von seinem Ehrentage nichts als Prügel vorhin und Mühe anjetzt, denn die Deckel klappten unaufhörlich, bald hier, bald da. – Nur der Diakonus und die städtischen Gäste erhielten Wein vorgesetzt. Der Schulmeister lag der Aufwartung in betreff des Festen ob, flink und gewandt, recht heiter in diesem Geschäfte.
Es gab unter den Gästen nur zwei, welche die allgemeine Befriedigung nicht ganz teilten, der eine aus Verlegenheit, der andere aus Furcht. In Furcht befand sich nämlich der Küster und in Verlegenheit der vornehme Herr vom hof. Dem Küster hätte der grösste Irrenarzt von Europa ein schriftliches Zeugnis einhändigen können, dass der Schulmeister bei Sinnen sei, es würde ihm doch nicht wohl geworden sein in der Nähe dieses Menschen, der mit so gefährlichen Werkzeugen, wie Schüsseln, Tellern, Messern, unbewacht um ihn her hantierte. Er dachte im stillen an alle die Fälle, worin ein Verrückter, lange Zeit scheinbar hergestellt, plötzlich wieder wütend geworden ist, und nun mit dem, was er gerade in der Hand hat, dem nächsten, besten die Hirnschale zerschmettert. Diesem Schicksale wenigstens einigermassen vorzubeugen, setzte er unter dem Vorwande, dass es in dem von Hitze glühenden Flure kühl ziehe, seinen Hut auf, obgleich dies allgemein auffiel. Wirklich war der arme Küster in einer traurigen Lage. Seine Esslust überstieg womöglich noch die des Schirrmeisters, der heutige Tag war ein solcher, an dem er hatte zeigen wollen, was Kinnbacken zu leisten vermögen, und nun ging ihm dieser schöne Traum so hässlich aus. Denn nichts hindert den Menschen mehr am Schlucken als Furcht und Angst. Der Küster fühlte sich unglaublich gehemmt. Hatte er eben auch in einem selbstvergessenen Augenblicke einen starken Bissen zum mund geführt, etwa eine Hühnerkeule oder einen Streifen Rindfleisch von der Mächtigkeit einer halben Hand, siehe! so flog hinter ihm der aufwartende Schulmeister, vielleicht eine Kelle in der Faust, vorbei, und Hühnerkeule oder Rindfleischstreifen sassen ihm auf der Stelle fest, verzaubert, wie Schiffe auf dem Lebermeere, zwischen den Zähnen. – Umsonst suchte er durch häufiges Trinken die hinabführenden Wege geschmeidiger zu machen; der Schreck erhielt seine Kehle in Trocknis trotz alles Giessens. So, zwischen Entsetzen und Appetit, glich er, wenn dieses Gleichnis nicht zu niedrig klingt, dem Hunde, der vor einer erwischten Bratwurst sitzt, vor Wollust zittert, sie zu verschlingen, und dabei scheu nach dem Herrn sieht, der aus der Entfernung bereits mit der Peitsche herbeieilt.
Der vornehme Herr vom hof machte unterdessen vergebliche Versuche, sich herabzulassen, und geriet darüber in Verlegenheit. Er sass zwischen dem Hofschulzen und dem Diakonus und hatte gegenüber zwei Bauerfrauen, die bei ihren Männern sassen. Als das gewaltige Essen begann, fühlte er wohl, dass er in diese Tätigkeit nicht einzugreifen vermöge, auch erregten ihm die speisen keinen Hunger und er begnügte sich, nur zum Schein etwas auf den Teller zu nehmen. Dort aber blieb es unberührt liegen, ungeachtet der Hofschulze, der seine Kost nicht gern verschmäht sah, ihn mit einiger Empfindlichkeit nötigte, auch zu essen. Das konnte er nicht, jedoch bestrebte er sich, leutselig zu sein, denn zu diesem Ende und um das Volk, soviel an ihm war, durch hinreissende Manieren für den Tron gewinnen zu helfen, war er ja nur wieder unter die Bauern gekommen.
Um in diese Manieren einen gewissen Fortschritt vom Geringeren zum Grösseren zu bringen, sah er die gegenübersitzenden Bauern mit einer süssen Freundlichkeit an und winkte dazu gnädig mit dem haupt, als wollte er sagen: "Nun, schmeckt's, ihr ehrlichen Landleute?" – Darüber lachten aber die Bauern, und einer stiess seinen Nachbar an mit den Worten: "Ist der Kerl verrückt?" – Der vornehme Herr vom hof glaubte, als er des Lachens inneward, seine Huld nicht deutlich genug von sich gegeben zu haben, er beschloss daher, zuvörderst das andere Geschlecht zu gewinnen, liess sich zwei Teller geben, stellte sie vor sich hin, schnitt zwei gute Stücke von dem vor ihm stehenden Trutahne ab, legte sie auf die Teller und reichte diese Leckerbisslein den beiden Bauerweibern, die noch ziemlich rund und hübsch waren. Die Weiber, zugleich mit einer artigen Redensart, welche ihnen unverständlich blieb, angesprochen, guckten verlegen, rot und stumm auf die Teller, ohne die Gaben der Courtoisie anzurühren. Ihre Männer aber sahen mit sonderbaren Blicken nach dem Geber hinüber; der eine nahm seiner Frau den Teller mit den Worten: "Du brauchst nicht von anderer Leute Tellern zu essen, du hast deinen eigenen"; weg und reichte ihn dem soeben geschäftig vorbeifliegenden Schulmeister. Der andere warf ihn sogar ärgerlich mit der Befrachtung unter den Tisch, indem er halblaut rief: "Was zu grob ist, ist zu grob!" – Der vornehme Herr vom hof begriff durchaus diese Einhergänge nicht, er suchte sich rechts und links, gerade und schräge hinüber so liebenswürdig als möglich zu machen, aber alles war vergebens, weil er immer mit holder Ungezwungenheit, die zwischen die festgestellte Ordnung der Tafel trat, dartun wollte, dass es ihn gar nicht beenge, unter so geringen Leuten zu sitzen. Aber das erschien den bäuerlichen Tischgenossen eben wie die grösste Unart, und bis zum Schweinsbraten hatte sich flüsternd so ziemlich die Meinung festgestellt, dass man vornehme Leute für höflicher gehalten habe. Der umsonst sich Herablassende, welcher äusserlich die Fassung des Hofes behielt, obgleich ihm innerlich immer übler zumute ward, sagte endlich zum Hofschulzen: