Dingen sprachen sie, dazwischen von ihrer Zukunft, die wie ein rosenroter Traum vor ihnen schwebte. Sie sagte ihm, er möge nur alles so einrichten, wie ihn gut dünke, wenn er wolle, sei sie die Seinige; an der Einwilligung ihrer Pfleger zweifle sie nicht.
"Ich auch nicht!" rief er mit unwillkürlichem stolzem Jauchzen. Sie sah ihn fragend und erstaunt an. Er erschrak und suchte sich mit einer übel erfundenen Ausrede zu helfen, die nur ein liebendes Mädchen glauben konnte. Von seinen Verhältnissen wusste sie nichts, sie hatte auch eigentlich nie so recht danach gefragt. War nicht sein blick treu, seine Rede ehrlich und verständig, der Druck seiner Hand sanft und bieder? Hiess er nicht Oswald Waldburg? Was brauchte sie mehr zu wissen? – Er aber hatte sich einen Streich heute ausersonnen, einen Streich – bei dem Gedanken an das Gelingen dieses Streiches schwindelte ihm der Kopf vor Freude. Er wollte die Wonne geniessen, sein Liebstes mit einer Fülle von Glück zu überraschen.
An der Senkung des Forstes, da wo er in die Wiesen auslief, begegnete ihnen eine Frau mit einem Korbe voll früher Äpfel. Er kaufte ihr einige ab, "denn", sagte er, "wir müssen doch an unsere Wirtschaft denken. Wenn wir noch ein Stückchen Brot dazu hätten, so könnten wir eine Herrenmahlzeit halten." – "Damit will ich Ihnen dienen", sagte die Frau, "ich habe Weissbrot aus der Stadt mitgenommen, um es in den Kotten umher zu verkaufen, wenn Sie mir aber etwas abnehmen, brauche ich es nicht weiter zu tragen." Sie öffnete ein weisses Tuch, welches sie nebst dem Korbe trug und er nahm zwei Brötchen heraus.
Nun gingen sie quer durch die Wiesen und nicht lange, so sahen sie ihren lieben Platz, den sie seit dem ersten Zusammentreffen noch nicht wieder besucht hatten. Als sie die Büsche erblickten, die kleinen Felsen und die schwarzen Baumtrümmer, freuten sie sich wie die Kinder. Ihr erster gang war nach der Blume. Die war aber inzwischen verwelkt und die roten Kelche hingen blass und erschöpft vom Stengel herunter. Lisbet seufzte, er aber sagte: "Die Blume starb, die Liebe lebte auf, geben wir der Blume ein Grab im Heiligtume der Liebe!" Er streifte die Kelche vom Stengel, pflückte das Blatt einer wilden Lilie, bereitete daraus ein Röllchen, steckte das Verwelkte hinein und reichte Lisbet den kleinen grünen Sarg. Sie sah ihn, eine Träne im Auge, an, dann schob sie ihn unter ihr Tuch und bestattet ihn an ihrem Busen.
Es war zwischen Nachmittag und Abend und das wasser unter den kleinen Felsen schickte berauschenden Duft empor. "Nun wollen wir speisen wie die Könige!" rief er fröhlich. "Bist du hungrig?" – "Ei ja", versetzte sie lachend, "es ist nicht wahr, dass die Liebe von der Luft lebt." – "Höre, mein Herz", sagte er, "da hast du eine kühne Wahrheit ausgesprochen, wirst es aber mit allen Romanschreibern zu tun bekommen. Im Vertrauen: Mich hungert auch!" – "Es ist doch ein Unterschied", sagte sie lächelnd. Sie nahm jetzt seinen Ohrzipfel, wie er früher ihren, legte die Lippen an sein Ohr und flüsterte: "Man hungert wohl, aber der Hunger tut nicht so weh."
Sie wollte sich auf einen Baumtrumm ihm gegenüber setzen, er zog sie auf seinen Schoss. Sie ass aus seiner Hand, und er ass aus ihrer, und so vollbrachten sie ihr kleines Mahl von Brot und Äpfeln. Dann setzten sie sich unter einen Haselstrauch am Bache und sahen den klaren Wellchen zu und den Fischlein, die darin hin und her scherzten. "Du könntest mir jetzt einen Gefallen tun und mir dein Waldmärchen erzählen, wovon du mir schon öfter sprachest", sagte sie. "Ach!" rief er, "haben wir nichts Besseres zu tun, als erzählen und vorlesen?" Er wollte sie umarmen, sie entzog sich ihm aber, legte einen Zweig von der Haselstaude zwischen ihn und sie und sagte: "Da bleib jenseits sitzen und erzähle, zum Küssen haben wir immer noch Zeit genug."
Er zog die Blätter und Blättchen, auf welche er das Märchen geschrieben hatte, und die er zufällig bei sich trug, aus der tasche, las und erzählte frei, wechselsweise. Wenn er ein Blatt zu Ende gelesen hatte, so warf er es in den Bach, da trugen es die Wellen davon. – "Was tust du?" fragte Lisbet. – "Es hat seine Bestimmung erfüllt, wenn du es gehört hast", versetzte er. – Die Wellen liessen es aber nicht verlorengehen, sie trugen es zu mir; ihr sollt es nachher hören.
Anfangs hörte sie achtsam zu und liess sich manches erklären, was sie nicht verstand. Späterhin schien sie zerstreut zu werden. Sie flocht ein Krönchen von Blumen und Gras, wie um durch diese Arbeit ihre Gedanken zusammenzuhalten. Auch er eilte zum Ende, seine Fabel gefiel ihm nicht mehr. Dieser Wirklichkeit gegenüber schien ihm sein Ersonnenes matt und schal.
Als er auserzählt hatte und sie nichts sagte, fragte er sie, wie es ihr gefallen habe. – "Ja sieh", erwiderte sie schüchtern, "es ging mir eigen mit deinen Wundern im Spessart. Ich glaube, ich hätte sie