einige seiner schönsten Exemplare aufbewahrte, ein prächtiges Myrtenbäumchen herein, musterte die längsten und frischesten Zweige, an denen sich zugleich Knöspchen und runde frische Blüten befanden, wehte mit einem leichten bunten Federwedel etwas Staub, der sich auf die Blätter gesetzt hatte, ab, summte dazu, aber so leise, dass ihre Gebieterin nebenan es nicht hören konnte, die alte "veilchenblaue Seide" aus dem "Freischützen", lächelte, seufzte dann, legte die Hand auf die Brust und liess das Myrtenbäumchen im Zimmer stehen, um es gleich zu haben, wie sie für sich sagte. Hierauf ging sie zu Lisbet, und richtete ihre Bestellung aus. Lisbet war ernst und wehmütig, denn sie hatte bei dem alten Pfleger eine trübe probe zu bestehen gehabt. Fancy wollte ihr etwas sagen, aber diesem ernsten Antlitze gegenüber erstarb ihr schlaues Wort auf der Lippe.
Die junge Dame, der im wahren Interesse ihres nächsten Verwandten ein so schwieriges Geschäft oblag, erhob sich und sagte nach dem Frühstück: "Fancy, was ziehe ich denn wohl heute an?" – "Gnädige Frau", erwiderte Fancy, "Sie müssen ganze Toilette machen." – "Nun, nur nicht zu übertrieben", sagte die Baronesse. "Nein, nicht zu übertrieben", versetzte Fancy.
Sie kramte hierauf in den Koffern und Kartons und nahm den gewähltesten Putz heraus. Zum Anzuge bestimmte sie das noch nicht getragene prächtige Kaschmirkleid von violetter Farbe mit einer Schnippentaille, und fügte dem Kleide einen weissen Mousselinede-Soie-Schal hinzu. Unter den Strümpfen suchte sie die feinsten à jour gewebten aus und unter den Schuhen ein Paar von schwarzem Atlas. Kurze weisse Handschuhe mit Spitzen garniert nahm sie aus einem Karton. Als es nun an die Musterung des Schmuckes ging, so schien ihr eine schwere Chatelaine mit goldenen und silbernen Gliedern, gotischem Schloss und Medaillon schicklich zu sein. drei Armbänder dünkten ihr nicht zuviel, eins mit Steinen, deren Anfangsbuchstaben den Namen: Clelia zusammensetzten, ein prächtiges Geschenk des abwesenden Herrn und zwei einfachere, das eine ein schlichter Goldreifen, das andere mit Türquoisen besetzt. Für die Haarflechten legte sie eine goldene Kette zurecht; ein blitzendes Diadem wollte sie nachfolgen lassen, bedachte sich aber noch zur rechten Zeit, dass man im Guten zuviel tun könne und stellte es wieder beiseite. Es versteht sich, dass ein gesticktes Taschentuch vom feinsten Batist nicht vergessen wurde.
Während dieser ernsten und gründlichen Vorbereitung rüstete sich Clelia ebenfalls und zwar in höherer Weise zu der Unterredung mit Lisbet. Sie las einen Roman und erwog dabei, was sie dem Mädchen sagen wollte. In der Tat war Oswalds Abenteuer so sehr gegen alle Voraussetzungen seiner Verhältnisse, dass ihr die stärksten Gründe, hergenommen aus dem Wesen uneigennütziger Liebe, echten Schicklichkeitsgefühls und frommer Ergebung in reicher Fülle zuströmen mussten; Gründe, die nach ihrer Meinung eine schlagende wirkung auf ein edles weibliches Gemüt nicht verfehlen konnten. Sie erging sich mit Wohlgefallen in den Reden, welche diese Gründe näher entwickeln sollten, und las dazwischen immer einige Seiten des Romans. Da er zu denen gehörte, welche bei uns zweite Auflagen erleben, so leitete er ihre Gedanken von dem gegenstand, der ihre Seele beschäftigte, nicht ab. Sie war so sehr in ihr Vorhaben vertieft, dass sie auf Fancys Tun und Treiben nicht achtete und des Fluges der Stunden ebenfalls nicht inneward, die unter solchen Übungen innerer Beredsamkeit rasch zu verfliessen pflegen.
Fancy musste sie erinnern, dass die Zeit gekommen sei, sich kleiden zu lassen. Noch immer in ihre Gedanken und Gründe verloren widmete sie dem Anzuge keine Aufmerksamkeit. Sie liess die einfachen Strümpfe von den zierlichen weissen Füssen streifen und diese mit den spinnwebenfeinen durchbrochenen bekleiden, es fiel ihr nicht auf, als Fancy, nachdem sie die Flechten gemacht, dieselben mit der goldenen Kette umwand, sie schlüpfte in das prächtige Kaschmirkleid, empfing die schwere Chatelaine um die schöne Taille und liess sich den Schal von Mousseline de Soie um Hals und Schultern legen, ohne bei einem dieser Stükke eine Erinnerung zu machen. Nur als ihr Fancy die weissen garnierten Handschuhe mit blassroten Bandschleifen brachte, stutzte sie und sagte: "Fancy, das sind ja Ballhandschuhe."
"Gnädige Frau", versetzte Fancy ernst, "sie gehören zur vollen Parüre."
Clelia musterte sich, trat vor den Spiegel und rief: "Mein Gott, der Anzug ist ja viel zu recherchiert! Du hast mich geputzt, als führen wir zu Liechtensteins in die Soirée. Den Augenblick ein anderes Kleid her, die Chatelaine fort, die Goldkette aus den Flechten!"
"O Himmel, was habe ich wieder gemacht!" jammerte Fancy. "Ich dummes Mädchen!" – Es klopfte. – "Ach! Ach! da ist die Lisbet schon!"
"Hinaus, sag ihr –"
" ... dass die gnädige Frau zu recherchierte Toilette gemacht hätten, sich einfacher anziehen müssten ..." Fancy wollte fort.
"Bleib!" rief Clelia ausser sich. "Du wärest albern genug, auch so etwas zu sagen. Ich glaube, du hast in dem Neste deinen Verstand verloren. – Es klopft schon wieder ... Sie hat uns reden hören, es fällt mir kein Vorwand ein – ach, du Imbecille, in welche Verlegenheit setzest du mich! Handschuhe!"
"Hier", sagte Fancy.
"Weg damit! Soll ich wie eine Opernprinzessin dasitzen, welche sehen lassen will, wie freigebig