, einen lakkierten Bedientenhut auf dem kopf trug und sich um den ersten mit einer Kleiderbürste bemühte, allerhand Erd- und Grasspuren von dem lichtgrauen Überrocke desselben zu tilgen.
Indem die Gesellschaft vom schloss sich den Fremden näherte, blickten diese auf, der erste sagte dem zweiten etwas in das Ohr, worauf der Diener den Strohhelm von der Erde erhob und seinem Herrn darreichte. Letzterer trat den dreien entgegen und sagte mit wunderbaren Muskelbewegungen im Antlitz zum alten Baron einige höfliche Worte der Entschuldigung, dass er so unangemeldet in seinen Garten gefallen sei. Der Baron versetzte, das habe gar nichts zu bedeuten, und der Schulmeister machte dazu eine tiefe Verbeugung. Beide musterten erstaunt die Zubehörungen des Fremdlings, wie man die Papierhefte, Rollen und Streifen wohl nennen durfte, welche aus den Seiten- rücken- und Brusttaschen seines Rocks, ja sogar aus den Öffnungen eines ledernen Ranzens hervorsahen, den er an einem Querriemen über die Schultern geworfen trug.
Die Aufmerksamkeit des Fräuleins war dagegen in diesen ersten Augenblicken weit mehr von dem Bedienten gefesselt worden. In der Tat zeigte der Aufzug dieses Menschen auch so manches von einer gewöhnlichen Livree Abweichende. Denn um von dem Strausse wilder Feldblumen zu schweigen, der an seinem hut duftete, so musste gewiss jedem sonderbar vorkommen, dass er einen grossen bunten Tuch wie einen Schurz sich um die Hüften geknüpft hatte.
Der Herr war indessen in die Mitte zwischen den Baron und den Schulmeister getreten, durch diese Bewegung war auch das fräulein veranlasst worden, ihn achtsamer zu betrachten, und sich zu nähern; so bildeten die drei eine Gruppe von Hörern um den Fremden, welche wie von selbst entstanden war. "Lassen Sie uns, geschätzte drei Unbekannte, nicht zu lange in einem leeren Erstaunen einander gegenüberstehen", hob er mit einer gewissen Feierlichkeit an, welche jedoch die Wiederholung jener Muskelbewegungen im Antlitz, auf die wir schon hingedeutet haben, nicht verhinderte. "Ich fühle etwas in mir, welches mir sagen will, dass unser Zusammentreffen in diesem verwilderten französischen Garten Folge einer siderischen Konjunktion ist, welcher die Signatur unserer vier Mikrokosmen entspricht. Ist dem also, so würde alles gehaltlose Verwundern, und der eitle Apparat nichtssagender Komplimente, welcher die Vorhalle unbedeutender Bekanntschaften auszieren muss, nur eine Verschwendung köstlicher Minuten sein. 'Hasche nach Minuten, denn auf ihren Fittichen ruht die Ewigkeit!' sagt uns ein weiser Dichter. Die tiefste Ahnung meiner Seele ruft mit vernehmlicher stimme: Es war vorbestimmt; die Zeit war dazu reif, dass mein Pferd an jener Hecke bocken, sich bäumen und mich zuerst auf jenen Unkrautaufen schleudern, demzufolge aber in Ihren freundlichen und empfänglichen Kreis befördern musste."
"Sind Sie vom Pferde gestürzt?" fragte der alte Baron. "Jawohl", versetzte der Fremde; "doch eigentlicher zu reden, ich flog mehr und beschrieb in der Luft eine Kurve, deren Berechnung wohl die Elemente der Ellipse ergeben möchte. Ich bin auf einer gelehrten Fusswanderung begriffen, deren Zweck es ist, das Mineral zu entdecken, wodurch man Luft – – – doch still vorderhand noch von diesen Dingen! Weil ich mich aber ermüdet fühlte, nahm ich in der Stadt, vier Meilen von hier, ein Mietpferd zu dem Abstecher in diese Gegend. Hieher wiesen mich geheime Andeutungen in manchen Schriften, welche die Menge nicht beachtet, die aber Körner gediegenen Goldes entalten. Auch eigne Kombinationen machten es mir wahrscheinlich, dass hier ein Stock des Min – – doch, wie gesagt, still davon! Ich hing auf meinem Pferde verschiednen Untersuchungen nach, wie es denn meine ziemlich ausgebreiteten Studien mit sich bringen, dass das Verschiedenartigste mir gleichzeitig durch den Kopf zu laufen pflegt. Ich fand, dass die Infusionstiere, deren Ökonomie mich unter andrem kürzlich beschäftigt hat, eigentlich unentwickelte Karpfen sind, und Gedächtnis besitzen ..."
"Können Sie mir mehr von den Infusionstieren sagen?" unterbrach der alte Baron mit einem schwärmerischen Eifer den Redner.
"Soviel Sie begehren; mit diesen Geschöpfen habe ich in dem vertrautesten Umgange gestanden", erwiderte jener.
"Dazwischen sann ich meinen Hypotesen über die Vertreibung und Verpflanzung der alten Nationen durch die Völkerwanderung nach, bewies mir, dass viel griechisches Blut unter uns rollt, worauf auch schon in der Sprache so manches hinweiset, wie z.B. Kater, abstammend von κα αιρω, reinigen, säubern, weil jenes Tier die Häuser von Mäusen reiniget; Katze, von der Präposition κατα, herab, gegen, darauf hin, drüber hin, durch hin, entlang; denn sind nicht die Katzen in ihrer geschmeidigen und stürmischen Beweglichkeit gewissermassen die lebendig gewordene Präposition Katá? Springen sie nicht unaufhörlich von Dächern und Bäumen herab? Nicht gegen Mauern? Nicht, wenn ein Vogel im Laube spielt, drauf hin? Nicht, scheint der Mond auf den Söller, drüber hin? Nicht durch dick und dünn hin? Nicht Kornfelder entlang? Also, griechische Rudera, wohin wir in Deutschland treten ..."
"Spartanische doch insbesondere auch?" fragte der Schulmeister mit funkelnden Augen.
"Die werden sich natürlich ebenfalls sehr leicht entdecken lassen", erwiderte der Fremde.
Der Schulmeister drückte dem alten Baron hinter dem rücken des Fremden feurig die Hand, und der Schlossherr, der an die Infusionstiere dachte, und alle Standesunterschiede vergessen hatte, erwiderte dieses Zeichen der Begeisterung mit Wärme. Der Fremde fuhr fort: "Diesen und vielen andern Gedanken hing ich auf dem rücken meines Tieres mit Bequemlichkeit nach, denn es