den Leuten, die nur sehr selten aus der Fassung kommen. Er schob seinem jungen Gebieter das Bund Heu hin, dieser musste sich darauf setzen, Jochem stellte sich vor ihn und erzählte nun folgendermassen.
"Will Ihnen alles vermelden, mein Herr Graf", sagte er, "aber eins nach dem anderen. Wie ich hieher komm'? Zurück von der grossen Reis', die ich auf Ihren Befehl machte. Hab' mich immer rechts gehalten, wie meine Kommission lautete, kam erst nach Kassel, wüste Kerl' dort, sonst nichts zu sehen, dann nach Magdeburg, auch wüste Kerl' dort, sonst auch nichts zu sehen, dann nach Berlin, ebenfalls wüste Kerl' dort, ebenfalls sonst nichts zu sehen; und so retour wieder hieher über Magdeburg und Kassel, da's Geld gerad' zur Hälft' ausgeben war zu Berlin, und ich überdies meine Kommission schön ausgerichtet hatte alldort. – Was ich hier treib'? – Sitz' schon seit acht Tagen beim Bauer im Heu, helf' ihm Heu machen, um mir mein Tagebrot zu verdienen, denn der letzte Kreuzer war ausgeben, als ich diese wüste Gegend wieder erreicht hatte'. – Warum ich Sie nicht aufgesucht? – Hatten damals beim Abschied keine recht deutliche Sprach' miteinander geführt, wo ich meinen Herrn Grafen wiederfinden sollt'. dachte' also, das Sicherste wär', wenn ich sitzen blieb', wo ich eben war, denn das wusst' ich, dass mein Herr Graf mich ausspüren würden und abholen, und säss' ich im Mittelpunkt der Erd'. blieb deshalb auch ganz ruhig und macht' in Zufriedenheit mein Heu, obgleich es eine Lebensart ist, die sich nicht ganz für meinen sonstigen Stand schickt. dachte' aber immer: 'heute kommt der Herr Graf und holt dich ab, und kommt er heute nicht, so kommt er morgen', und so hat sich's nun auch zugetragen."
Unserem Oswald tat es nach den fratzenhaften Ereignissen des Tages wehmütig wohl, mit seinem Alten zusammenzutreffen. Eine Träne trat in sein Auge. Er drückte dem Alten die Hand und sagte: "Du hattest ganz recht, Jochem, als du glaubtest, ich werde nach dir forschen, und sässest du im Mittelpunkte der Erde." – Jochem blieb hierbei trocken, wie immer und versetzte: "Sie haben auch schwäbisch Blut im Leib, mein Herr Graf, und das verlässt einander nicht" – Oswald sah sich um und erblickte verwundert einen Heuschoppen in der Nähe, der ihm so vorkam, wie der, in welchem er die Nacht zugebracht hatte. "Wo hast du in voriger Nacht geschlafen?" fragte er.
"Dort im Schoppen", versetzte der Alte, "wie alle Nacht mein Amt ist, um dem Bauer sein Heu zu bewachen."
Sein Gebieter erzählte ihm nun, dass sie diesem Umstande zufolge schon in der Nacht unwissend zusammen gewesen seien, worüber Jochem anfangs erstaunte und äusserte, unter dem wüsten Volk wisse man gar nicht, was einem alles begegnen könne, es sei erstaunlich, dass zwei Landsleut' zusammen im Heu lägen und einander nicht erkannten. "Ich wollt' anfangs den Menschen, der sich da ins Heu eingedrungen, bei Nacht hinaustreiben", fügte er hinzu, "liess es aber doch sein, weil ich dachte', er möchte sich draussen erkälten. So ist Menschenfreundlichkeit doch immer etwas Gutes und zu vielen Dingen nutz."
"Jochem", sagte der Graf, "hättest du mich hinausgetrieben, so würdest du mich früher erkannt haben."
Dieser Einwurf machte den Alten verwirrt. Er sah stutzig vor sich nieder, dann ballte er die Faust und murmelte ingrimmig: "Nun sag' ich's doch! In der Fremd', unter dem wüsten Volk steht alles windschief. Man weiss bei den Sachsen und Polacken nicht, ob man menschenfreundlich oder menschenfeindlich sein soll."
Er besann sich und fuhr fort: "Von meiner Kommission habe ich noch gar nicht geredet. Den Schrimbs oder Peppel –"
"Lass ihn", unterbrach ihn sein Gebieter bestürzt.
"Nein, seine Kommission muss man gehörig ausrichten!" rief Jochem eifrig. "Den Schrimbs oder Peppel hab' ich richtig gefunden. Ich hab' ihn auf der Schlossbrucken zu Berlin stehen sehen, er kuckt' ins wasser und ich sah ihn von hinten und da ging er fort und ich konnte' ihn nicht einholen, aber ich hab' mich nicht getäuscht und wenn wir nun uns beide dahin auf den Weg machen, so werden wir ihn gar nicht verfehlen."
Wie nach Homer der Mensch, er mag noch so unglücklich sein, immer Hunger behält, so gibt es auch Dinge, die den Betrübtesten zu lachen machen können. Der junge Graf Oswald war sehr betrübt, aber die Entdeckung Jochems, dass Schrimbs oder Peppel auf der Schlossbrücke zu Berlin gestanden habe, bewirkte, dass er lachen musste. Jochem, der seine Sachen sehr gut gemacht zu haben glaubte, fühlte sich dadurch etwas beleidigt. Nach einer Pause fragte er: "Was hätten mir denn nun der Herr Graf zu befehlen?"
Oswald war von seiner kurzen Lustigkeit schon wieder zurückgekommen. Er stand auf, ging heftig hin und her, ballte seine Hand, drückte sie wider die Stirn, sein schönes Antlitz zuckte vor Schmerz, er riss an seinen braunen Locken, er nagte an seiner Lippe