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ich soll ihm auch die siebente, achte und neunte Elefantenkompanie, die er inzwischen gebildet hat, organisieren helfen. Auf gradem Wege setzt er es nicht durch, da spielt er denn mit den ruppigen Juden unter einer Decke (o wie klein für einen Kaiser!), die müssen mich hier in Wechselarrest setzen, und von da komme ich auf den Schub von Gefängnis zu Gefängnis, bis nach Hinterindien; ich sehe es voraus. O Fürstendienst! Fürstendienst! **********

Verlasset euch nicht **** auf die Kinder der Menschen, weil bei ihnen kein Heil zu hoffen ist!"

Rucciopuccio hob bei diesen Worten die Augen gegen Himmel und legte die Hand auf sein Herz, wie der Graf von Strafford, als man ihm ankündigte, dass Karl Stuart es sich gefallen lassen wolle, dass er, Strafford, sich für den König köpfen lassen wolle.

Emerentia aber näherte sich ihm zitternd, und rief: "Du verlässet mich, da – –" Sie flüsterte ihm etwas in das Ohr. Über das hellrotglänzende Antlitz Rucciopuccios legte sich eine Totenblässe, worauf ein Farbenspiel in demselben sichtbar ward, welches von allen sonst in menschlichen Gesichtern vorkommenden Färbungen so sehr abwich, dass selbst die Juden und Häscher erstaunt zurücktraten, und Emerentia ausser sich hätte geraten müssen, wäre sie nicht mit sich und ihrem Geschick zu sehr beschäftigt gewesen.

Rucciopuccio erholte sich aber bald wieder, und sagte zu Emerentien mit ruhiger Freundlichkeit: "Dieses sind natürliche Folgen natürlicher Ursachen, die kein weiser Mann bestaunt. Verlasse dich auf mich, Marcebille, ich sprenge die Ketten des Tyrannen, ich komme wieder als Hechelkramischer Fürst, und hole dich ab von dem schloss deiner Väter zu Schnurrenburg. Der Geist legt mir ein Trostlied auf die Lippen, bewahre es im tiefsten Schrein des Herzens als heiliges Gemütsgeheimnis; daran wollen wir uns einst wiedererkennen:

Einst liebtest du den Nussknacker,

Nach dem Nussknacker liebtest du mich;

Nun holet das Schicksal, der Racker,

Erst den Nussknacker, dann holt es mich!

Der Nussknacker sank auf den Kehrich,

Und mich rauben die wilden Birmanen;

Nussknacker kehrt nicht, aber kehr' ich,

Hol' ich ab dich vom Schloss deiner Ahnen!"

Die Häscher verhinderten die Fortsetzung dieser Ode, indem sie ihn abführten. Emerentia sank in Ohnmacht. Zwei Juden brachten sie ihren bestürzten Eltern.

Drittes Kapitel

Weitere Nachrichten von dem alten Baron und seinen

Angehörigen

Als die Eltern nach einer ziemlich trübseligen Reise mit Emerentien wieder auf dem schloss SchnickSchnack-Schnurr angekommen waren, wollten die feurigen Landjunker ihre unterbrochnen Werbungen erneuern, aber das verstimmte fräulein wies sie jetzt noch entschiedner zurück, als früherhin. Ihre Gesundheit hatte offenbar durch den Kummer gelitten, die Züge des Gesichtes nahmen oft einen seltsamen Ausdruck an, die speisen machten ihr Widerwillen, sie befand sich hin und wieder sehr übel. Der alte Baron liess einen Arzt kommen; der Arzt sprach mit dem fräulein unter vier Augen, kam mit einem länglichten gesicht aus dem Zimmer und sagte zu den Eltern: "Die Luft von Nizza ist ihr zu nahrhaft gewesen, das ist eine Luft für Schwindsüchtige, aber nicht für Vollblütige, es entstand eine Überfüllung von Säften in ihr, sie muss in eine zehrende Luft, in ein anderes Bad, da kommt alles wieder in das Gleichgewicht. Auch allein muss sie reisen, damit sie Trübsal hat und sehnsucht, dann zehrt sie um so eher ab." Die Eltern glaubten dem guten verständigen arzt, und liessen Emerentien in ein anderes Bad, worin eine zehrende und abmagernde Luft wehte, reisen, ganz allein liessen sie sie reisen, weil der Arzt es so haben wollte.

Die Kur musste sehr gründlich und nachhaltig vorgenommen werden, wenn sie anschlagen sollte; das fräulein blieb deshalb viele Monate lang im Bade. Dann kam sie zurück, gesünder und wohler, als sie je zuvor gewesen war. Auch ihre Stimmung hatte sich ganz wieder erheitert; sie lebte in dem festen Vertrauen, dass Signor Rucciopuccio als glücklicher Prätendent von Hechelkram eines Tages ankommen werde, sie aus dem schloss abzuholen. Die Mutter sagte: "Wenn das ist, so steht alles wohl, dann hast du in Nizza nur deine Bestimmung erfüllt."

Viele Jahre verflossen seitdem. Der alte Baron war nun wirklich ein alter Baron, fräulein Emerentia eine alte Jungfer geworden, die alte Baronesse aber inzwischen an einem erblichen Familienübel des Zweiges Schnuck-Muckelig-Pumpel gestorben. Die Jahre hatten das Alter gemehrt und die Gelder gemindert, woraus sich aber der Baron wenig machte. Sagte ihm sein Rentmeister: "Herr Baron, die Pächte und die Zinsen reichen nicht zu", so war die Erwiderung: "Tut nichts, wenn alles aufgezehrt ist, gehe ich in das höchste Kollegium, und lebe von meiner Besoldung; ich bin geborner Geheimer Rat. Geld muss ich haben, also verkauft nur einige liegende Gründe, lieber Rentmeister."

Der Rentmeister achtete sich nach diesen Worten, und verzettelte nach und nach alle liegenden Gründe, die zum schloss gehörten, Felder, Wiesen, Triften, Holzungen. Als er das letzte Stück losgeschlagen hatte, trat er wieder zu dem alten Baron in das Zimmer und sagte: "Ew. Gnaden, mit den liegenden Gründen wären wir nun fertig; ich begehre meinen Abschied, denn wo keine Renten sind, da ist kein Rentmeister mehr vonnöten."

"Sehr wahr!" versetzte der alte Baron, "so wahr, als wie, dass zweimal zwei vier tun; ich will Euch ein