Federzuge die Grenzen des Reichs um das Doppelte zu mehren weiss; es erlebt ihn jeder einmal, er müsse sich auch sonst Tag für Tag durch ein gedrücktes Dasein hindurch beugen und winden. Der Tagelöhner hat ihn, der sein neugeborenes erstes Kind auf den Arm nimmt und selbst der todkranke Bettler empfindet ihn, wenn ihm ein pflichtgetreuer und gewissenhafter Priester die heilige Kommunion reicht.
Auch unsere Braut, von der sonst nicht viel zu sagen ist, fühlte diesen Augenblick, als sie die Krone auf ihrem haupt empfing. In dem dunkelschwarzen Haare, welches sie ausnahmsweise mitten unter dem blonden volk besass, funkelten die goldenen und silbernen Flitter gar lustig. Sie richtete sich, angefasst von ihren Freundinnen auf, und die beiden breiten golddurchwirkten Streifen, welche zur Krone gehören, fielen ihr lang auf den rücken hinunter. Die Knechte standen schon vor der tür, um die Ausstattung in den Flur hinabzuschaffen, die Brautjungfern nahmen ihre Freundin bei der Hand, eine erhob das Spinnrad, welches bei den nachfolgenden Zeremonien ebenfalls seine Bestimmung hatte, und so gingen die drei langsam die Treppe hinunter zum Brautvater, während die Knechte die Laden und Packen ergriffen und sie in den Flur zu tragen begannen.
Inzwischen hatte der Hofschulze unten vor der tür gelegenheit gehabt, seine Fassung zu beweisen. Denn kaum war er draussen einige Minuten lang gewesen, als ein junger Bursche, der Hochzeitbitter, langsam durch den Eichenkamp gegen das Haus zu geschritten kam, dessen verlegene Miene mit seinem Putze und mit dem lustigen Busche von gewiss fünfzig farbigen Bändern am hut wenig übereinstimmte.
"Nun, was ist das?" fragte ihn der Hofschulze. "Was soll das traurige Gesicht? Passierte ein Unglück?"
"Ach", versetzte der junge Hochzeitbitter, "werdet mir nicht böse, Hofschulze. Hölscher will nicht kommen."
Der Alte liess vor Schreck seinen Hut fallen und seine Züge verwandelten sich. – "Wie?" rief er nach einigem Schweigen. "Hölscher will nicht kommen? Mein nächster Nachbar? Ei, das wäre ja dem ganzen Pläsier und Feste ein grosser Schimpf. Und warum will er nicht kommen? Du bist gewiss in deiner Rede steckengeblieben."
"Nein, das nicht", versetzte der Hochzeitbitter. "Ihr wisst, an Maulwerk fehlt mir's nimmer, und ich bringe auch alles immer heraus, gehörig geschrieen, wie es sein muss. Ich kann die Rede aufs Schnürchen, wie ich sie allerorten hersagte, und so auch bei Hölscher:
Ihr lieben, guten Hochzeitsleute,
kommt morgen auf den Hof, nicht heute;
Der Bräutigam und auch die Braut,
Die werden vom Herrn Pastor getraut,
Und wenn getraut ist, geht's zu Tisch,
Darauf wird sein viel Fleisch, kein fisch,
Es wird da sein auch ein Stück Wurst,
Ist gut für den Hunger und weckt den Durst.
Auch findet ihr einen oder mehrere Schinken,
Auf welche sich sehr gut lässt trinken,
Ein Mostertstück wird nicht vergessen,
Das sollt ihr dann mit Mostert essen,
In der Suppe sind Hühner, die nicht krähn,
Das Beste sind vier Puterhähn',
Die lagen fünfzig Jahr' an der Kett'
Davon sind sie geworden fett,
kommt ihr zum Oberhofe nicht,
So seid ihr alle schlechte Wicht' –"
Der junge Bursche würde noch lange in diesen Versen, die er laut schreiend mit eintönigem Fall der stimme vortrug, fortgefahren haben, wenn ihn nicht der Hofschulze ungeduldig unterbrochen und zu ihm gesagt hätte: "Ich brauche deinen Spruch nicht. Warum bleibt Hölscher aus?"
"Weil ich ihn statt gestern, erst heute früh eingeladen habe", erwiderte kleinlaut der Hochzeitbitter. "Sie hatten mir gestern überall so viel eingeschenkt, dass ich gegen Abend duselig geworden war und einschlief und Hölscher ganz verschlief, wo ich denn nun heute früh nachholen wollte, aber ..."
"Hölscher liess das nicht gelten und sagte, es schikke sich nicht, erst am Hochzeitmorgen gebeten zu werden, es gehöre sich spätestens den Tag zuvor, nicht wahr?" fiel der Hofschulze ein.
"Jawohl", antwortete der Bursche, "und er sagte auch, es heisse in dem Spruch:
kommt morgen auf den Hof, nicht heute–
wenn er aber morgen komme, so habe er das leere Nachsehen."
Der Hofschulze bohrte seinen Stock tief in die Erde. Das Blut war ihm dermassen in das Antlitz getreten, dass seine Stirnadern geschwollen starrten. Er sah den Hochzeitbitter mit einem furchtbaren Blicke an, vor dem dieser den Hut abnahm und drei Schritte zurücktrat. Dann sagte er: "Wenn ich mich nicht menagieren müsste, absonderlich heute, so kriegtest du diesen Stock hinter die Ohren, dass du das Aufstehen vergessen solltest. Hölscher kommt nicht, das weiss ich, ich kenne ihn darin, er ist einer, der sich nicht vernegligieren lässt. Und wenn ich selbst zu ihm ginge, was sich aber auch durchaus nicht schickt, er würde es abschlagen. Jedermann wird nun nach Hölscher fragen, das wird ein Kujonieren geben, ei! ei! ei! – Was für einen Schaden hast du mir an der Hochzeit gestiftet! Könnt ihr denn das verruchte Zechen nicht lassen? Denkt ihr immer, ohne das gediehet ihr nicht? Sieh mich an, ich werde zu Martini neunundsechzig und fasse alles noch stramm mit an, und doch soll der noch auftreten, der mir nachsagen kann, er habe mich anders wie gewöhnlich gesehen."
"Ihr