; der eine wollte dies sein, der andere das, der eine begehrte eine neue Flügeldecke, der andere hatte sich den Rüssel abgebrochen; was in den Lüften zu schweben pflegte, bettelte um Sonnenschein, das Kriechende dagegen um die Feuchtigkeit. Dieses ganze Gesindel nannte ihn seinen Herrgott, so dass ihm fast wieder die Sinne zu schwanken begannen.
Auch bei den Vögeln war des Zwitscherns, Plapperns und Erzählens kein Ende. Ein Buntspecht kletterte an der Borke einer grossen Eiche auf und nieder, hackte und pickte nach den Würmern und ward nicht müd' zu schreien: "Ich bin der Förster; ich muss für den Wald sorgen!" – Der Zaunkönig sagte zum Finken: "Es ist gar keine Freundschaft mehr unter uns; der Pfau will nicht leiden, dass auch ich ein Rad schlage, er meint, er habe allein das Recht dazu, und hat mich verklagt beim höchsten Gericht, und ich kann doch ein so schönes Rädlein schlagen mit meinem braunen Schwänzlein." – Der Fink versetzte: "Lass mich zufrieden. Ich fress' mein Korn und kümmere mich sonst um nichts; ich hab' ganz andere Sorgen, zu meinem Waldschlag lern' ich die eigentlichen kunstmässigen Weisen nur hinzu, wenn sie mich blenden; es ist aber schrecklich, dass aus einem erst was Rechtes wird, wenn man so hart verstümmelt worden ist." – Von Diebstählen plauderten die andern und von Mordtaten, die niemand gesehen, als die Vögel:
Sie fliegen wohl über den Kreuzweg hin,
Schaut keiner nach ihnen hin!
Dann setzten sie sich auf den Zweigen straff zurecht, kuckten den Schüler spöttisch an und zwei freche Kohlmeisen riefen: "Da steht der Zauberer und hört uns zu und weiss nicht, was mit ihm geschieht; nun, der wird Augen machen!" – "Der wird Augen machen!" schrie der ganze Haufen und flog mit einem Gezwitscher davon, welches wie ein halbes lachen klang.
Indem bekam der Schüler einen Wurf in das Gesicht, er blickte empor, da sah er ein ungeschliffenes Eichhorn, das hatte ihm die hohle Nuss auf die Stirne geworfen, lag platt auf seinem Aste auf dem Bauche, stierte ihm ins Gesicht, und rief: "Die hohle für dich, die volle für mich!" – "Ihr ungezogenes Gesindel, lasst den fremden Herrn doch zufrieden!" rief eine schwarz und weisse Elster, die wackelnd durch das Gras herzugeschritten kam. Sie setzte sich dem Schüler auf die Schulter und sagte ihm ins Ohr: "Ihr müsst nicht uns alle nach jenen unhöflichen Bestien beurteilen, gelahrter Herr, es gibt auch unter uns wohlgezogene Leute. Da seht einmal durch die Öffnung hindurch jenen weisen Mann, das Wildschwein, wie es ruhig steht und seine Eicheln verzehrt und dabei im stillen seine Gedanken hat. Herzlich gern will ich Euch Gesellschaft leisten und Euch erzählen, was ich nur weiss, das Reden ist mein Vergnügen, besonders mit alten Leuten."
"Wenn das ist, so wirst du bei mir deine Rechnung nicht finden, ich bin noch jung", versetzte der Schüler.
"Ach Himmel, wie sich die Menschen täuschen können!" rief die Elster und sah ganz gedankenvoll vor sich hin.
Indem war es dem Schüler, als höre er aus noch grösserer Tiefe des Waldes ein Seufzen, dessen Ton ihm durch das Herz drang. Er fragte seine schwarz und weiss gesprenkelte Gesellschafterin nach der Ursache, die sagte ihm aber, sie wolle zwei Eidechsen darum ausforschen, die dort ihr Morgenbrot ässen. Er ging nun mit der Elster auf der Schulter nach dem Orte, wo diese Tierchen sich befinden sollten. Da hatte er eine wunderhübsche Schau. Die beiden Eidechschen waren gewiss vornehme fräulein, denn sie sassen unter einem grossen Pilze, der wie ein prachtvolles Schirmzelt sein goldgelbes Dach über ihnen ausspannte. Dort sassen sie und schlürften mit den braunen Züngelchen den Tau vom Grase, dann wischten sie sich die Mäulchen an einem Hälmlein ab und gingen miteinander im anstossenden Lustain von Farrenkräutern spazieren, welcher vermutlich der einen zugehörte, die ihre Freundin bei sich zum Besuch hatte. "Schack! Schack!" rief die Elster; "der Herr möchte gern wissen, wer geseufzt hat?" Die Eidechschen hoben die Köpfchen empor, wedelten mit den Schwänzchen und riefen:
Prinzessin in der Laub' am Bronnen,
Der Kanker hat sie eingesponnen. –
"Hm! Hm!" sagte die Elster und wackelte mit dem kopf, "dass man so vergesslich sein kann! Ja freilich, in der nahen Hainbuchenlaube schläft die schöne Prinzessin Doralice, die der böse König Kanker eingesponnen hat. O möchtet Ihr sie erretten, gelahrter Herr!" – Den Schüler trieb das Herz, er fragte die Elster, wo die Laube sei? Der Vogel flog voran von Zweig zu Zweig, den Weg zu zeigen; so kamen sie an eine stille Wiese, rings eingeschlossen, durch welche ein Bächlein, aus einer Felsenspalte springend, floss, wo gar artige Läublein von Hainbuchen standen. Die Bäumchen hatten ihre Zweige zur Erde geschlagen, so dass sie den Boden wie ein Dach überwölbten, durch diese Dächer aber stachen die Fächerblätter des Farrenkrauts und schufen den Laubhäuslein die Lucken und Giebel. Die Elster sprang auf eins der Laubhäuslein, schaute durch eine Lucke und flüsterte geheimnisvoll: "Hier schläft die Prinzessin." – Mit klopfendem Herzen trat der Schüler hinzu, kniete vor der Öffnung der Laube nieder und blickte hinein – ach! da wurde