warf sich auf sein Bette, dass die Not- und Hülfssponde, welche der Schulmeister roh zusammengefügt, knackte, und schlief sogleich ein.
Karl Buttervogel stand mitten im Zimmer, die Kleidungsstücke seines Herrn auf dem arme, und sagte, als er ihn schnarchen hörte: "Es ist wahrhaftig recht schlecht von meinem Herrn, dass er mir nicht sagen will, warum wir hier in dem vermaledeiten Neste bleiben? Keinen Lohn kriegt man von ihm, sondern wird ewig vertröstet auf die Zeit, wo er die Luft wird festmachen können, wie sie's in Paris tun, und dennoch kein ganzes Zutrauen! Ich weiss doch, dass er nicht mit rechten Dingen in die Welt gekommen ist, warum sagt er mir denn nicht, was er hier vorhat?"
Zweites Buch
Der Wilde Jäger
Erstes Kapitel
Der Hofschulze
Im hof zwischen den Scheuren und Wirtschaftsgebäuden stand mit aufgekrempten Hemdärmeln der alte Hofschulze und schaute achtsam in ein Feuer, welches zwischen Steinen und Kloben am Boden entzündet, lustig flackerte. Er rückte einen kleinen Amboss, der danebenstand, zurecht, legte sich Hammer und Zange zum Griffe bereit, prüfte die Spitzen einiger grossen Radnägel, die er aus dem Bruststücke des vorgebundenen Schurzfells zog, legte die Nägel auf das Bodenbrett des Leiterwagens, dessen Rad er ausbessern wollte, und drehte die Stelle des Rades, von welcher ein Stück Schiene abgebrochen war, achtsam nach oben, worauf er durch untergeschobene Steine das Rad in seiner Stellung festigte.
Nachdem er wieder ein paar Augenblicke in das Feuer gesehen hatte, ohne dass seine hellen und scharfen Augen davon zu blinzeln begannen, fuhr er rasch mit der Zange hinein, hob das rotglühende Stück Eisen heraus, legte es auf den Amboss, schwang den Hammer darüber, dass die Funken sprühten, schlug das noch immer glutrötliche um das Rad, da wo die Schiene fehlte, schlug und schweisste es mit zwei gewaltigen Schlägen fest, und trieb dann die Nägel, welche es in seiner weichen Dehnbarkeit noch immer leicht hindurchliess, an ihre Plätze.
Einige der stärksten und heftigsten Schläge gaben dem eingefügten Stücke das letzte Geschick. Der Schulze stiess mit dem fuss die vor das Rad gelegten Steine hinweg, fasste den Wagen bei der Stange, um das geflickte Rad zu prüfen, und zog ihn ungeachtet seiner Schwere ohne Anstrengung quer über den Hof, so dass die Hühner, Gänse und Enten, welche sich ruhig gesonnt hatten, mit grossem Geschrei vor dem rasselnden Wagen entflohen, und ein paar Schweine aus ihrem eingewühlten Lager grunzend auffuhren.
Zwei Männer, von denen der eine ein Pferdehändler, der andre ein Rendant oder Rezeptor war, hatten, unter der grossen Linde am Tische vor dem Wohnhause sitzend und ihren Trunk verzehrend, der Arbeit des alten, rüstigen Mannes zugesehen. "Das muss wahr sein", rief jetzt der eine, der Pferdehändler, "Ihr hättet einen tüchtigen Schmidt abgegeben, Hofschulze!"
Der Hofschulze wusch in einem Stalleimer voll wasser, welcher neben dem kleinen Ambosse stand, sich hände und Gesicht, goss dann das Feuer aus, und sagte: "Ein Narr, der dem Schmidt gibt, was er selbst verdienen kann." Er nahm den Amboss, als sei er eine Feder, auf, und trug ihn nebst Hammer und Zange unter einen kleinen Schoppen zwischen Wohnhaus und Scheure, in welchem Hobelbank, Säge, Stemmeisen, und was sonst zu Zimmer- und Schreinergewerk gehört, bei Holz und Brettern mancher Art stand, lag oder hing.
Indem der Alte sich unter dem Schoppen noch zu schaffen machte, sagte der Pferdehändler zu dem Rezeptor: "Wollen Sie glauben, dass der auch alle Pfosten, Türen und Schwellen, die Kisten und Kasten im haus mit eigner Hand flickt, oder, wenn das Glück gut ist, auch neu zuschneidet? Ich meine, wenn er wollte, könnte er auch einen Kunstschreiner vorstellen und würde einen richtigen Schrank zuwege bringen."
"Da seid Ihr im Irrtum", sprach der Hofschulze, der das letzte gehört hatte und, das Schurzfell jetzt abgetan, im weissleinenen Kittel aus dem Schoppen trat. Er setzte sich zu den