.. gefürsteter Abt in qualitate qua, Herr zu Irrlicht, Nebeltau und Wildfeuer, Baron des unheiligen Reichs der Motten, Ziegenmelker und Karpfenschwänze8, Grand aller böhmischen Dörfer, Erbbelehnter in sämtlichen künftigen neuen Entdeckungen, Grosspensionär von Lirum Larum etc. etc. etc." fiel der Freiherr seinem Kurator in die Rede. "Ihr seid im zug mit Euren gewöhnlichen unaufhaltsamen Bezeichnungen, und ich will Euch darin helfen", setzte er hinzu.
"Nein, Herr von Münchhausen", erwiderte der Schriftsteller, der plötzlich ernst geworden war, kalt. "Vergeuden wir die edle Zeit nicht mit müssigen Spielen des Witzes! Ich bin mit Ihnen sehr unzufrieden. Immer noch sah ich Sie auf der Höhe der Wogen, jetzt aber scheinen Sie gänzlich unter der Flut zu sein. Was soll dieses Schlafen? Was soll das Verrammeln in einem haus, welches nicht Ihnen gehört? Fühlen Sie denn nicht, dass Sie durch solche Eulenspiegeleien sich fallenlassen?"
"Herr Immermann, Sie irren", versetzte Münchhausen. "Ich schlief ein, als ich mir gegen den alten Narren, meinen Wirt, durchaus nicht anders mehr zu helfen wusste. Darin ahmte ich nur das Stratagem erfinderischer Köpfe nach. Ich versichere Sie, man wird vielleicht bald von dem chronischen Schlummer mehrerer Projektenmacher hören, wenn ihr Latein erschöpft ist."
"Und das Türverrammeln?"
"Konnte ich denn wissen, dass Ihre gewichtige Kraft mir so nahe sei? Ich wollte Zeit gewinnen, eine halbe Stunde entscheidet oft alles, in einer halben Stunde kann der Himmel einfallen und dann sind wir durch jegliche Erdennot hindurch. Und wirklich habe ich recht gehabt. Sie sind da, der alte Baron nicht, der sonst vielleicht schon hier wäre und alle ruhige Besprechung unmöglich machte."
"Mein Herr, lassen Sie diese possenhafte Betrachtung einer intrikaten Lage!" fuhr der Schriftsteller seinen Klienten barsch an. "Der alte Baron läuft nach dem Bürgermeister, um Polizeihülfe herbeizuschaffen! Begreifen Sie nun Ihre Position? sorge ich darum väterlich für Sie, schicke ich deshalb gewissenhaft die Fläschchen der von Ihnen bereiteten Tinktur an den Oberkammerherrn, schreibe ich mir, um Ihnen endlich ein sicheres Brot bei dem geistreichen Erbprinzen von Dünkelblasenheim zu verschaffen, beinahe die Finger lahm, damit Sie nun schmachvoll in dem Protokolle irgendeines obskuren Polizeibeamten endigen? Nein, Münchhausen, ich kann Sie fast nicht mehr achten, Sie sind doch ein gar zu verlogener Schelm."
Der Freiherr hatte während dieser harten Anrede sacht unter seinen Kleidungsstücken gewühlt. Jetzt zog er daraus einen schwarzen Frack hervor und einen kleinen zusammengelegten Klapphut. "Was sehen Sie?" fragte er seinen rauhen Beschützer in einem ruhigen, man möchte sagen, überlegenen Tone.
"Einen Frack und einen Klack!" rief der Schriftsteller noch immer zornig, obgleich diese harmlosen Gegenstände keine Entrüstung verdienten.
Münchhausen zog an dem kleinen Klapphute, da wurde er grösser, er griff dehnend in die Öffnung, da wurde er dreieckicht, er nahm aus den Seitenwänden einen weissen Federbusch und steckte ihn auf, da war es ein Offizierhut, wie er nur sein musste. Dann krämpelte er den Frack um, häkelte das seidene Unterfutter los, da kam überall rotes Tuch zum Vorschein und am Kragen und an den Aufschlägen weisses mit Goldstikkerei. Er warf seinen Rock ab, zog diese phantasievolle Uniform an, setzte den Hut auf und ein Offizier in fremden Diensten stand vor dem Schriftsteller.
Dieser betrachtete die neue Gestalt, welche sich wie durch Zauberei vor ihm gebildet hatte, mit Erstaunen. "So sind Sie denn also wirklich – was ich noch immer nicht glauben wollte – Sie sind ..." "St! mein Lieber –", rief der Freiherr plötzlich ängstlich werdend. "Sprechen Sie ein gewisses Wort nicht aus; es ist das einzige, was mir Schrecken erregt! Ich wollte Ihnen nur zeigen, dass meine Mittel nicht erschöpft sind. Aus jenen Westen, Jacken und Tüchern, die Sie da liegen sehen, kann ich auf Verlangen Neugriechen, Matrosen, Jockeis herstellen mittels Knöpfens, Wendens, Steckens – ein ziemlich gewandter Proteus. Und so möge der alte Baron und ein Bürgermeister, der Teufel und seine Grossmutter gegen dieses Schloss heranrücken, mir soll das Herz nicht abwärts sinken. – Sie haben mich in Ihrer rauhen Manier angefahren, Sie haben einen hohen Ton gegen mich angestimmt, als seien Sie wunder wie weit über mir und ich nur eine mediokre Figur. Ich bin gegen solche Beleidigungen empfindlich. Deshalb frage ich Sie jetzt, womit habe ich sie verdient? Wissen Sie einen einzigen schlechten Streich von mir, mein Herr?"
Der Schriftsteller versetzte nach einigem Besinnen: "Nein. Wahrheit muss Wahrheit bleiben. Einen eigentlich schlechten Streich weiss ich allerdings nicht von Ihnen. Wie hätte ich mich auch mit einem Escroc so weit einlassen mögen?"
"Nun denn!" rief Münchhausen, und seine Gestalt, von der roten Uniform gehoben, nahm eine Art komischer Erhabenheit an. "Ich habe phantasiert, ja! Ich habe tolle Streiche ausgehen lassen, ja! Ich habe es mit der Wahrheit ziemlich oder vielmehr unziemlich leicht genommen, ja! Ich war überall und nirgends, mein Name war mir stets so gleichgültig wie der Rock, den ich gerade zufällig trug – aber mein Ehrenwort hatte ich mir darauf gegeben, alles dieses Schwärmen, Phantasieren, Fabulieren, Vagabondieren uneigennützig zu treiben, und obgleich ich der Freiherr von Münchhausen heisse, dieses Ehrenwort habe ich gehalten. Die Kasse