mich die Hand küssen und die ganze Sache wird, wie gnädiges fräulein wollen und befehlen, mit mir nichtsnutzigem Tausend-sappermenter in Ordnung gebracht."
"Karlos!" rief Emerentia, vor Freuden, sich so ohne Worte verstanden zu sehen, ihr Gelübde brechend, "endlich lassen Sie also die Maske fallen! Also fühlen Sie doch nun selbst, dass dieses geheime Verhältnis, welches zwischen uns bestand, für ein zartes Mädchen länger nicht tragbar war, dass wenigstens der Vater Sie kennen und in der Sache klar sehen muss! Ja, Sie haben begriffen, was ich meinte. Gehen Sie, Fürst, zu meinem Vater, entdecken Sie sich ihm; ich will Ihrer hier mit der Speise warten, welche Sie so lieben und die ich Ihnen lieber als uns gönnen mochte."
"Den Augenblick gehe ich zu ihm, und wenn er mit Güte nicht will, so werde ich sackgrob sein, denn ich bin in einer ausnehmenden Rage, denn wenn man sich so rausstaffiert, wie gnädiges fräulein, und den fremden Kuckuck da ins Haar steckt, so muss das einen Menschen ganz toll machen und die natur in Unordnung bringen und der Braten tut freilich auch das Seinige dazu!" rief Karl Buttervogel. – "Bleiben gnädiges fräulein nur hier oben bei dem Braten, damit ihn die Katze nicht holt und ich will mich unten am Schmerlenbach ein wenig renovieren, damit alles mit der Sauberkeit geschieht, und der gnädige Herr Baron gleich sehen, wenn ich auftrete, dass mit mir nicht zu spassen ist. Das Gesicht wasch' ich mir unten am Schmerlenbach, und mit meinem Kamm, den ich bei mir hab', kämm' ich mir das Haar glatt, und den Rock stäub' ich aus, und – –"
"Genug, Fürst!" rief Emerentia. "Ich brauche Ihre Toilette nicht näher kennenzulernen. Gehen Sie, Ruhe meinen Tagen und Schlummer meinen Nächten zurückzubringen!"
Der Prätendent und Schmetterling raffte seinen lakkierten Hut auf, sprang den Schneckenberg hinunter und kroch wieder unten durch die Hecke in das Freie. Emerentia lächelte wohlgefällig und flüsterte: "Erste Liebe, einzige Liebe!" Dann deckte sie den Korb mit der Serviette zu, denn die Fliegen waren, weil man August schrieb, etwas zahlreich und zudringlich. Hierauf wiegte sie wieder sinnend das Haupt und spielte abermals mit dem Fächer, ihn auf und zu faltend. Sie begleitete diese Gebärden mit der Abschiedsode von Nizza, nämlich mit den ersten beiden Zeilen derselben, denn die folgenden hatte sie vergessen. Anfangs summte sie dieselben leise, nach und nach fing sie an, lauter zu singen.
Siebentes Kapitel
Der Mann im braunen Oberrock beginnt sein
allgemeines Vermittelungsgeschäft
"So wollen wir also die Sache angreifen!" mit diesen Worten schloss die eilige Unterredung zwischen dem Freiherrn von Münchhausen und dem Schriftsteller Immermann.
"Und Sie haben mein Patent in der tasche?" fragte Münchhausen.
"Den eigenhändigen Brief des Erbprinzen", versetzte der Schriftsteller. "Tun Sie mir jetzt den Gefallen und schlafen Sie wieder ein, derweile ich für Sie wirke." – Münchhausen wollte Einwendungen machen. – "Lieber, keine Worte weiter!" rief sein Bundesgenoss. "Die Garde wird aufgespart für die Höhe und den Gipfel des Gefechtes, zu früh die Kerntruppen verbrauchen, heisst die Niederlage mutwillig herbeiführen. Mich also lassen Sie ja die ersten Schwärmfeuer, Chocs und Chargen für Sie machen, es kommt vielleicht der Augenblick auch, wo Sie ins Feuer müssen." – Er ging eilig die Treppe hinunter und Münchhausen warf sich halb unwillig in seinen Kleidern auf das Bette.
Rasch, um Terrain zu gewinnen, machte der Schriftsteller unten eine Bewegung über den Hof und trat dem alten Baron und dem Bürgermeister schon in der Nähe der Wappenlöwen entgegen. Dem Bürgermeister folgte ein Polizeisoldat von ziemlich grimmigem Ansehen. Der Schlossherr erstaunte über den fremden Mann in seinem hof, noch mehr aber über die Bresche, welche in den Umschliessungen der Burg entstanden war. Er wollte auf den Schriftsteller zürnen, als dieser sich zu der gewaltsamen Eröffnung bekannte, wurde aber durch dessen Auseinandersetzung besänftiget, dass manche Hindernisse nicht zart zu behandeln seien und man hin und wieder, um nur vorwärts zu kommen, die tür einrennen müsse.
Indessen winkte er dem Bürgermeister, ihm in das Schloss zu folgen. Der Bürgermeister winkte seinerseits dem Polizeisoldaten, der bloss ein Bandelier aber keinen Säbel trug, denn diesen hatte er während der letzten Prügelei unter den Bauern, wobei er einhauen müssen, verloren. Der Polizeisoldat griff ingrimmig nach der Stelle, wo der Säbel sitzen sollte, zog aber nichts hervor und empor als seine eigene leere jedoch zusammengeballte Faust, die er dräuend nach vorwärts in die Luft schlenkerte. Hierauf rückte die feindliche Kolonne gegen das Schloss vor und der Beschützer Münchhausens wich, Schritt vor Schritt ihr Raum gebend, gegen die Bresche zurück.
Während dieses Rückzuges suchte er alle Mittel hervor, die entschlossenen Gegner von ihrem Vorhaben abzubringen. – "Was wollen Sie eigentlich?" rief er den alten Baron an. – "Den schlummerköpfigen Haselanten, den Hanswurst von Türenverrammler einstecken lassen!" versetzte der Schlossherr. – "Einstekken lassen", wiederholte der Bürgermeister. – "Lassen", sagte der Polizeisoldat und schob seine Dienstmütze verwegen auf das linke Ohr. Der Bürgermeister wendete sich mit Ansehen zu seinem Untergebenen um und sagte: "Es ist wohl gut, Marzeters, dass Ihr die Worte Eures Vorgesetzten aufhebt, aber immer hübsch