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aus unter dem Vorwande, es seien Rückstände von Zinsen, die sein ehemaliger Rentmeister nachlässigerweise uneingefordert gelassen habe. Der alte Baron wohnt bei diesem Freunde zur Miete, hat sich wieder Jagdgewehr angeschafft, schiesst Rehe, so viele er treffen kann, trinkt Rheinwein nach Bedürfnis und lebt ganz der Gegenwart.

Der Schulmeister Agesel liess in den "RheinischWestfälischen Anzeiger" einrücken, er erkläre jeden, der ihn nicht für einen gewöhnlichen Menschen im vollen Sinne des Worts halte, für einen Schurken, worauf der Küster aus Furcht, insultiert zu werden, seine andere Furcht nach und nach bemeistern gelernt hat.

In Dünkelblasenheim steht alles beim alten. Nationallied ist noch immer der Gesang der Fische aus Wielands Märchen:

Hätten's gern besser

Statt immer schlimmer;

Und raten immer,

Und treffen's nie.

Münchhausen wird in den höchsten Kreisen der Gesellschaft ganz ausserordentlich vermisst.

Von dem Verschwinden dieses wunderbaren Mannes ist der Schleier nie gelüftet worden. natürlich muss die Krypte einen geheimen Ausgang gehabt haben, wer nur wüsste, wo? – Eine ganz sonderbare Nachricht verbreitete sich unlängst. Ein Reisender wollte nämlich in einem kleinen Gebirgsstädtchen im Hohenzollern-Hechingenschen einen Mann, genau aussehend wie unser Held, mit einer ältlichen Dame lustwandeln gesehen haben. Auf Befragen hatte man dem Reisenden

gesagt, jener Mann heisse Münch, genannt Hausen, lebe vom Ackerbau, sei ein nützlicher Staatsbürger, guter Gatte und würde ohne Zweifel ein ebenso guter Vater werden, wenn seine Frau noch Kinder bekommen könnte.

Wäre dieser unschädliche Acker- und Staatsbürger wirklich Freiherr von Münchhausen, so hätte sich in unserer lehrreichen geschichte gerade das Gegenteil von dem ereignet, was in anderen Geschichten vorzukommen pflegt. Denn in denen werden meistens alle Vernünftigen toll, in der unsrigen aber wären durch tüchtige Eingriffe des Lebens, sei es mittelst

Nichtachtens auf die Schrolle, sei es mittelst Fallens auf den Kopf, oder mittelst Wiedererscheinens einer alten Geliebten, alle Tollen oder Halbtollen vernünftig geworden. Gewiss ein tröstlicher Ausgang!

Mit Wehmut wende ich mich zu Ihrer Frage nach Karl Buttervogel. Dieser praktische Charakter ist leider an seiner einzigen Schwäche untergegangen, er starb nämlich am Übermass von Gründen. Das ging so zu. Bald nach dem Verlassen des Münchhausenschen Dienstes fand er eine neue herrschaft, bei welcher er auch mit Pferden umgehen musste, d.h. er wurde zugleich Kutscher. Einstmals fuhr er nun in einem holprichten Wege so schlecht, dass ihn sein Herr heftig anliess und ihn fragte, warum er nicht im Geleise bleibe? Karl hätte hierauf einfach antworten sollen, dass er gegen Himmel, statt auf die Strasse gesehen habe. Er wandte aber den Kopf rückwärts und trug dem Herrn unaufhaltsam eine Fülle von Gründen vor. Da schlug der Wagen in ein tiefes Loch, Karl stürzte vom Bock, fiel vor das Rad, dieses ging über ihn weg und jämmerlich kam er um. An seinem grab weint Rieke aus Stuttgart, die er geheiratet hatte, mit zwei unmündigen Kindern. Ich weiss, dass auch Sie seinem Andenken eine Träne zollen werden.

Was das optische Glas zu lesen gegeben, kann ich Ihnen nicht sagen. Es liegt unter den Trümmern des Schlosses, die nicht hinweggeräumt worden sind.

Habe ich Sie nun zufriedengestellt, lieber Herr Buchbinder? Der ich mit aller achtung usw. N.S. Beinahe hätte ich den Oberamtmann vergessen. Eine geschichte mit so vielen Personen ist wie ein Wirtshaus voll Gäste. Bei der pünktlichsten Aufmerksamkeit wird doch immer der und jener sitzengelassen. Er kam aus dem gewerbfleissigen Wuppertale zurück, schon sehr verstimmt, denn von der Assise hatte er nichts zu sehen bekommen. Den ersten Tag seines Dortseins konnte er nämlich wegen Überfüllung des Saales mit Menschen nicht hinein, am zweiten Tage wurde eine Sache bei verschlossenen Türen verhandelt und am dritten eine ausgesetzt, weil der Hauptzeuge fehlte; womit die damalige Quartalsitzung schloss.

Als er nun gar seinen Freund, den er brautlos erwartete, vermählt wiederfinden musste, kannte sein Zorn keine Grenzen. Aber die Ehe sass wirklich wie ein guter Riegel fest und spottete jeglicher Bemühungen, sie hinwegzuschieben. Er reiste auf der Stelle ab, hat sich in den Schwarzwald vergraben und nichts mehr von sich hören lassen. Sein Glaube an die Menschheit soll sehr gesunken sein und Clelien nennt er, wie man sagt, nur Armiden, die listige Verführerin. Oswald hofft indessen doch noch ihn auszusöhnen.

II

Du fragst mich nicht nach den komischen Leuten, obgleich Du, lustig wie ein Knabe, an ihnen Dein Ergötzen hattest und Dich selbst nicht scheutest, über "den gemeinsten aller gemeinnen Bedienten" wie Du ihn nanntest, zu lachen. Du fragst mich nach Oswald und Lisbet. Ihre geschichte sei ja noch nicht aus, sagst du.

Nein, ihre geschichte ist auch nicht aus, sie hat erst begonnen. Ich hätte nicht solchen Anteil beiden gewidmet, wenn sie zu denen gehörten, deren Blüte das Läuten der Hochzeitglocken zu grab läutet. Die geschichte ihres Herzens und innersten Geistes nahm von dem Segen des Priesters den Ausgang.

Ein zu frühes Beieinandersein der Liebenden hat etwas Ungeschicktes. Das Leben ist nun einmal roh, es trennt mehr, als dass es verbinde. Der Tag wirft viel Schaum und trübe Flut zwischen zwei Herzen, die noch nicht gelernt hatten und auch unter solchen Umständen nicht lernen können, miteinander vertraut zu seindenn auch das echte Vertrauen will gelernt werden. Daher kommt es denn, dass die meisten einander zu fremd und doch zu nahe in den Ehestand treten. Und so entsteht