die Feder so und bald sollte sie so geschnitten werden, und dann sah sie ihn zuweilen an und seufzte jedesmal, wenn sie das tat. Der Jüngling seufzte noch öfter, ich weiss nicht ob über die unbestimmten Antworten, oder über sonst etwas. Einmal gab er ihr die Feder in die Hand, damit sie an der zeigen sollte, wie lang sie die Spalte wünsche. Sie tat es, und als sie ihm die Feder zurückreichte, empfing er noch etwas mehr, nämlich ihre Hand. Diese wurde von der seinigen so ergriffen, dass die Feder darüber zu Boden fiel und eine Zeitlang ihnen aus dem Gedächtnisse kam, weil alles Bewusstsein in die beiden hände gefahren war, die einander sanft streichelten oder drückten – darüber lauten meine Quellen verschieden.
Ich will euch ein grosses Geheimnis verraten. Der Jüngling und das Mädchen waren der Jäger und die schöne blonde Lisbet. Und wenn ihr einmal recht freundlich gegen mich sein, mich nicht immer so bezweifeln und bemäkeln wollt, wodurch ihr manches Gute in mir, und euch manche Freude zerstört habt, so tue ich euch jetzt den Gefallen, und erzähle euch, wie es den beiden jungen Leuten im Oberhofe ergangen war, nachdem der Jäger die Lisbet statt des Rehes geschossen hatte.
Die Verwundete war in jener Nacht auf ihr Zimmer getragen worden und der Hofschulze, der ganz verstört, was ihm selten begegnete, aus seiner kammer hervorkam, hatte sogleich nach dem nächsten Chirurgus geschickt. Dieser Mann wohnte aber andertalb Stunden vom Oberhofe, er schlief fest und ging ungern bei Nacht aus. Der Morgen war daher schon angebrochen, als er endlich mit seinen notdürftigen Instrumenten anlangte. Er nahm das Tuch von den Schultern, betrachtete die Wunde und machte ein äusserst schwieriges Gesicht. Indessen müssen selbst die Bedenklichkeit eines Dorfchirurgen vor der offenbaren Geringfügigkeit eines Falls weichen. Der Schuss des jungen Schwaben hatte Lisbet glücklicherweise bloss gestreift, nur zwei Schrotkörner waren in das reine, jungfräuliche Fleisch gedrungen, aber auch nicht tief. Der Chirurgus zog sie heraus, legte einen Verband auf, empfahl Ruhe und kaltes wasser und ging mit dem stolzen Gefühle nach Haus, dass, wenn er nicht so schleunig herbeigerufen worden wäre und nicht so unverdrossen bei Nacht seine Pflicht getan hätte, unfehlbar der kalte Brand zu der Wunde hätte treten müssen.
Lisbet war während des Harrens auf die hülfe gefasst gewesen, und hatte kaum geklagt, obgleich ihr totenblasses Gesicht verriet, dass sie Schmerzen litt. Auch die Operation, welche durch die schwere Hand des Chirurgen peinigender wurde, als nötig, hatte sie mutig ausgehalten. Sie liess sich die Schrotkörner geben und schenkte sie dem Jäger mit einem Scherze. Es seien Treffkörner, sagte sie zu ihm, er solle sie aufheben, er werde damit glücklich sein.
Der Jäger nahm die Treffkörner, wickelte sie in Papier und liess das Haupt seines schönen Wildes, weil es schlummern wollte, aus den sanft umfangenden Armen. In denen hatte Lisbet seit dem Eintritte in die stube des Oberhofes mit ihren Schmerzen geruht, wie droben am Freistuhl. Unverwandt hatte er mit kummervollem Auge in ihr Antlitz geschaut und war zuweilen einem freundlichen Blicke begegnet, welchen sie, wie um ihn zu beruhigen, zu ihm emporschickte.
Er ging in das Freie. Unmöglich konnte er jetzt den Oberhof verlassen, er musste, so sagte er, doch die Heilung der armen Verletzten abwarten, das erforderte die Menschlichkeit, fügte er hinzu. Im Baumgarten fand er den Hofschulzen, der, da er erfahren, dass keine Gefahr vorhanden sei, seinen Geschäften nachging, als habe sich nichts ereignet. Er bat den Alten, ihm noch länger Quartier zu geben. Der Hofschulze sann nach und wusste kein Gelass für den Jäger. "Und wenn es auch nur ein Verschlag auf dem Speicher wäre!" rief der Jäger, der auf die Entschliessung seines alten Wirtes mit einer Ängstlichkeit harrte, als hange davon sein Schicksal ab.
Nach langem Besinnen fiel diesem endlich ein solcher Verschlag auf dem Speicher ein, worin er Frucht bewahrte, wenn die Ernte für die gewöhnlichen Räume zu ergiebig ausgefallen war. Jetzt war er leer und diesen wies nun der Alte seinem jungen gast an, setzte aber hinzu, dass es ihm da droben wohl nicht gefallen werde. Der Jäger ging hinauf, und obgleich der kahle und verdriessliche Raum nur von einer Dachluke sein geringes Licht empfing, und zum Sitzen sich da nichts vorfand, als ein Brett und ein Kasten, so gefiel es dem Jäger doch dort oben wohl. "Denn", sagte er, "alles ist mir einerlei, wenn ich hier nur bleiben darf, bis ich darüber sicher bin, dass ich mit meinem verwünschten Schiessen keinen Schaden angerichtet habe. Es ist schönes Wetter, und ich werde nicht viel oben zu sein brauchen."
Er war auch wirklich nicht viel oben in seinem Verschlage, sondern mehr unten bei Lisbet. Er bat sie so oft wegen des Schusses um Verzeihung, dass sie ungeduldig wurde und ihm mit einem Stirnfältchen des Verdrusses, welches ihr allerliebst stand, sagte, er solle das nun sein lassen. Nach fünf Tagen war sie vollkommen geheilt, der Verband konnte abgelegt werden und nur leichte rötliche Pünktchen an der weissen Schulter deuteten noch die Stellen der Verwundung an.
Sie blieb im Oberhofe, denn sie war vom Hofschulzen, wie wir wissen, schon früher zur Hochzeit gebeten worden. Diese verspätete sich um einiges, weil die Ausstattung zum bestimmten Tage nicht fertig werden wollte. Der junge Jäger blieb auch