kurieren lassen? die person verfällt sichtlich." – "Nein", rief Eschenmichel, "auf den Dämon kommt es an, nicht auf die Schnotterbaum!"
Am folgenden Tage, den ersten November spuckte der magische Schneider in seine hände, wie er zu tun pflegte, wenn er Schwieriges vorhatte, und nachdem er durch kräftige Formeln den Dämon von der Magengegend in den Hals hinaufgebracht, redete er ihm ins Gewissen, sagte ihm, er solle sich schämen, ob ihm nicht das lausige, lumpichte Zwischenreich zum Verdruss sei? schilderte ihm die himmlischen Freuden, malte diese mit Pastoralklugheit etwas doppelfarbig, so dass sie den Grobschmidt wie den Magister anziehen konnten, sagte unter anderem, da droben bleibe das Eisen immer warm, was geschmiedet werden solle, und für jede lateinische Stunde gebe es drei Kreuzer mehr, als auf Erden, sprach endlich geradezu davon, dass hier nicht gefackelt werden dürfe, sondern der Dämon sich erlösen lassen müsse.
Auf diese Busspredigt war Dämon anfangs sehr grob. Sagte, wir sollten uns alle packen, wir besässen nicht soviel Verstand im ganzen leib, wie er im kleinen Finger. Was uns sein Heil angehe? Er sei mit dem Quartier in der Schnotterbaum zufrieden. "Glaubt ihr auch in den Himmel zu kommen?" fragte er. – "Ja", riefen wir einhellig. – "Nun, dann ist das schon ein hinreichender Grund für mich, haussen zu bleiben", versetzte er. "Denn solche Tröpfe, wie ihr seid, würden mir die ewige Seligkeit verleiden. Bekümmert euch um eure Siebensachen, lasst mich ungeschoren, ich will platterdings nicht erlöst sein."
Er fügte noch allerhand Spöttereien hinzu, die ich nicht nachschreiben mag. Aber sie waren wirklich, cerebraliter genommen, das Gescheiteste, was hier seit Monaten sich laut gemacht hatte. Eschenmichel, Kernbeisser und ich konnten dagegen nichts aufbringen, hüllten uns folglich schweigend in unser höheres Bewusstsein. Aber der Schneider war der Mann nicht, sich von einem tückischen geist einschüchtern zu lassen. Zeigte sich der Dämon grob, so wurde der Schneider gröber, auf ein Schimpfwort hatte dieser zehn stärkere, und mit Gründen, die der Dämon hinterlistigerweise brauchen wollte, liess er sich gar nicht ein; er sagte nur, wenn solche Sophismen sich in die Unterredung einschleichen wollten, mit donnerndem Ton: "Halt's Maul!"
Nachdem Schneider und Dämon einander wohl eine Stunde lang wie die Rohrsperlinge ausgeschimpft hatten, wurde der Dämon wirklich kleinlaut und brummte: "Der Vernünftigste gibt nach. Mit solchem verwetterten Bügeleisen ist ja gar nicht auszukommen. Gut, ich will mich erlösen lassen, aber wie soll ich's anfangen? Ich hab' ja keine Händ' und Füss', etwas Gutes zu schaffen." – "Du dummer Dämon!" rief der Magische, "was braucht's da Händ' und Füss'? Du wirst erlöst, damit gut." – "Nur nicht immer so ungeschliffen!" erwiderte der Dämon. "Ihr könnt doch mit Geistern manierlich umgehen, besonders wenn man in einer Frauensperson sitzt."
"Siehstu deinen guten Engel neben dir stehen?" fuhr ihn der Schneider an, da ein Lichtstrahl durch das dunkle Zimmer schoss. nachher hörten wir, der Knecht sei zur nämlichen Zeit unten mit der Stallaterne über den Hof gegangen. Wie wunderbar, dass der himmlische Bote gerade diesen natürlichen Vorfall wählte, seine Erscheinung eindringlicher zu machen! – "Ich sehe' alles, was ihr seht; ihr habt mich schon fast ebenso verstutzt und verdutzt gemacht, wie die Schnotterbaum", antwortete der Dämon auf die Frage des Schneiders.
Letzterer fragte den Dämon, wie der Engel aussehe? und erhielt zum Bescheide: "So, wie ein Engel sich trägt; ein Habit, weiss, von Nessel, blaue Flügel mit Gold verbrämt." – Dämon gab diese und mehrere dergleichen Nachrichten mit murrender, unwilliger stimme; offenbar belästigte ihn der himmlische Geschäftsträger. Im Verlaufe der desfalls gepflogenen Unterredungen sagte er einmal: "'s ist doch grausam, dass ich nun noch gar einen Engel auf den Pelz krieg', da ich nimmer an Engel geglaubt habe!" – Hier aber brachte ihm Kernbeisser, der sich sonst in der ganzen Sache als handelnde person zweiten Ranges darstellte, einen Kernschuss bei. Er warf ihm nämlich rasch ein, dass Dämon seiner denkart zufolge ja auch nicht an ein Leben nach dem tod geglaubt haben könne, und nun stecke er doch selbst mit Haut und Haar mitten drin. – Dieser Grund traf den Dämon, machte ihn zahm, und von jetzt an liess er den Engel über sich ergehen.
Letzterer wurde nun beauftragt, sich gehörigen Orts zu erkundigen, wann die Erlösung des GrobschmidtMagisters zu gewärtigen stehe? Er versprach, gleich dieserhalb abzureisen, und, da die Wege noch so ziemlich seien, nach dreien Tagen abends sieben Uhr wieder einzutreffen mit hoffentlich günstiger Resolution.
Die drei Tage gingen in stiller Erwartung hin. Der Engel bildete, das begriff jeder, eine neue Katastrophe in diesem Wunderdrama. Eschenmichel schlug alles nach, was er in der Kabbala, bei den Gnostikern und bei Emanuel von Swedenborg über Engel finden konnte, Kernbeisser sah mit tränenden Blicken in die Wolken und dichtete schöne Lieder, in deren einem er den seelenvollen Ausdruck eines Kalbsauges pries. Die Schnotterbaum, welche kaum noch vom Lager aufzustehen vermochte, zupfte still an der Bettdecke, schaute seltsam vor sich hin, und ich hörte