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ihre Liebhaber sind?

Willst du mir nicht auch noch gar einen Fächer in die Hand geben? – Schwarze, bescheidene!"

"Schwarze, bescheidene!" rief Fancy und brachte die verlangten.

"Armband!"

Fancy knüpfte mit unerhörter Schnelligkeit die drei Armbänder um, während Clelia nach der tür sah.

"Fertig?"

"Ja."

"Herein! – Himmel, du hast mir ja drei Armb–" aber sie vollendete das Wort nicht und der Überfluss des Armschmuckes war nicht mehr zu beseitigen. Denn schon trat Lisbet herein. Es war ein grosser Gegensatz, diese schlanke, vornehme junge Gestalt im einfachen Gewande der etwas zu kleinen und vollen Baronesse im höchsten Putz gegenüber. Sie trat bescheiden aber sicher auf, Clelia wollte sich anfangs Airs geben, dieses Bestreben zerbrach indessen sogleich an ihrem grundguten Wesen. Sie reichte verlegen-freundlich Lisbet die Hand, setzte sich ins Sofa, liess einen Sessel stellen und flüsterte Fancy zu, sie solle sich in ihrem Zimmer nebenan aufhalten. Als ob es zufällig geschähe, breitete sie ihr Taschentuch aus und entzog dadurch wenigsten die Pracht der Chatelaine und der Armbänder (denn sie wusste auch die linke Hand mit dem Tuche zu bedecken) den Blicken Lisbets. Wieviel würde sie darum gegeben haben, wenn sie statt des Kaschmirkleides das von Mousseline de Laine angehabt hätte! Der volle Putz raubte ihr die Hälfte ihrer Festigkeit. Sie suchte eine Zeitlang vergebens nach einem schicklichen Anknüpfungspunkte des Gesprächs und so sassen beide, als Fancy sie allein gelassen hatte, eine Zeitlang schweigend einander gegenüber. Lisbet sah vor sich hin und hatte keine Ahnung von dem, was folgen sollte, denn Clelia war ihr immer gütig begegnet.

Endlich sammelte sich diese so weit, um die Unterredung beginnen zu können. Sie sagte ihrem Besuche, dass bis jetzt der Gedanke an Oswalds Krankheit alle anderen Vorstellungen in den Hintergrund gedrängt habe, dass aber nun mit seiner Herstellung die Verhältnisse des Lebens in ihr Recht wieder einzutreten begännen, und dass sie daher wünsche über die Gestaltung der Zukunft mit ihr ein ebenso ernstes als vertrauliches Wort zu reden. – Da sie diesen Eingang zwar mit aller ihr zu Gebote stehenden Würde aber doch höchst liebreich vorgebracht hatte, so konnte Lisbet denselben nur für eine Vorrede zu freundlichen Erklärungen ansehen. Schüchtern versetzte sie, dass die Baronesse ihr mit solchen Worten eine grosse Freude mache, und fasste nach Clelias Hand, um sie zu küssen. Indem sie aber ihre Lippen der Hand näherte, fiel ihr ein, wer sie durch Oswalds Liebe sei, sie richtete sich daher sanft auf und liess die Hand Clelias fallen, welche ein Erstaunen über diesen Hergang nicht verbergen konnte.

"Nun also, mein Kind, wie soll denn das nun werden?" sagte Clelia, etwas verlegen mit dem Schal spielend.

Lisbet errötete, senkte ihr Haupt wieder und versetzte: "Von der Zeit unserer Verbindung ist zwischen uns noch nicht die Rede gewesen, zwischen dem Grafen und mir."

"Verbindung!" rief Clelia lebhaft. "Ei! Ei! mein liebes Kind, Sie sprechen ja von der Verbindung mit meinem Vetter, als sei diese eine ausgemachte und sich von selbst verstehende Sache."

Lisbet hob langsam ihr Antlitz empor, sah Clelien mit grossen Augen an und fragte: "Wovon wollten Sie denn mit mir reden, gnädige Frau?"

Die wirkung einer einfachen aber zur rechten Zeit angebrachten Frage ist oft gross. Clelia hatte sich auf eine begeisterte Versicherung, auf flammende Reden gefasst gemacht und würde diesen Gluten mit gleichem Feuer begegnet sein. Nun aber sollte sie schlichtweg sagen, was sie wolle? und diese Zumutung setzt in vielen Lagen des Lebens in eine nicht geringe Verlegenheit. An ihr war jetzt die Reihe, die Augen niederzuschlagen; sie sprach, dass man es hätte Stottern nennen können: "Sie scheinen gar nicht erwogen zu haben, Lisbetdenken Sie nur nicht, mein liebes Mädchen, dass ich Sie kränken willnein gewiss nichtund wären Sie nurso wäre ich ja voll Freudeindessen gibt es doch Dinge in der Weltunwiderleglich vorhandene DingeDinge, Lisbetmein Gott, Sie müssen mich ja wohl verstehen ..."

"Ja, gnädige Frau, ich verstehe Sie nun", sagte Lisbet mit einem Tone, als unterdrücke sie ein stilles Weinen.

"Auf denn also, Lisbet, Mut!" rief Clelia, Atem schöpfend. – "Nur zeigen darf man einem so reinen Gemüte das Richtige, und es ergreift es. Die wahre Liebe liebt das Glück des Geliebten. Und das Glück? Ist es ein trunkener Augenblick, ist es die Aufwallung der Flitterwochen? Ach nein. Das wahre Glück besteht doch zuletzt nur in der Harmonie mit allen Verhältnissen des Lebens; in dem Gefühle von dieser Harmonie. Sie dem gegenstand der Neigung unverstimmt zu lassen, das ist Liebe, das ist tugendhafte Liebe. Sie fühlen ja nun selbst, teure Lisbet, was ich gern unausgesprochen lasse. – Es geht nicht, es geht wahrhaftig nicht. Mein Gott, wären Sie doch nuraber– Sie empfinden es, wenn Sie meinen Vetter aufrichtig lieben, so dürfen Sie ihn nicht heiraten. Und nun kommen Sie, mein armes Kind, kommen Sie an meine Brust, und weinen Sie sich aus, denn wahrhaftig, ich weiss mit Ihnen zu empfinden."

Sie breitete ihre arme gegen Lisbet aus. Diese lehnte aber mit einer demütigen Bewegung das Liebeszeichen ab und