wenn sie auch mit allen Anhängen vorüber ist, immer noch nicht schliessen. Im Kruge war nun unter sie eine Kunde gedrungen, dass der junge Fremde etwas Unrechtes habe ausgehen lassen. Was es gewesen sei, darüber lauteten die Nachrichten verworren oder schwiegen auch wohl ganz. Nach einigen Berichterstattern sollte er das Schwert weggenommen haben, nach anderen ausfallend gegen den Hofschulzen gewesen sein, ein dritter kam der Wahrheit näher, indem er erzählte, der Fremde habe die Heimlichkeit droben am Freistuhle in Unordnung gebracht. Es genügte ihnen aber überhaupt nur zu hören, dass ein Fremder irgendein Unrecht begangen habe, um ihre schon erhitzten Köpfe noch mehr zu entflammen. Die meisten hatten ihre Gewehre noch bei sich, in mehreren der Läufe staken sogar noch Schüsse. An Pulver fehlte es auch nicht und in seiner Aufregung begann nun der Haufen, nachdem er viel getrunken hatte, durch die Gegend zu schwärmen, ohne eine eigentlich feindselige Absicht, aber doch gefährlich in seiner planlosen leidenschaft, wenn dieselbe durch den geringsten Anreiz zum Ausbruche gebracht wurde.
Sie schossen ihre Gewehre ab, luden wieder, lärmten und schrien. Zwischen diesen Trupps von drei, vier, fünf Menschen, die näher oder ferner die Strasse umschweiften, kam nun unser verdüstertes Paar einhergegangen. Lisbet ging auf der linken Seite der Strasse, Oswald auf der rechten und zwischen ihnen war die ganze Breite des Weges. Um nichts auch verminderten sie dieselbe, wenn ein lärmender Trupp mit drohender Gebärde links oder rechts an ihnen vorüberstreifte, oder ein Schuss fiel, der, wie man am Pfeifen der Kugel merkte, durch einen schlimmen Zufall leicht das Verderben hätte bringen können. Schweigend, bleich, ohne sich irren zu lassen, ging das einander entfernte Paar seinen Weg durch diese Bedrohungen und Schrecknisse hindurch und nur, wenn an Lisbets Seite sich ein lärmender Trupp zeigte, oder ein Schuss fiel, sah sich Oswald besorgt nach ihr um, warf aber, wenn er bemerkte, wie sie ohne seines Beistandes in diesen Gefahren sich bedürftig zu zeigen, fürder schritt, einen blick des schmerzlichsten Zornes dann nach der anderen Seite der Felder.
Ungefähr eine halbe Stunde mochten sie in diesem Lärmen und Schiessen gegangen sein und wirklich musste der Himmel über ihren Häuptern wachen, denn sonst hätte gewiss die Hand irgendeines der berauschten Schützen den Lauf des Gewehres in verhängnisvoller Richtung angeschlagen. Da sah Oswald in einiger Entfernung auf einem freien platz unter Bäumen vor sich einen Haufen von wohl zwanzig Bauern, die sämtlich mit Gewehren bewaffnet waren. Augenscheinlich lauerten die wilden Menschen, deren Reden und Schwadronieren schon von weitem sich hören liess, ihm auf. Er erschrak. An sich dachte er nicht, nur an Lisbet, wie er sie ungefährdet dem rohen Haufen vorüberbringen möchte. Es kam ihm in dieser Not ein Gedanke und da ihm nichts Besseres einfallen wollte, so beschloss er sein Heil mit dem zu versuchen, was ihm eben eingefallen war.
Rasch ging er voran und mutig auf den Haufen zu. Zuvorderst stand ein langer junger Kerl in blauem Kittel, der sein Gewehr drohend durch die Luft schwang und ihm wie der Anführer der übrigen vorkam. An diesen beschloss er sich mit seiner Kriegslist zu wenden, die auf dem uralten Grundsatze des Herrschens durch Teilung beruhte.
Er begrüsste daher den Menschen so freundlich, als seine Stimmung es ihm gestatten wollte und bat ihn, mit ihm zur Seite zu treten, da er ihm notwendig etwas im geheimen zu sagen habe. Der Mensch sah seine Kameraden fragend an, folgte aber doch dem Ersuchen. – "Ihr scheint mich hier nicht durchlassen zu wollen", sagte Oswald zu ihm, so dass es die übrigen nicht hören konnten. Wirklich versperrten sie die ganze Strasse. – "Nein", sagte der Mensch, "denn Sie haben was begangen." – "Ja, das habe ich auch",erwiderte Oswald, "und es tut mir herzlich leid, aber es lässt sich doch noch ein Wort darüber reden, und zu Euch muss ich das sprechen, denn Ihr seid der einzige Nüchterne und Verständige von der ganzen Kompanie da." – "Ja, der bin ich", erwiderte der lange Bauer und taumelte. – "Also nur her das Wort, denn ein Wort muss der Mensch mit sich reden lassen, absonderlich, wenn er vernünftig angesprochen wird."
"Ihr seht doch da das Frauenzimmer?" sagte Oswald. – "Die sehe ich", versetzte der Bauer. – "Nun, diesem jungen Frauenzimmer habe ich versprochen, sie eine Strecke zu geleiten, und dagegen könnt Ihr nichts haben." – "Nein, dagegen kann man nichts haben", sagte der Bauer. "So lasst mich sie also begleiten, bis wohin ich es ihr versprochen habe und dann kehre ich hieher zu Euch zurück, und bringe mit Euch meine Sache an diesem platz in Ordnung", fuhr Oswald fort.– "Das müsst Ihr nun den anderen verdeutschen, denn Ihr seid der einzige Nüchterne und Verständige von der ganzen Kompanie da."
Der lange Bauer, der gerade noch so viel Verstand besass, um gegen den Reiz der Eitelkeit empfindlich zu sein, wandte sich stolz zu seinen Genossen um und rief in einem hochfahrenden Tone: "Macht Platz da dem Herrn!" – "Was!" versetzte der Haufen; "bist du geck?" – "Macht Platz da, ihr betrunkene Bagage", rief der einzige Nüchterne und Verständige noch lauter. – "Selbst Bagage