, ist aber nicht über meine Lippen gekommen. Ich hielt's auch meistenteils für eine Schnurr', darin der Magister von jeher stark war. Weiss auch noch nit, ob etwas Wahres daran ist.
Nun aber höret und vernehmet, Ihr Herrn. Der Magister hat mir auch erzählt, dass er diese verborgene Sache zu Papier gebracht, und das verschlossene Papier sein Testament benamset habe. Bisher wusste ich nun dessen Aufbewahrungsort nicht. Vor kurzen jedoch ist mir offenbart worden, dass es im hiesigen Polizeiarchive und zwar in dem Gefach S unter verschiedenen nicht mehr brauchbaren und staubigen Papieren hinterlegt worden sei, und dorten allerdings noch beruhe.
Nun aber Ihr Herren tut mit meiner Entdeckung und in betreff des bisher unbekannt gebliebenen Testamentes, was Euch gut dünkt. Mich lasst mit mir allein und schickt mir, wenn ich bitten darf, geistlichen Beistand."
Die Magd musste sie zurücklegen, und ihre Brust begann zu röcheln. Wir verliessen das Zimmer und sandten nach dem Geistlichen. Keiner von uns legte sich nieder. Gegen Mitternacht kam die Magd und sagte, dass sie verschieden sei. Kurz vor ihrem Ende habe sie geäussert: "Es steht kein Engel bei mir, aber ich bin dennoch getrost. Das Unheil ist ohne meinen Willen über mich gekommen; es wird mir vergeben werden."
"Also wieder eine, die in die Stricke des Zerebralsystems zurückfiel!" rief Eschenmichel. "Dieser Umstand, meine Herren, bleibt vorderhand unter uns."
Alle unsere Gedanken wendeten sich mit Macht gegen das Testament des Magisters Schnotterbaum. Nach kurzer Verfinsterung durch den dunkeln Körper der Polizei schien die Sonne der höheren Welt nur um so sieghafter leuchten zu sollen. Denn Eschenmichel schrieb auf der Stelle an den Beamten, teilte ihm die Entdeckung mit, und bat ihn um die Erlaubnis für die Etablissementsgenossen, an dem bezeichneten Orte nach dem Testamente suchen zu dürfen. "An dem rand des Grabes", so schloss der Brief, "in dem Augenblicke, wo der scheinbare Tag weicht und die heiligen Finsternisse ihre Lichter anzünden, trat die Welt der Geister wieder in ihre unzerstörlichen, urewigen Rechte ein. Aus ihr erscholl die stimme, welche einen Moment lang zum Schweigen gebracht worden war, um den Glauben am Zweifel zu prüfen. Hat sie Wahrheit gesprochen, so müssen alle Staubwirbel, welche die Geschäftigkeit des modernen Unglaubens aufwühlt, sich zerstreuen und verschwinden."
"eigentlich ist's nicht ganz richtig", sagte Kernbeisser, als er den Brief überlesen hatte. "Denn der Magister hatte ihr bei Lebzeiten vom Testament gesagt, soweit ich die gute Schnotterbaum verstanden habe." – "Schweig!" rief Eschenmichel, und siegelte den Brief.
Zwischen der Leiche im haus und dem verhängnisschwangern Polizeiarchiv eingeklemmt verbrachten wir den Rest der Nacht in einer wild-unruhigen, verworrenen Stimmung. Wir wollten dieses sagen, und unsere Lippen sprachen jenes. Wir wollten jubelnde und triumphierende Reden über den Sieg der Taumaturgie halten, und ehe wir uns dessen versahen, schlugen sie in Klagelieder um. Wir wollten lachen und mussten heisse, schmerzhafte Tränen von den Wangen wischen. Ein Geist, vielleicht mächtiger, als alle bisherigen Poltergeister in und um Weinsberg ging durch das Etablissement.
Frühmorgens sandte Eschenmichel seinen Brief an den Beamten. Sehr bald kam eine Antwort von diesem, worin er auf die allerverbindlichste Weise seine Freude über die hergestelte Tätigkeit der Wunder ausdruckte und meldete, dass er, um allen Unterschleif zu vermeiden, sofort das Polizeiarchiv habe unter Siegel legen lassen. Er bestimmte die Stunde der Nachsuchung und schloss damit, dass er, um dem ganzen Einhergange die grösstmögliche Offenkundigkeit und feierlichste Würde zu geben, mehrere Honoratioren des Städtchens und einige Fremde von Auszeichnung dazu einladen lassen werde.
Eschenmichel mühte seinen Geist in Vermutungen ab, was das mystische Testament entalten werde. "Vielleicht die Entdeckung, wo er die Kleider des erschlagenen Knechts gelassen", sagte er unter anderem. – "Du vergissest", erwiderte Kernbeisser, "dass es ja nicht der Grobschmidt, sondern der Magister geschrieben hat." – "Mir ist hoch zumut!" rief Eschenmichel. – "Mir angst", sagte Kernbeisser.
Dürr schlief noch immer. Ich packte im stillen meinen Koffer. Warum? weiss ich nicht. Mir war, als müsse ich packen. Gewiss auch noch ein dämonischer Einfluss zu guter Letzt.
XII.
Das Testament des Magisters Schnotterbaum
Als die Stunde gekommen war, gingen wir nach dem rataus. Vor demselben hatte sich eine grosse Menge volkes versammelt, welches sich ehrerbietigst verneigte und uns Platz machte, als wir uns näherten. Auf dem Vorsaale erwartete uns der Beamte, welcher zur Feier des Tages sich in seine Staatsuniform geworfen hatte, mit mehreren Honoratioren, unter denen ich den Spezereihändler bemerkte. Von ausgezeichneten Fremden sah ich freilich niemand als den Ehinger Spitzenkrämer. Es mochten wohl an fünfzig Menschen aller Art oben versammelt sein, in deren Gesichtern Neugier, Befremden, Spannung sich auf die mannigfaltigste Weise kundgaben. So weit wie heute hatte sich die Taumaturgie noch nicht in die Kreise des profanen Lebens gewagt; schon das musste alle Erwartungen entfesseln, dazu aber kam noch der Tod der Jungfer Schnotterbaum. Dieser setzte selbst die Leidenschaften in Bewegung.
Der Beamte empfing die beiden Geschäftsträger der höheren Welt mit einer Artigkeit, die fast an Demut grenzte, und sagte zu einem seiner Dienenden leise: "Achten Sie auf Dürr." – "Irgendeine Auszeichnung, wahrscheinlich das Ehrenbürgerrecht der Stadt, wird wohl die Folge der