Bauern in das Gesangbuch sehen, um in das Lied einzustimmen, da aber jeder, sowie der Herr vom hof sich ihm näherte, ehrerbietig auswich, so gelangte er nicht zum Zwecke und erregte nur eine fast allgemeine Unruhe. Denn wenn er in eine Kirchenbank sich setzte, so rutschten auf der Stelle sämtliche darin sesshafte Bauern bis in die äusserste entgegengesetzte Ecke, und entflohen der Bank gänzlich, wenn der vornehme ihnen nachrutschte. Dieses Rutschen und Entrutschen wiederholte sich in drei bis vier Bänken, so dass der Herr vom hof, der in der besten Absicht diesen Dorfgottesdienst besuchte, es endlich aufgeben musste, zu einer tätigen Teilnahme an demselben zu gelangen. Er hatte Geschäfte in der Gegend und wollte die gelegenheit nicht verabsäumen, durch Herablassung die Herzen dieser Landleute für den Tron zu gewinnen, dem er sich so nahe wusste. Deshalb war in ihm, sobald er von der Bauernhochzeit hörte, der Vorsatz entstanden, ihr leutselig von Anfang bis zu Ende beizuwohnen.
Den Diakonus berührte der Anblick des Vornehmen, den er aus den glänzenden Zirkeln der Hauptstadt kannte, nicht wohltuend. Er wusste, welche sonderbare Sitte der Predigt folgen werde, und fürchtete den Spott des Vornehmen. Seine Gedanken verloren daher von ihrer gewöhnlichen klarheit, seine Gefühle waren etwas bedeckt und er kam, je weiter er redete, um desto weiter aus der Sache. Seine Zerstreuung wuchs, da er bemerkte, dass der vornehme ihm verstehende Blicke zuwarf und bei einigen Stellen beifällig mit dem haupt nickte; meistenteils da, wo der Redner mit sich am unzufriedensten gewesen war. Er beschnitt daher die einzelnen Teile der Traurede, und eilte sich, zur Zeremonie zu gelangen.
Das Brautpaar kniete nieder und die verhängnisvollen fragen ergingen an dasselbe. Da trug sich etwas zu, was den vornehmen Fremden in den äussersten Schreck versetzte. Denn er sah links und rechts, vor sich und hinter sich, Männer und Frauen, Mädchen und junge Bursche dicke Knittel, aus Sacktüchern gewunden, hervorziehen. Alles war aufgestanden, zischelte untereinander und sah sich, wie es ihm vorkam, mit wilden und heimtückischen Blicken um. Da es ihm nun unmöglich war, den richtigen Sinn dieser Vorbereitungen zu erraten, so verliess ihn alle Fassung, und weil die Knittel doch unwidersprechlich auf jemand deuteten, der Schläge empfangen sollte, so kam ihm der Gedanke, dass er der Gegenstand einer allgemeinen Misshandlung sein werde. Er erinnerte sich, wie scheu man ihm ausgewichen war, und er bedachte, wie roh der Charakter des Landvolkes ist, und wie die Bauern vielleicht, weil ihnen seine herablassende Gesinnung nicht bekannt sei, sich vorgenommen hätten, den ihnen unbequemen Eindringling zu entfernen. Alles dieses ging blitzschnell durch seine Seele und er wusste nicht, wie er Würde und person vor dem entsetzlichen Angriffe wahren sollte.
Als er noch ratlos nach Entschlüssen rang, schloss der Diakonus die Feierlichkeit, und es entstand augenblicklich der wildeste Tumult. Sämtliche Knittelträger und Knittelträgerinnen stürzten schreiend und tobend und ihre Waffen schwingend nach vorwärts, der Herr vom hof aber war über mehrere Bänke mit drei Sätzen seitwärts nach der Kanzel zu gesprungen, erstieg dieselbe im Nu und rief von diesem erhöhten Standpunkte mit lauter stimme in die tobende Menge hinunter: "Ich rate euch, mich nicht anzutasten! Ich hege die besten und herablassendsten Gesinnungen gegen euch, aber jede mir zugefügte Beleidigung wird der Monarch ahnden, wie eine ihm selbst widerfahrene."
Die Bauern aber hörten nach dieser Rede nicht hin, von ihrem Vorhaben begeistert. Sie rannten dem Altar zu, und unterweges bekam schon dieser und jener unabsichtliche Prügel, bevor das eigentliche Ziel derselben erreicht war. Dieses war der Bräutigam. Die hände über den Kopf schlagend, bahnte er sich mit aller Anstrengung eine Gasse durch die Menge, welche ihre Knittel auf seinem rücken, seinen Schultern und überhaupt allerorten, wo Platz war, tanzen liess. Er lief, sich gewaltsam Raum schaffend, nach der Kirchtüre zu, hatte aber, bevor er dieselbe erreichte, gewiss über hundert Schläge empfangen, und kam so, wacker zerbläut an seinem Ehrentage aus dem Heiligtume. Alles lief ihm nach; der Brautvater, die Braut folgten, der Küster schloss unmittelbar hinter dem letzten die tür ab und verfügte sich in die Sakristei, welche einen besonderen Ausgang in das Freie hatte. In wenigen Sekunden war die Kirche leer geworden.
Noch stand indessen der vornehme Herr auf der Kanzel. Der Diakonus aber stand vor dem Altare, sich gegen den Vornehmen mit freundlichem Lächeln verbeugend. Dieser hatte, als er auf seinem Felsen Ararat sah, dass die Prügel nicht ihm zugedacht waren, beruhigt die arme sinken lassen, und fragte, als jetzt Stille eingetreten war, den Diakonus: "Sagen Sie mir um des himmels willen, Herr Prediger, was bedeutete dieser wütende Auftritt und was hatte der arme Mensch seinen Angreifern getan?"
"Nichts, Ew. Exzellenz", versetzte der Diakonus, der ungeachtet der Würde des Orts Mühe hatte, ein lachen über den Höfling auf der Kanzel zu verbeissen. "Dieses Abklopfen des Bräutigams nach der Trauung ist ein uralter Gebrauch, den sich die Leute nicht nehmen lassen. Sie sagen, er solle bedeuten, dass der Bräutigam fühle, wie weh Schläge tun, damit er sein künftiges hausherrliches Recht wider die Frau nicht missbrauche."
"Ja, das sind denn doch aber wunderbare Sitten ..." murmelte die Exzellenz und stieg von der Kanzel. Unten empfing sie der Diakonus sehr höflich und wurde von ihr mit drei