Schmitz.
"Von Ahnungen weiss ich nichts Sonderliches", erwiderte der Hofschulze kalt. – "Aber Vorgeschichten gibt es", fuhr er sehr ernstaft fort. – "So habe ich damals Anno zwölf die ganze russische Armee über den Hellweg ziehen sehen, als ich auswärts gewesen war und nach haus ging."
"Es war wohl um die Mitternachtsstunde, Hofschulze?"
"Nein, nachmittags um vier Uhr bei trübem Wetter im September, mich dünkt, gerade um die Zeit, als der Franzose in Moskau einzog; Herr Schmitz."
"Dergleichen ist nun purer Aberglaube!" rief der alte Schmitz, welchem ein Streit mit dem Hofschulzen vielleicht angenehm gewesen wäre, um sich für das, was bevorstand, in Feuer zu jagen.
Der Hofschulze blieb aber ganz freundlich und erwiderte gelassen: "Nein, eine Gabe Gottes, Herr Schmitz."
Unter diesen Reden waren sie nach dem Oberhofe gekommen. Der Alte stutzte einigermassen, als sein Gast ihn bat, mit ihm zu den Ställen zu gehen, und noch mehr befremdete es ihn, da er wahrnahm, dass dieser kaum ein Zittern verbergen konnte. Wie wuchs aber sein Erstaunen, als der Sammler die tür des Hühnerstalls aufriss, heftig mit der Hand hineindeutete und erstickten Tones rief: "Da steht Eure Amphora und ich bitte mir dagegen meinen Schein aus!" Wirklich sah der Hofschulze im Stalle den Weinkrug stehen, der schon einmal der Gegenstand eines so heftigen Streites gewesen war, und den der Sammler in der Dunkelheit des vorigen Abends hatte dahin bringen lassen. – Er trat drei Schritte zurück und fragte, indem er den alten Schmitz gross ansah: "Was soll das, und was bedeutet dieses?"
Der alte Sammler, dem die Sache das Herz durchschnitt, sprudelte wie eine Flasche, von welcher der Pfropfen abgeflogen ist: "Es bedeutet, dass Ihr Eure Amphora wiederbekommt, um welche ich mein Gewissen, welches in einer schwachen Stunde eingeschlafen war, nicht belasten will, und welche mir zwar, das weiss Gott, noch das allergrösste Vergnügen macht, jedoch ein unrechtes und verbotenes! Durch solche Schandtaten, und indem immer ein Schelm dem anderen seinen Plunder als echtes Altertum attestierte, sind die Sammlungen mit Narrenpossen und Quisquilien angefüllt worden. Ich aber will dazu nicht die Hand bieten, dass Euer Lerchenspiess noch einmal künftig von einem grossen Herrn, der in solchen Sachen die liebe Einfalt und Dummheit ist, für schweres Geld angekauft wird, sondern ich begehre meinen Schein zurück, worauf das sogenannte Karls-des-Grossen-Schwert wieder wird, was es war und ist und bleiben soll, nämlich ein Bratenspiess frühestens aus der Soester Fehde, den ein Reisiger des Erzbischofs hier mag in den büsche haben stehenlassen."
"Demnach wollen Sie also die alten Zweifel an dem Schwerte von Carolus Magnus wieder regen und rühren?" fragte der Hofschulze, der sich zwar gegen den anderen scheinbar ruhig ausnahm, jedoch auch mit einiger Mühe nach Atem rang.
"Es sind keine Zweifel, es ist die klarste Gewissheit; meinen Schein, meinen Schein her!" stammelte der Sammler, der die schleunigste Beendigung des Geschäfts wünschte, weil er fühlte, wie der Mut der Wahrheit im Angesichte der Amphora bei ihm sank.
"Sie behalten den alten Topf, und ich behalte den Schein, Herr Schmitz", sagte der Hofschulze und bohrte seinen Stock wieder wie gestern bei dem Vorfalle mit dem Hochzeitbitter, tief in die Erde. – Der Sammler fragte ihn heftig, ob das sein letztes Wort sei? welche Frage der Hofschulze bejahte, mit dem Hinzufügen: "Handel ist Handel."
"Dann kommt die ganze Sache in den Anzeiger!" rief der alte Schmitz zornig und machte sich, ohne von seinem Wirte Abschied zu nehmen, auf den Weg. Der Hofschulze stand noch einige Augenblicke voll nachdenklichen Verdrusses vor dem Stalle. Er war so böse auf die Amphora, dass er sie hätte zerschlagen können, wäre sie nicht eines anderen Eigentum gewesen. Die Erwähnung des "Rheinisch-Westfälischen Anzeigers" war ihm schwer auf das Herz gefallen. Denn er wusste, dass dieses Blatt, welches durch alle Ortschaften, Weiler und Gehöfte des Landes seine Wanderung macht, dem Kredit des Schwertes sehr schaden könne, wenn darin stehen werde, letzteres sei ein Bratenspiess frühestens aus der Soester Fehde.
"Ei! Ei! Ei!" sagte er missmutig, "muss mir das doch noch heute begegnen, nachdem ich glaubte, allen Ärger überstanden zu haben! Es ist also doch wahr, dass man von dem, was einem das Liebste ist, zu keinem Menschen reden soll; sie fechten es einem nur an. Hätte ich dem Herrn Schmitz nicht einstmalen in der Vertraulichkeit die Sache mit dem Schwerte entdeckt, nimmer wäre mir darüber die Streiterei und Zweifelsucht und Mäkelung entstanden, die mich seitdem jahraus jahrein verfolgt hat." – Er ging in das Haus, fragte den rotaarigen Knecht, ob jemand dagewesen sei? welches dieser grinsend verneinte, und stieg dann zu der kammer empor, in welcher er die Waffe verwahrte, um an ihrem Anblicke seinen Mut zu erfrischen. Auch wollte er sie für die morgende heimliche Weihe, bei welcher sie eine Hauptrolle spielen sollte, vom Staube säubern. Denn das Schwert war lange nicht gebraucht worden.
Drittes Kapitel
Die geschichte eines Geächteten
Der Patriotenkaspar hatte sich, nachdem er vom Rotaarigen verabschiedet worden war, noch immer in der Nähe des Oberhofes umhergetrieben, um mit dem