könnten es mir gewissermassen befehlen von wegen der kindlichen Ehrfurcht, die ich gegen Sie haben tun muss, und warum fängt mein Herr solche Sachen an und ich würde es auch nicht für ein paar Groschen tun, denn das wäre schimpflich, aber fünf Taler machen einen Unterschied, und das Hemde ist mir näher als der Rock, und Bestechung ist nur ein Vorurteil, aber ohne Geld und Gaben bin ich meinem Herrn so treu wie Gold, und keine Menschenmacht soll mich von meiner Schuldigkeit abwendig machen, und das können Sie mir auch gar nicht verdenken, denn Sie würden sich auch so einen ehrlichen Kerl zum Bedienten wünschen, der alles mit sich in die Sterbegrube nähme, wenn Sie sich chemisch schmieren müssten, weil nämlich –"
"Schweige Er!" rief der alte Baron, welcher befürchtete, dass Karl Buttervogel sich in ein neues Meer von Gründen stürzen würde. Verdriesslich riss er Blätter von den Stauden, zwischen denen er sass, und zerpflückte sie. Karl Buttervogel entfernte sich gleichfalls verstimmt über die unverletzte Treue, die er seinen grundsätzen gemäss dem Herrn bewahrt hatte, von dem Vogelherde.
Fünftes Kapitel
Wofür Semilasso von dem Ehinger Spitzenkrämer angesehen wird. – Der alte Baron rennt nach einem
Bürgermeister und a public charakter im braunen Oberrock tritt auf, dessen Erscheinung die wenigsten
Leser vermuten mögen
Das türkische Fahrzeug war langsam bis an den Fuss des Schlossberges oder -hügels gediehen, konnte jedoch dort nicht weiter auf der holprichten Strasse vordringen. Semilasso sah sich daher genötigt, abzusteigen und zu Fuss bergan zu gehen. Der Ehinger Spitzenkrämer holte ihn ein und gab sich mit ihm in ein vertrauliches Gespräch, weil er ihn wegen der fremdartigen Kleidung, worin der berühmte Reisende sich zeigte, für seinesgleichen oder vielmehr für etwas noch Geringeres, als er selbst war, hielt, nämlich für einen Kunstreiter oder für den Inhaber einer Tierbude. Denn zwischen diesen beiden Vermutungen schwankte der Ehinger in seinen Gedanken.
Semilasso hielt es bei seinem freien Weltblicke nicht unter sich, mit den verschiedenartigsten Leuten ohne Zwang zu verkehren. Er gab daher der Ansprache des Ehingers leichte und natürliche Erwiderung, redete mit ihm über die Spitzenklöppeleien in dem Distrikte, woher der Ehinger gebürtig war und die er auf seinen Reisen besucht hatte. Den Standesunterschied bewahrte er nur insofern, dass er nicht auf der Seite des Weges gehen mochte, den die Füsse des Spitzenkrämers traten. Vielmehr wollte er gern die ganze Breite der Strasse zwischen sich und dem Ehinger sehen. Kam daher dieser zu ihm hinüber, so kreuzte Semilasso die Strasse nach der anderen Seite zu. Da aber der Ehinger die geheime Absicht dieser ausweichenden Bewegungen nicht kannte und am liebsten dicht neben seinen Reisebegleitern gehen mochte, so folgte er dem vornehmen Türken überallhin und beide waren daher die Schlossstrasse hinauf in einer beständigen Zickzack- und Schlängelwanderung begriffen.
Oben stand Semilasso still und wischte sich mit einem Taschentuche von feinem Batist den Schweiss von der Stirn. Der Ehinger zog eine Branntweinflasche aus dem Ränzel, nahm einen derben Schluck und bot seinem Genossen, dessen Eigenschaften ihm so unbekannt waren, die Flasche gleichfalls dar. Semilasso wies aber mit einem zug des innigsten Widerwillens in dem feinen blassen gesicht den Schnaps zurück und schien überhaupt nachgerade den Ehinger lästig zu finden. Seine Neigung zu dem mann stieg nicht, als dieser mit der Frage sich an ihn wandte: "Sagt mir, Landsmann, wo Ihr Eure Bude stehen habt?" und als er durch verwunderungsvolle Erkundigung von ihm herausbrachte, wofür er angesehen wurde. "Voilà ce qui est bien drôle!" sagte er mit einer süsssäuerlichen Mischung im Tone der stimme und suchte dem Ehinger zu entkommen, der ihn aber mit wiederholentlichen fragen nach der Bude bis vor die tür des Schlosses verfolgte. Denn er hatte viel Geld gelöst und wollte sich nun auch in der Tier- oder Bereiterbude ein Vergnügen machen.
An der Schlosstüre nahm jedoch die Verrammelung derselben die Aufmerksamkeit beider Wanderer statt alles anderen in Anspruch. Sie riefen, sie pochten, sie rüttelten, aber im inneren des vereinsamten Schlosses antwortete niemand, niemand kam von innen an die tür, sondern es schnarchte da drinnen nur taub und gefühllos weiter. Zuletzt mussten sie sich wie die übrigen an der tür Gewesenen auch von der notwendigkeit des Wartens überzeugen. Zufällig hatten sie einander von dem Zwecke ihrer Wanderung nichts mitgeteilt, sie gingen auch jetzt ohne nähere Erklärung nach verschiedenen Seiten ab. Semilasso schlug, da der Ehinger mit ihm wieder die Schlossstrasse hinunterwandern wollte, einen Nebenweg in das Gebüsch ein, um nur von diesem Plebejer sich loszumachen. Er brauchte dabei einen wahrscheinlichen Vorwand; die geschichte hat ihn aber vergessen oder Scheu getragen, ihn aufzuzeichnen. Der Ehinger stellte sich dagegen unten am fuss des Hügels zu dem türkischen Fahrzeuge und suchte sich die Zeit, so gut es gehen wollte, mit den Affen und Papageien zu vertreiben. Auch mit dem jungen Neger sprach er. Dieser redete gebrochen Deutsch und antwortete auf die Frage, wo sein Herr die Bude stehen habe? nachdem er ihren Sinn gefasst hatte: "Kein Herr mein Bud' halten – wollt' sagen – Mein Herr kein Bud' halten – Furst sein – heissen – nicht aussprechen kann den Namen schwierig."
Über diese Auskunft wollte sich der Ehinger des Todes verwundern, lachte aus vollem Halse und rief: "O, was für ein Ansehen sich so ein Volk geben kann! Der Junge lügt wahrhaftig schon wie gedruckt und wenn ich den Herrn nach seinem Stand' frag', ist er ein König wenigstens