sie zuweilen wie unwillkürlich sagen: "Was der Dämon verschwieg, der Engel bringt's an Tag."
Wer aber am dritten Tage abends sieben Uhr ausblieb, war der Engel. Dämon kam, wie gewöhnlich, folgsam aus der Magengegend heraufgestiegen, wusste auf Befragen nicht das mindeste über den Ausgebliebenen zu vermelden, hielt sich etwas kurz und fast spöttisch in seinen Antworten und äusserte, da sehe man, dass auf solche Leute kein Verlass sei. – Der Magische ergoss hierauf einen Regen von Fluch-, Beschwörungs- und Schimpfworten über den Nichterscheinenden, in der Meinung, ihn dadurch herbeizuzwingen. Es war aber alles vergebens. Bis nach Mitternacht wurde jegliche taumaturgische Kunst fruchtlos angewendet; der nichtsnutzige Dämon lachte und schrie unaufhörlich: "Ich bleib' unerlöst! Ich bleib' unerlöst! Juchheirassasa! Juchheirassasa!" – Endlich wurde die Schnotterbaum von diesen Dingen schwach und drohte, für tot liegenzubleiben. Da fing Kernbeisser des Magischen aufgehobenen Arm, welcher schon wieder eine Himmelszwangsgebärde ausführen wollte und rief: "Du bist zu heftig, du ausserordentlicher Mensch; deine Gaben und Kräfte sind für die verworfenen Geister eingerichtet, aber diese süssen, seligen, rosigen Flügelknaben wollen mit Zarteit behandelt sein. Deshalb ist mein Vorschlag: Du behältst den Dämon, und überlässest mir und meinem Bruder Eschenmichel, der mich mit seinen Kenntnissen unterstützen wird, den Engel."
Diese Geschäftseinteilung fand den Beifall des Magischen und wurde auch sogleich ausgeführt. Kernbeisser setzte sich vor die Besessene hin und sang mit sanfter stimme:
Du lichtes, leichtes Wesen,
Wo säuseln deine Schwingen?
Wir dürsten, zu genesen
An deines Fluges Ringen.
Bist du denn nicht ein Träumen
Aus unsern ersten Tagen?
Wie lange willst du säumen,
Von ihnen uns zu sagen?
Von unsern Kinderreden,
Und kindlichem Gelüste?
Du führtest uns durch Eden,
Führ' uns auch durch die Wüste!
Darin nur eine Quelle
Den Schmachtenden erquicket:
Die fromme, heil'ge Welle,
Die unter Wimpern blicket!
Die Kranke schluchzte, und der Engel war sogleich da. Er entschuldigte sein spätes erscheinen und sagte, sein allzugrosser Eifer trage Schuld. Er sei nämlich, wie eine in unaufhaltsamem Fluge begriffene Kugel über das Ziel, den himmlischen Raum, hinausgeschossen immer weiter und weiter in das sogenannte grosse Nichts, habe freilich, sobald er des Irrtums innegeworden sei, kehrt gemacht, indessen doch durch seinen übermässigen Schuss Zeit und Weg verloren. Was die Erlösung betreffe, so werde diese am dreizehnten Dezember Schlag acht Uhr erfolgen. – Engel empfahl sich darauf. Dämon lachte und sagte: "Wenn ich am dreizehnten Dezember erlöset werde, so will ich Hans heissen. Ich habe noch etwas auf dem Herzen und ehe das nicht herunter ist, kein Gedanke an Erlösung."
"Was hast du auf dem Herzen?" fragte Kernbeisser. "Herr, fraget nicht danach", antwortete der Dämon, "es ist ein verfängliches Ding, keinem nütz, zweien zu grossem Schaden!" Eschenmichel wurde verlegen und bat Kernbeissern, von weiterem Eindringen abzustehen, man müsse auch gegen Dämonen diskret sein. "Nein", sagte Kernbeisser, "wenn er etwas auf dem Herzen hat, da wird nicht eher Ruhe, als bis es herunter ist".
Ach, der Dämon hatte wohl recht gehabt! Am dreizehnten Dezember abends acht Uhr keine Erlösung! Er kam bis auf die Lippen, da fiel ihm auf einmal wieder ein blasphemischer Gedanke ein, und alsobald rutschte er auch wieder hinunter, so dass ein jeder von uns das Geräusch hörte. Es war, wie wenn ein Sack auf den Fussboden fiel. Der magische Schneider rief: "Sein guter Engel muss es doch aber wissen, muss auch den blasphemischen Gedanken vorhersehen, wie darf er denn die leute' so anführen?" Der Engel, durch Kernbeissers sanften Gesang berufen, kam, bat um Vergebung, er müsse sich im Datum geirrt haben, es sei droben gar zu viel zu tun, und er setzte nun den Termin für die Erlösung auf den fünften Januar, dann, als auch dieser fruchtlos verstrich, auf den dritten Februar, und so, bei immer wiederkehrenden Fehlschlagungen der Erlösung nacheinander auf sechs verschiedene Tage in den Monaten März, April, Mai.
Der Dämon blieb fest in der Schnotterbaum sitzen, die nun schon Anfälle von Bewusstlosigkeiten hatte. "Ja, was ist das?" sagte Eschenmichel, "wir müssen denn doch den Engel darüber ernstaft zur Rede stellen." – "Wie kannstu uns so oft täuschen?" fragte Kernbeisser sanft und freundlich den Engel. – Dieser erwiderte mit holder, süsser stimme aus der Schnotterbaum auf englisch, d.h. in der Engelssprache nichts weiter als:
"Pöpöbelö".
Es war das erstemal, dass er sich dieses Idioms bediente; vorher hatte er immer Deutsch mit uns gesprochen. Kernbeisser und Eschenmichel mühten sich vergebens um den Sinn jenes Wortes ab. Da überkam mich plötzlich die Inspiration und ich verdeutschte ihnen "Pöpöbelö" folgendermassen: "Meine Herren, ich kann fürwahr nicht dafür, dass so viel Irrtum in dieser geschichte vorgeht. Die Erlösung eines Dämons hängt von tausend Zufälligkeiten ab, die sich nicht berechnen lassen. Seit Sie das Zwischenreich so sehr in Erregung gebracht haben, und allerorten und -enden die höhere Welt in die niedere hereinragt, kann man sich auf nichts mehr verlassen, und alle Naturgesetze sind durchlöchert. Die ganze Atmosphäre ist voll von Wirkungen in die Ferne und Blicken in die Weite