Hölscher zu bitten vergessen hatte, Platz. Die Braut, die Brautjungfern, der Diakonus, der Brautvater, die städtischen Freunde, die Exzellenz, der Schirrmeister und die grössten Hofesbesitzer mit ihren Frauen stellten sich um die Tafel unter den Bäumen im Garten, die geringeren Leute und die jungen Bursche und Mädchen unter Anführung des Küsters um die im Flur. Der Diakonus sprach an seinem Tische ein Gebet, der Küster eins an dem seinigen. Hierauf wurde an beiden Tischen ein geistliches Lied angestimmt.
Für Lisbet war zwischen den Brautjungfern ein Platz offengelassen worden. Der Hofschulze sah sich unruhig nach ihr um. Sie kam nicht. Dagegen kam während des Gesanges der Jäger, überblickte die Tafel, fand für sich keinen Platz offen, weil die zwei unerwarteten Gäste, die Exzellenz und der Schirrmeister, schon allen Raum hinweggenommen hatten, Lisbets Platz aber unbesetzt. Freudeglänzend wurde sein Antlitz, er schlich sich sacht seitwärts nach dem haus, um sein Mädchen aufzusuchen. Sie trat ihm bei den Linden entgegen, umgekleidet, in ihrem gewöhnlichen Anzuge, den Strohhut auf dem haupt. – "Nun ist mir wohl, nun bin ich wieder wie ich sein muss!" rief sie freundlich. – "Ich weiss", sagte er, "du magst dich nicht verstellen, du wolltest neulich nicht einmal leiden, dass ich dir an deinem Haare zeigen durfte, was für Zöpfe die schwäbischen Mädchen tragen."
"Nein", sagte sie, "niemals was vorstellen, was man nicht ist."
Sie wollte nach dem Tische im Baumgarten gehen, der Jäger hielt sie aber zurück und rief: "Wie? In dem leichten städtischen Kleidchen willst du dich als Brautjungfer an den Tisch setzen! Da erwarte nur, dass dich der Hofschulze, der streng auf Ordnung und Kostüm hält, fortweiset!" – "Ja, was soll ich beginnen?" fragte sie verlegen; "das hässliche steife Zeug lege ich nimmermehr wieder an."
"O meine Geliebte", sagte der Jäger zärtlich, "wollen wir denn unser Glück unter die Bauern tragen? Dasitzen und rohe Spässe anhören und langweilige Bräuche mit anschauen? Ist's denn nicht der Tag unserer Tage? Gehört er nicht ganz uns unter Gottes liebem Himmel und auf Gottes grüner Erde? Müssen wir zwei nicht allein beieinander bleiben, fern, fern von den anderen Menschen? Ich wollte dich bitten, mit mir zu gehen, den Hügeln zu, den Platz suchen, wo ich dich zum ersten Male fand bei der schönen Blume!"
"Wie darf ich das? Was würden sie von mir im Oberhofe sagen", versetzte sie scheu. Sie entfernte sich von ihm.
"Wohl! Wohl!" rief er halbzornig. "So setze dich denn nieder bei deinen Kameradinnen; für mich ist aber nicht gedeckt, ich gehe zu Wald!" – Er ging trotzig einer Seitenpforte zu, die in das Freie führte. Ein stechender Schmerz sass ihm im Herzen. Um nichts, wenn ihr wollt. Das ist die Liebe. – Aber er hatte noch nicht die Pforte erreicht, als er seine Schulter leise angerührt fühlte. Er wandte sich um; Lisbet war ihm nachgefolgt. – "Wenn sie dir nichts zu essen geben wollen, da mag ich auch nichts, und wo du bleibst, bleibe ich auch"; sagte sie herzlich und zog ihn, bevor er etwas erwidern konnte, nun selbst durch die Pforte in das Freie. Er umfasste sie und beide sprangen durch Wiese und Feld.
Siebentes Kapitel
Der vornehme Herr vom hof macht vergebliche Anstrengungen, sich herabzulassen. Der Spassmacher
Steinhausen wird jedermann verständlich
Die Braut sass quer vor dem Tische und rührte keinen Bissen an. Der Brautvater, welcher dem Auftritte zwischen dem Jäger und Lisbet aus der Entfernung zugeschaut hatte und infolge desselben den Platz der dritten Jungfer leer bleiben sehen musste, flüsterte gekränkt und ingrimmig: "Dieser Untugend werde ich noch vor Abend mit der Manier ein Ende machen." – Auch er ass wenig. Desto angelegener liessen die Bauern sich dieses sein, hatten ihre Messern, ein jeder das seinige aus der tasche hervorgezogen, womit sie ohne Gabeln fertig zu werden wussten, und sprachen den Hühnern tapfer zu, ohne darüber ihre mutigen Vorsätze auf Schinken, Mostertstücke und Braten daranzugeben. Eine unendliche Last von Essbarem dampfte auf den Tafeln, fast schien es selbst diesen Appetiten gegenüber, unmöglich, alles zu bewältigen, wenn nicht dennoch die Schnelligkeit, womit die ersten Gänge vom Angesichte der Welt verschwanden, dazu die Aussicht gegeben hätte. Alles schrotete, käute, schluckte, und es ist nicht erlogen – denn ich bin ja nicht Münchhausen, oder wenigstens nur zur Hälfte er –, wenn ich sage, dass mancher Bauer binnen wenigen Minuten ein ganzes Huhn überwunden hatte, und dass ein Schinken für sechs Mann nur so eben zureichte. Auch die Städter liessen sich die reinliche, derbe Kost trefflich munden, der Schirrmeister aber ass für zwei Bauern und trank für drei. Was das Getränk betrifft, so muss ich leider, wie undichterisch dies klingen mag, von Bier berichten. Jeder hatte seinen irdenen Deckelkrug gefüllt vor sich stehen, und wenn derselbe geleert war, so klappte der Inhaber auf eine eigene landesübliche Weise mit dem zinnernen Deckel, worauf frische Füllung erfolgte. Selbige besorgte der erste Aufwärter, der Bräutigam, aus einer mächtigen Schleifkanne eingiessend, mit welcher er, eine weisse Serviette vorgesteckt, die Tafeln umkreiste. Dieser König des Festes hatte