der alte Kerl begraben lassen und zum letztenmal, woraus nun die ist, die gestern Hochzeit machte, freite er, wie er schon ziemlich in den Jahren war. Die Tochter sah recht gut aus, und ich war ihr auch recht gut, aber die Hauptsache, dass ich mich an sie machte, war doch der Stolz, und weil ich mir einbildete, ich könne alles durchsetzen, was ich wolle, und werde das Mädchen schon 'rumkriegen, wenn ich es nur recht anzufangen wisse. Ich hatte schon gemerkt, dass sie auf Tänzen und Kindelbieren nach mir hinhörte, wenn ich so erzählte von meinen Fahrten, und darauf baute ich meinen Ratschlag und sah sie unaufhörlich starr an, wenn ich ihr nahe kam, so dass sie nicht wusste, wo sie die Augen lassen sollte. Fing auch an, mich über mein Vermögen schön zu kleiden, das beste lichtblaue Tuch musste ich zum Rocke haben und liess mir an die Jacken silberne Knöpfe setzen, die kein anderer von den Kolonen hatte, wodurch ich in Schulden geriet. Eines Sonntages geht die Magdalis an mir vorüber, wie ich besonders herausgeputzt war und sagt: 'Ihr zieht Euch doch an, wie keiner sonst, Kaspar.' – 'Das geschieht ganz allein um Euch, Magdalis', antwortete ich, 'und wenn ich all mein Hab und Gut zusetzte, so wollte ich mich noch schöner kleiden, wofern es Euch nur gefiele.' – Sie wurde rot und damit hatte ich sie weg. Denn wenn man den Mädchen sagt, dass man um ihretwillen einen neuen Rock angezogen hat, so sind sie kaputt.
Also die Sache kam in gang und ich will Sie damit nicht aufhalten, Herr Schmitz. Genug, die Magdalis gab zu, dass ich an ihr karessieren durft', und war alles bald zwischen uns in Richtigkeit, wie es die Ordnung ist unter Liebesleuten. Auch die Magdalis dachte' in ihrer Dummheit, dass der Vater, weil es einmal so weit gekommen, werde' ein Auge zudrücken müssen. Deshalb nahmen wir beiden Gimpel die Absprache zusammen, dass ich um sie anhalten solle. – Aber – da kam ich schön an, Herr Schmitz, wie ich die Sache vortrug bei dem Alten. Denn selbst musste ich sie vortragen; ein Freiwerber wollte sich dazu nicht verstehen. In meinem Leben ist mir kein grimmigerer Mensch vorgekommen, als der Hofschulze, wie er sich benahm, da ich meinen Spruch herausgesagt hatte. Ich wurde mit einem solchen Zorn und Hohn angelassen, dass mir die Knochen bebten vor Ärgernis. Es fehlte nur, dass er mich fortpeitschen liess, und noch heute am Tage weiss ich nicht, wie ich vom hof gekommen bin.
Gut, dachte ich, willst du sie mir nicht zur Frau geben, so soll sie – – Der Alte hielt sie eingesperrt und sein Sohn, der Fritze, auch aus der ersten Ehe, passte mir auf. Aber man kann die Leute schon belauern, wenn man nur will. Was nicht bei Tage geht, das geht bei Nacht, und darf man nicht zur Tür 'rein, so steigt man über die Mauer. Ich war denn also alle Nächte, die Gott werden liess, bei der Magdalis, zu der ich durch das Fenster gelangte. – Doch sie kamen dahinter, Herr Schmitz, der Alte und sein Sohn. Und nun machten sie zusammen einen Plan auf mich, mir aufzulauern und mir das Leben zu nehmen."
"Das ist nicht wahr", unterbrach hier eifrig der alte Schmitz die Erzählung. "Der Hofschulze ist ein eigensinniger Mann, aber Schlechtigkeiten hat er nie getrieben."
"Nun dann hat es der Junge, der Fritze, auf seine eigene Hand getan", sagte der Patriotenkaspar. "Genug, ich weiss, was ich weg gekriegt habe bei der gelegenheit. Also, Herr Schmitz, eines Abends, wo es ganz dunkel war und ein schweres Unwetter heraufzog, komme ich auch von meinem Erb da herüber meinen gewöhnlichen Weg geschritten. So höre ich da, wo Sie jetzt stehen, Herr Schmitz, etwas rascheln in der Dunkelheit, und ehe ich noch meine Gedanken zusammennehmen kann, springt das, ohne einen laut von sich zu geben, auf mich zu, und ich habe einen Schlag mit einem Knüppel über den Kopf und einen Stoss in das linke Auge weg, dass mir beinahe hören und Sehen vergeht. Im Auge ist's mir, als ob ein Dutzend Messer darin umgedreht würden, Nasses läuft mir über die Backe – ich aber denke, hier geht's noch um Haut und Haar, ist's Auge schon weg – und kriege meinen Kujon zu packen, und reisse ihm den Knüppel weg, denn, Herr Schmitz, ein Mensch, dem sie das Auge ausschlagen, hat fürchterliche Kräfte – und gebe ihm die Erwiderung auf seinen Schädel, dass er aufgrölzt und ich an der stimme den Fritze erkenne. Er bettelt um Gnade, aber ich schreie: 'Meine Gnade sollst du gleich spüren!' reisse ihn in die Höhe; 'du verfluchtiger Augenmörder!' rufe ich, und stosse so lange den Bengel mit dem Kopf gegen den Stein hier, bis er stumm wird. Einen Ohrring hatte ich ihm bei der Balgerei abgerissen (denn er trug welche) den hielt ich in der Hand, wusste nicht, was damit anfangen, konnte ihn freilich nur wegwerfen, aber der Mensch ist bei solcher gelegenheit wie