, nicht weit von der kranken Blässe, deren Qualen ihm durchaus keine Gewissensbisse aufzuregen schienen. Er greinte und sagte halblaut für sich: "Könnte ich dem alten Hunde noch zu guter Letzt einen rechten Possen spielen, so würde mir das eine wahre Herzerquickung sein." – Der Hofschulze ging mit den Worten: "Es muss alles mit Manier behandelt werden, selbst ein Vieh" – zu seinen Gästen, die sich schon wieder in bedeutender Anzahl zu versammeln angefangen hatten, und den Platz vor dem haus nach dem Eichenkampe zu trinkend und rauchend erfüllten.
Denn heute war der Tag, an welchem die Neuverheiratete mit uralt hergebrachter Feierlichkeit in ihr künftiges Wohnhaus eingerührt werden musste. Zu dieser Feierlichkeit gehörte eine Fahne, viel Schiessgewehr, abermals ein Schmaus, jedoch diesesmal im Gehöfte des jungen Ehemannes und wieder das Spinnrad, welches bei der Hochzeit seine Dienste geleistet hatte.
Der Hochzeitbitter befestigte an einer Stange, von welcher bunte Bänder herabflatterten, ein grosses weisses Leintuch und richtete so die Fahne zu. Gegen dreissig junge Burschen hatten Flinten bei sich, diese luden sie mit grobem Schrot oder auch mit Kugeln, sich in lauter und geräuschiger Art vermessend, dass sie der Fahne tüchtig eins versetzen wollten. Die eine Brautjungfer brachte das Spinnrad getragen und endlich erschien die Braut in ihrem gestrigen Putze, gar sehr verschämt, nichtsdestoweniger aber immer noch mit der Brautkrone geschmückt, obgleich sie von den Anwesenden unter derben Scherzreden als Jungefrau begrüsst wurde. Nun ordnete sich der Zug und setzte sich nach dem Gehöfte des Schwiegersohnes in Bewegung. Der Bursche mit der Fahne marschierte an der Spitze, sodann folgte das Ehepaar, diesem schlossen sich die mit den Flinten an, und darauf schritt der Brautvater einher, den übrigen Hochzeitgästen zuvor.
Von den städtischen Gästen erschien nur der alte Schmitz im zug. Denn die übrigen, der Diakonus, der Hauptmann und der Küster waren nach der Stadt zurückgekehrt. Der Küster war kein Freund vom Schiessen, am wenigsten machte ihm eine solche Ergötzlichkeit Freude, wenn scharf geladen war. Er pflegte daher an dem zweiten Tage der bäuerlichen Hochzeiten jederzeit eilige und unaufschiebbare Geschäfte vorzuschützen, um sich mit Anstand entfernen zu dürfen. Am dritten Tage kehrte er dann mit seiner Magd in das Hochzeitaus zur Abholung des ihm gebührenden Bündels zurück. Heute hatte er noch einen besonderen Grund gehabt, sich schleunigst fortzubegeben. Denn von Agesel, der sich auch heiter und rüstig anfangs unter den Festgenossen auf dem platz befunden hatte, war ihm mit einem der unheimlichsten Blicke, wie ihn wenigstens bedünkte, das verhängnisvolle Wort zugeraunt worden: "Ich muss Sie durchaus im Vertrauen sprechen, Herr Amtsbruder!" – Grund genug, seine Schritte stadtwärts zu beflügeln.
Was den Diakonus betrifft, so hatte er vor seiner Abreise das junge Paar, welches er so unerwartet vor dem Altare gefunden, sprechen wollen, um mit ihnen über ihre Zukunft zu beraten, die ihm freilich, nachdem er von der Überraschung jenes Augenblicks zum Bedenken zurückgekommen war, sehr zweifelhaft aussah. Er erstaunte, als er hörte, dass der Jäger abwesend und Lisbet unpass sei. Indessen hatte er wirkliche Geschäfte in der Stadt, wie der Küster erdichtete, und deshalb konnte er nicht länger ausserhalb verweilen. Er verliess sich darauf, dass die jungen Leute zu ihm kommen würden, und dass dann das Nötige überlegt werden könnte. Manche sorge machte ihm das liebliche Verhältnis; er sah, da er den Stand des Jägers kannte, nicht ein, wie aus jener Liebe sich ein Bund für das Leben gestalten sollte.
Agesel trennte sich, sobald der Zug den Platz vor dem haus verliess, von den anderen, denn auch ihn riefen nähere Interessen ab. Er ging nach dem Schulhause, welches zu beziehen er gegründete Aussicht hatte, besichtigte das Gebäude oder vielmehr das Baufällige, welches ein Haus vorstellen wollte, mass den Weidefleck ab und verglich dessen Flächeninhalt mit dem Hackelpfiffelsberger. Diese Untersuchung lieferte ein günstiges Ergebnis. Er hatte hier drei Quadratruten mehr als dort, worauf sich immer noch eine Gans mit sattfressen konnte. Während des Abmessens hing er seinem Plane nach, den er in den Worten zu dem Küster angedeutet hatte.
Als der Zug über die nächsten Umgebungen des Oberhofes hinaus war, wurde es in diesem ganz still, so dass man die Fliege an der Wand gehen hören konnte, denn auch die Knechte und Mägde waren nach der Snaat11 des Schwiegersohnes gelaufen. Nur der rotaarige Knecht sass grollend unten im Flur bei den Kühen. Er war ein wilder tückischer Kerl und seine Gedanken gingen in dieser Einsamkeit von einem Frevel zum anderen. Er blickte das Feuer auf dem Kochherde an und sagte: "Wenn ein Brand davon in das Stroh des Stalles geschleudert würde, so flöge der rote Hahn dem Alten auf das Dach, und es würde dennoch immerhin heissen, ein Funken sei zufällig, da kein Mensch auf das Feuer achtgehabt, in das Stroh gesprungen." – Nach dem Wandschranke, worin die Mitgift stand, sah er und murmelte: "Ein tüchtiger Beilschlag, und der Deckel spränge auf, und unsereins hätte sechstausend Taler, womit sich weit ausser Landes kommen lässt. Da fragt kein Kuckuck nach einem." – Ihn überlief es heiss, er streckte zuweilen seine Hand nach dem Feuer aus und zuweilen erhob er sich dann wieder vom Schemel, als wollte er nach der stube gehen, worin sich der Wandschrank befand.
In diesen gefährlichen Gedanken horchte er plötzlich auf, denn oben an der Treppe hörte er Geräusche, als ob jemand sacht