in der Ordnung und Regel kriegen wir's nimmer fertig. Hurli burli muss es gehen. Himmlisch kannst du sprechen. Herzkind, und einer jungen Strohwitwe, die noch dazu das Unglück hat, selbst in ihren Landläufer von Gemahl verliebt zu sein, den Kopf schon verdrehen; aber kennst du die Welt, das taube, hartmäulige Tier? Brautleute sind zu trennen, eine Verlobung ist rückgängig zu machen, da muss man also einen Riegel vorschieben, einen von denen, die nicht weichen und wanken. O die Ehe, der gute, feste, unweichsame Riegel! Immer gleich sieht er aus, man mag ihn von der oder der Seite beschauen. Seid ihr getraut, so mögen sie schimpfen, skandalieren, schikanieren, ihr sitzt geborgen hinterm Riegel. Da hat selbst der Kaiser seine Macht verloren. Ihr seid Mann und Frau und sie müssen sehen, wie sie sich drein finden. – Jetzt aber komm her, mein Bräutlein, dass ich dich schmücke."
Sie stellte ihren Juwelenkasten neben sich, setzte sich in einen Lehnstuhl und Lisbet musste vor ihr auf dem Fussschemel knien. – "Ein anderes Kleid können wir dir nicht anziehen, denn meine sind dir zu weit, du schlankes Reh, aber die besten Brillanten schenke ich dir"; sagte sie. Ein reiches Collier, die Brosche und die dazugehörigen Ohrgehänge nahm sie aus dem Kasten. Sie legte der Knienden die prächtigen Steine an und um und wie gern liess sich die glückliche, halbbetäubte Lisbet zieren! – "Sieht sie in ihrem weissen Cambrickleidchen und mit den Diamanten vom reinsten wasser nicht aus wie ein Märchen, einfach, strahlend, ärmlich, feenreich?" rief sie, als sie ihr Werk vollendet hatte. Sie erhob die Geschmückte und drehte sie nach allen Seiten, um die wirkung der Brillanten zu prüfen.
Der Diakonus kam. Fancy hatte ihn von der Strasse hereingeholt. Er kehrte eben aus dem Gerichtshause zurück, den Auftritt mit dem Hofschulzen noch in Haupt und Herzen. Seine Frau, die auch schon etwas von der Revolution in ihrem haus gehört hatte, folgte. Fancy schloss den Zug. Die Wirte sahen mit Erstaunen auf Lisbet, die wirklich dastand, ein armes, reiches, weisses, buntes Wunder. – "Kleine Frau", rief Clelia ihre Wirtin an, "Sie bekommen heute freies Haus. Sobald wir hier unsere Pflicht getan haben, reise ich ab; denn den Oberamtmann überlasse ich euch, ihr Guten, und der wird denn auch bald zornschnaubend seiner Wege gehen."
"Herr Pastor", sagte sie gravitätisch zum Diakonus, "Sie werden ersucht, Ihren Mantel anzulegen, die Bäffchen vorzustecken und sofort Ihr heiliges Amt zu verrichten."
"Wie?" versetzte der Diakonus äusserst befremdet. "Ohne Aufgebot, ohne Formalitäten ..."
"Einspruch erfolgt nicht, auf Kavalierparole", sagte Clelia noch feierlicher. – "Und was die Formalitäten betrifft, so steht hier eine bekränzte Braut, drüben im Zimmer sitzt ein harrender Bräutigam, ich habe mich als ehestiftende Juno aus dem Stegreife in Staat geworfen, zwei ehrliche Leute als Zeugen werden zu haben sein, weitere Formalitäten sind wohl überall zu einer Hochzeit nicht erforderlich."
Er versagte auf das bestimmteste die Bitte. Clelia wurde aber dringender und fand an der Frau des Geistlichen eine Bundesgenossin. "Ich dächte, liebes Kind, du gäbest nach", sprach sie mit einem verlegenen vielsagenden Blicke.
Mit der ganzen Offenheit, welche seine Äusserung über den modernen Adel gegen die Exzellenz auf dem Oberhofe geziert hatte, rief der Diakonus, sich vergessend: "Nein, mein Schatz, weil du etwas länger Last in der Küche behältst, deshalb kann sich dein Mann nicht scharfen Verweisen oder gar Strafen aussetzen."
"Darüber will ich Sie beruhigen!" rief Clelia. "Ich kenne Ihren *, er ist in Karlsbad ganz überaus freundlich gegen mich gewesen, denn er erwartet von mir eine gefälligkeit bei uns daheim. Eine Hand wäscht die andere, ich verbürge mich dafür, dass Sie mit einer leichten Zurechtweisung, die Ihnen nur des Scheins halber erteilt werden wird, entschlüpfen sollen, zumal da in der Sache selbst nichts Unrechtes geschieht." – Fancy schlich fort; sie wusste, wo der Ornat hing.
"Gnädige Frau", versetzte der Diakonus emst, "die Formen sind einmal in der Welt und die Formen sind heilsam. Entschuldigen Sie, wenn ich mich innerhalb der mir gewiesenen Schranken halte."
Aber auch Clelia konnte ernstaft werden. So fest und gehalten, dass es alle Anwesende überraschte, sagte sie: "Meine Eitelkeit erlebt wenigstens einen kleinen Triumph darüber, dass Sie mir so bald und so vollständig Genugtuung geben. Sie grollten mit mir gar sehr in Ihrem Herzen, dass ich die Bettlerin, das Findelkind – denn ich darf sie so nennen, sie weiss, wie lieb ich sie gewonnen habe – nicht in der ältesten Familie des Reichs haben wollte, und nun weigern Sie sich, ja Sie, zwei Lieblinge Ihres Herzens allen Nöten zu enteben. Und weshalb weigern Sie sich? Einer Form, einer armseligen Form wegen, deren Verletzung Ihnen möglicherweise eine kleine Unannehmlichkeit im amt machen könnte. O ihr anderen, wann werdet ihr doch ablassen, euch über uns aufzuhalten? Ich bin doch besser als Sie. Denn ich ward wenigstens von dem königlichen Gemüte dieses Kindes, welches ich nun mit Freuden für meine Verwandte, Gräfin Waldburg, erkenne, rasch bekehrt.