war diese Handlung höchst vernünftig, weil er das Herannahen eines Rheumatismus im kopf fühlte und demselben mit der wärmenden Hülle begegnen wollte. Gleichwohl wirkte sie in so anstössig erheiternder Weise! Denn eine baumwollene Nachtmütze gehört nun einmal zu den Dingen, die unwiderstehlich jeden feierlichen Ernst zerstören.
Der neckende Geist, welcher bei allen trüben oder erhabenen Angelegenheiten des Lebens sein Spiel zu treiben scheint, hatte auch den Küster wieder in die Nähe des Oberhofes geführt. Dieser Mann war nämlich gekommen, sein Deputat an Lebensmitteln von der Hochzeit einzufordern. Rasch hatte sich das Geschäft gemacht, weil schon alles für ihn bereit stand. Jetzt wandelte er mit seiner korbtragenden Magd den Weg voran, den auch unser leidendes Liebespaar zu gehen hatte. Der Nebel war endlich verweht, die Sonne sah wieder golden vom Himmel, es war ein angenehmer, klarer Tag, wenn auch etwas kühl. In der Heiterkeit der Lüfte war dem Küster der Gedanke zugeweht, nach so manchen Ängsten ein frohes und genügliches Mahl im Freien zu halten, da er sich auf der Hochzeit selbst, wie wir wissen, nicht zum vierten Teile satt gegessen hatte. Er bezweckte dabei zugleich, wie wir nachmals hören werden, die Erfüllung seines dritten Lebenswunsches, des Wunsches, der in dem gespräche mit dem kupfernasigen Schirrmeister unausgesprochen blieb, weil das Gespräch damals leider nicht zum ruhigen Abschlusse gedieh.
In solchen Gedanken schritt er denn also mit seiner Magd fürbass. Die Magd konnte wegen des schweren Korbes nicht rasch gehen, er bestellte sie daher nach dem sogenannten alten Spritzenhäuschen, welches auf der Hälfte des Weges lag, und ging eilig voran, weil er unterweges in einem einzelnen haus noch eine Verrichtung hatte.
Zu der langsam nachwandelnden Magd gesellte sich aber, als ihr Herr ihrem gesicht entschwunden war, ein zweiter Wanderer, der Schulmeister Agesel. Die Magd hatte wohl von den Einbildungen des Schulmeisters vernommen, da sie aber zu den mutvollen Personen ihres Geschlechts gehörte, so fürchtete sie sich nicht vor ihrem Begleiter, vielmehr war es ihr lieb, Gesellschaft zu finden. Der Schulmeister seinerseits war erfreut, die Magd zu finden, denn er wollte an ihren Herrn, nicht ihm ein Leid zuzufügen, sondern den Leugner von seinen gesunden Verstandeskräften zu überzeugen. Nachdem er im allgemeinen über diesen Punkt mit der Magd gesprochen hatte, sagte er zu ihr: "Es ist ja mein offenbarer Schaden und eine Sache, die mir mein ganzes Brot und den Kredit in der Bauerschaft verderben kann, wenn der Küster, der noch dazu ein halber Amtsbruder von mir ist, überall umherläuft und mich bei den Leuten anschwärzt. Deshalb muss ich ihn notwendig davon überzeugen, dass ich meine fünf Sinne beisammen habe."
"natürlich", versetzte die Magd. "Wenn mich einer eine Diebin schilt, so muss er auch hören können, warum ich keine Diebin bin."
"Nun also!" fuhr der Schulmeister eifrig fort, "und heute muss es geschehen, denn die gelegenheit kommt mir nie so günstig wieder."
"Wie das?" fragte die Magd.
"Wenn ich ihn in der Stadt aufsuche oder im Freien ansprenge, so reisst er aus, wie er mich nur erblickt. Hält er aber, wie Ihr mir sagt, im alten Spritzenhäuschen seine Mahlzeit ab, und ich trete mit meiner Rede unversehens in den Eingang, so muss er wohl Stich halten und alle meine Gründe anhören, denn es ist wider die natur der Furcht, dass er gegen mich stürzen, mich überrennen und so das Freie gewinnen sollte."
Die Magd dachte einen Augenblick nach und sagte dann: "Da ist nur eines zu befürchten."
"Was?" fragte der Schulmeister.
"Dass er ein Fach an der anderen Seite ausschlägt und so durchbricht. Denn das Spritzenhäuschen ist sehr alt und verfallen und die Lehmwände haben überall grosse Löcher, zu denen der Tag einscheint, und wenn mein Herr in der Angst und Furcht gegen so ein Loch stürzt, so stehe ich nicht dafür, dass er die ganze Wand einrennt, denn, kriegt er die Manschetten, da ist mit ihm nicht zu spassen."
"Deshalb müsst Ihr mir einen Gefallen tun, Mädchen", sagte der Schulmeister.
"Und welchen?" fragte die Küstermagd.
"Tretet vor das grösste Loch auf der anderen Seite, und lehnt Euch gegen die Wand, damit wenigstens die Hauptgefahr des Entrinnens abgewehrt wird, denn dass er auch Euch umrennen sollte, ist nicht wahrscheinlich, weil Ihr eine robuste person seid."
"Ich will das recht gerne tun", versetzte die Magd, "denn seinem Nebenmenschen muss man helfen, wo man kann."
Nachdem dieses sinnreiche Gespräch zwischen dem Schulmeister und der Magd soweit gediehen war, wurde auch noch verabredet, zu welcher Zeit der Anschlag gegen den Küster ausgeführt werden sollte. Der Schulmeister sagte der Magd, dass er sie in der Nähe des Spritzenhäuschens vorangehen lassen und sich verstecken wolle, bis sie ihm ein Zeichen gebe, dass es für ihn Zeit sei, hervorzubrechen und mit seinem Amtsbruder ein Wort der Verständigung zu reden.
Nach diesen Verabredungen gingen die beiden Personen ihres Weges weiter. Einige Zeit lang blieb nun die Strasse ganz still und einsam. Dann aber erhob sich ein auffallender Lärmen die Felder hindurch, welche sie zu beiden Seiten begrenzten. Die jungen Bursche, welche das Hochzeitgefolge gemacht hatten, waren nämlich noch in irgendeinem Kruge versammelt gewesen, um einen Nachtrunk zu halten, denn der Bauer kann eine Lustbarkeit,