für Seitenstiche, die ich verspür', sie sind mein Letztes"; weiter aber nichts. Der Dämon kam nicht. Der Schneider, auf dem der Beamte sein Auge still und höflich ruhen liess, griff sich noch stärker an, warf die grässlichsten Blikke, deren er mächtig werden konnte, umher, und gebärdete sich wie ein schaumbedeckter Schamane. Aber die Schnotterbaum blieb ruhig liegen und kein Dämon erschien. Plötzlich schnappte der Magische in einer ungeheuren Formel, die er unvollendet liess, kurz ab, rief, den Beamten zornig anblickend: "Wenn ich immer beguckt werde, dann weichen die beiden Geister der Stärk', welche mir helfen!" und rannte aus der stube.
Der Beamte sprach jetzt noch höflicher als zuvor: "O meine Herren, ich sehe wohl, dass Sie mich für meine Zudringlichkeit bestrafen wollen. Dürfte ich nichtsdestoweniger Sie Herr Doktor Eschenmichel wohl ersuchen, mir gefälligst den Dämon vorzustellen, der hier so oft seine Aufwartung gemacht hat?" – Eschenmichel zog die Achseln in die Höhe, ging gleichwohl zur Schnotterbaum und sprach mit dem Dämon auf kabbalistisch und swedenborgisch. Aber die Schnotterbaum blieb ruhig liegen und der Dämon kam nicht. Eschenmichel folgte darauf dem Schneider, indem er sagte, dass Geschäfte ihn abriefen. "Ich bin untröstlich", sagte der Beamte, "dass ich diese Störungen in Ihren Geschäftsbetrieb bringe. Wäre es nicht zu vermessen, so würde ich mich gleichwohl ermüssiget sehen, auch Sie Herr Doktor Kernbeisser zu bitten –"
"Doch nicht, dass ich den Dämon herbeischaffe?" rief Kernbeisser, der durch alle Verlegenheit hindurch ein Lächeln hatte blicken lassen. Sein Humor verliess ihn auch in dieser drangvollen Lage nicht. Er fuhr fort: "Der muss nunmehr in contumaciam zum tod verurteilt werden. Aber", sprach er weinend (denn die Übergänge von lachen zu Tränen waren bei ihm unglaublich rasch); "das liebe Englein wird kommen, der zarte Bub', er tut mir schon den Gefallen, er lässt seinen alten Kernbeisser nicht im Stich."
Er setzte sich zum Bette, nahm die Hand der Kranken in die seinige und sang mit sanfter stimme:
Ich weiss, dass du vorhanden
Im ew'gegen Lichte webest,
Weiss auch, dass du zu Banden
Des Ird'schen niederschwebest!
Ich müsste ganz zerbrechen,
Zerbräche mir mein Schauen!
So hart könnt ihr nicht rächen
Ein gläubiges Vertrauen.
Es blieb aber alles still in der Schnotterbaum. Nach einer Pause sagte sie, nämlich die irdische person Schnotterbaum: "Gebt Euch keine Mühe, lieber Herr, auch er kommt heute nicht."
Kernbeisser stand auf und sah sehr verwirrt aus. "Vielleicht ein anderes Mal, Herr Doktor, wird es besser gelingen", sagte der Beamte in der mildesten, tröstendsten Art. "Lassen Sie sich darüber keine grauen Haare wachsen. Aber Ihr Herr Kollege wird nach Ihnen verlangen." – Kernbeisser ging.
"Sollten Sie vielleicht ein Mittel besitzen, Herr von Münchhausen?" fragte mich jener humane Offiziant. – "Nein, mein Herr", erwiderte ich, "ich bin hier nur Lehrling und Handlanger." – "Nun dann ..." Es war deutlich, er wollte mit der Schnotterbaum allein sein. Ich fügte mich seinem Winke.
Der Beamte blieb über eine Stunde bei der Kranken. Ich kam, weil ich nicht annehmen konnte, dass er noch bei ihr sei, und weil ich mich nach ihrem Befinden erkundigen wollte, unversehens zu der Unterredung, von welcher ich noch die letzten Worte hörte. Die Schnotterbaum fragte den Beamten:
"Ist es auch keine Sünde?" und er erwiderte: "Nein, gewiss nicht; Sie tun vielmehr ein gutes Werk damit."
"Herr von Münchhausen" (mit diesen Worten wandte er sich an mich) "Sie sind hier Zeuge einer merkwürdigen Tatsache auf dem Gebiete der höheren Welt geworden." – "Jawohl", versetzte ich, "es ist die Tatsache:
'In Gegenwart der Polizei erscheint weder Dämon
noch Engel.'
Ich werde nicht ermangeln, dem Herrn Doktor Eschenmichel sie bemerkbar zu machen." Wirklich schrieb Eschenmichel, als ich davon zu ihm redete, sie in seinem Diario nieder. Er hatte schon wieder Mut gefasst.
XI.
Bekenntnisse einer Sterbenden
Kernbeisser war zerbrochen und vernichtet. Dürr schlief. Ich war stark im Glauben und hoffte auf den nächstkünftigen Mittwoch.
Aber die Entscheidung sollte noch rascher heranrücken. Gegen zehn Uhr abends liess uns die Schnotterbaum rufen. Wir fanden sie völlig entkräftet und kaum noch fähig zu reden. Die Magd wurde herbeigeholt, unterstützte sie mit ihren Armen, und so halb emporgerichtet, gab sie uns, oft unterbrochen von ihrer Schwäche, folgendes zu vernehmen:
"Ihr Herren, es geht mit mir zu Ende. Die Geistersachen haben mich zu sehr mitgenommen. Vielleicht hätt' einige irdische Arznei meinen schwachen und gebrechlichen Leib länger hingehalten; indessen sei es fern' von mir, an den Pforten der Ewigkeit jemand anzuklagen.
Ich werde' den nächstkünftigen Mittwoch schwerlich erleben. Ob der Grobschmidt oder der Magister, mein seliger Herr Vater, in mir gesessen, ich weiss es nit, nehm' auch keinen Anteil mehr daran. Ich muss ohne sie oder einen von beiden vor Gott. Der Magister hat mir etwas anvertraut, worüber er auf einer seiner Wanderungen Licht erhalten, und welches derart ist, dass kein Mensch sich dergleichen denken kann. Es hat mich überaus sehr gequält