dachte's wohl", sagte der glückliche stolz. "Hochzeit macht alle satt, ist ein Sprichwort, es soll bei Euch auch zutreffen." – Er wollte gehen. Der Spielmann vertrat ihm den Weg. "Erlaubt", sagte er, "dass ich Euch noch einen Augenblick betrachte. Ihr seid trefflich gekleidet. Der Rock kostet seine Mandel Taler. Aber eine Sitte will mir nicht gefallen, die mit den neun Jacken. Wenn man herumgekommen ist in der Welt, wenn man dabei war,wie die alte Orange dazumal in Schoonhoven vermolestiert wurde6, und bei der Übergabe von Gorkum und hernach auch noch allerhand Dieses und Jenes in der Fremde gesehen hat, so lobt man nicht jegliches, was die Leute daheim tun. Neun Jacken, eine unter der andern – darin könnt Ihr Euch ja gar nicht rühren, und werdet müssen, besonders beim Essen, eine Hitze ausstehen, nicht zu ertragen."
"Für Pläsier wird dergleichen überhaupt nicht angezogen", antwortete der Hofschulze feierlich. "Sondern weil ich neun Jacken bezahlen kann, so trage ich neun Jacken, und weil es so hergebracht ist seit hundert und mehreren Jahren, und die gute Sitte es erfordert, und mein Vater und mein Grossvater immer neun Jacken trugen auf allen Hochzeiten und Kindelbieren. Wie viele sollte ich denn nach Eurem Rate anziehen, Kaspar?"
Der Patriotenkaspar dachte nach und sagte dann: "etwa sechs."
"Gut. Also die siebente, achte und neunte lege ich ab, wenn ich Eurer Meinung folge. Nun kommt aber einer, dem die sechste Jacke nicht gefällt, und ein anderer, dem die fünfte missbehagt, und wieder einer, dem die vierte anstössig ist. Dieses geht nun so fort. Es werden sich, wenn ich erst bis zur dritten Jacke herunterprozessiert bin, stets Leute finden, die mir diese, und Freunde, die mir die zweite widerraten. Kein vernünftiger Grund ist aber vorhanden, warum ich diesen Leuten abschlagen soll, was ich Euch gewährte. Jetzt trage ich also noch eine Jacke und meinen Rock darüber. Weil ich jedoch einmal in das Ausziehen gekommen bin, und weil mir in der Sommerwärme überhaupt alles und jegliches Zeug auf dem leib Beschwernis macht, ei, so bleibe ich vielmehr in der Übung, werfe erst den Rock ab und dann die letzte Jacke, und wofern die Hitze einigermassen stark ist, auch noch endlich das Hemde, gehe dann also splitterfaselnackt umher, wie ein gerupfter Sperling, was eine Schande ist und nicht gut lässt.
In allen Sachen muss man daran halten, wie sie eine Ordnung und ihren Bestand haben und des Herkommens sind. Wäret Ihr nicht zu den holländischen Patrioten und noch sonst allerwärts herumgelaufen, sondern hübsch im Kolonate sitzen geblieben, so wären Euch die dummen Dinge und Hoffärtigkeiten aus dem kopf geblieben. Weil Ihr aber die alte Orange draussen mit hattet vermolestieren helfen, so dachtet Ihr, Ihr dürftet uns hier auch Molesten machen, die Welt gehöre Euer und ausserdem noch etwas. Ihr erhobet Eure Augen zu meiner Tochter, was Ihr als Kolon nicht durftet, und daraus entsprang Sünde und Schande, Vergewaltigung, Mord und Totschlag. Ich musste an Euch Recht nehmen, Ihr seid bis zum Leierkasten heruntergekommen, und ich trage noch meine neun Jacken. Wer dazu die Macht und Gewalt hat, der soll sich auch die neunte nicht abdisputieren lassen, denn er weiss wohl, womit er anfängt, aber nicht, wo er aufhört, und dieses ist die Moral von der Sache."
Zweites Kapitel
Ein Topf läuft über und eine Braut wird geschmückt Der Hofschulze war nach seiner Rede langsam aus der kammer und die Treppe hinuntergegangen, gefolgt von dem Spielmann, der auf die Schlussfolgerungen des Alten nichts zu erwidern wusste und sich unten aus dem hof schlich. Im Flur überschaute der Hofschulze die getroffenen Anstalten; die Feuer, die Kessel, die Töpfe, die grünen Maien, die bebänderten und vergoldeten Hörner seines Rindviehs. Er schien mit allem zufrieden zu sein, denn er nickte mehrere Male wohlgefällig mit dem kopf. Er schritt durch den Flur hofwärts und dann nach der Seite des Eichenkamps, sah die dortigen Feuer lodern und gab gleiche Zeichen des Beifalls, jedoch immer mit einer gewissen Hoheit. Wenn der weisse Sand, womit der ganze Flur und der Platz vor dem haus dick bestreut war, unter seinen Füssen so recht lebhaft rauschte und knackte, schien ihm dies ein besonderes Vergnügen zu machen.
Jetzt war er von seinem beaufsichtigenden Gange in die Nähe des Herdes zurückgelangt. Ein Topf, welchen die Mägde zu tief in die Gluten geschoben, war im Überkochen begriffen und drohte, seinen Inhalt zu verschütten. Schon war ein teil des letzteren in das Feuer gewallt, welches sich zischend gegen diesen Feind wehrte. Von den Mägden und Knechten war eben zufällig niemand im Flur, da sie im Baumgarten sich mit der Tafel beschäftigten. Der Hofschulze hätte nun allerdings dem Fortschritte des Unheils durch Abrücken mit eigener Hand Einhalt tun können, aber er war weit entfernt, so die Haltung des Brautvaters, welche ihm verbot, irgend etwas an diesem Tage selbst anzufassen, zu verlieren. Vielmehr stand er ruhig neben dem überkochenden Topfe, ruhig wie jener spanische König, welcher die glühende Kohle lieber seinen Fuss versengen liess, als dass er sie etikettewidrig selbst weggenommen hätte. Er begnügte sich damit: "Gitta!" zu rufen, auch nicht hastig und leidenschaftlich, sondern langsam und ruhig. Es dauerte daher einige Zeit