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Bündelchen Wäsche zusammen und gab ihrem Hänfling Futter auf acht Tage. Dann legte sie ihre Nähsachen in sauber gefaltete Pakete, reichte diese einem Jungen und hiess ihm, sie den Leuten zurückzubringen, mit der Bestellung, sie könne nicht mehr arbeiten, denn sie habe einen Dämon im leib.

Während dieser kleinen Beschäftigungen kamen Kernbeisser und Eschenmichel, denen schon etwas angesagt worden war. Dürr, welcher, als die beiden Doktoren eintraten, mitten in der stube stand, sagte gross und ruhig, wie Falstaff, als er den Percy bringt: "Da habt ihr den Dämon!"

Wir führten die Schnotterbaum im Triumph nach dem Etablissement und gaben ihr ein kleines Familienfest aus dem Stegereif. Dürr ging oder taumelte vielmehr bald nach seinem Stalle, worin er ein für allemal seine wohnung aufgeschlagen hatte, der ausserordentliche Mensch. Kernbeisser liess zur Ehre der Magie den Stall mit bunten Lampen erleuchten.

Sehr glücklich sanken wir alle auf unser Lager. Wir glaubten über alle Berge zu sein. Eschenmichel stand nur in Zweifel, ob er den Dämon katolisch oder evangelisch machen solle. Die Schnotterbaum lag die Nacht durch in wütenden Krämpfen, was uns weiter nichts anging, denn wir hatten es nicht mit ihr, sondern mit ihrem Mietsmanne.

Die folgenden Tage und Wochen waren freilich stürmisch, und wir sahen, dass wir noch nicht einmal die Vorhügel des berges, geschweige den Berg erstiegen hatten. Der magische Schneider blieb dabei, dass der Grobschmidt aus der Teufelsschmiede in die Schnotterbaum gefahren sei, und kämpfte wie ein Held für diese Wahrheit, die er, sooft er nüchtern war, dem Dämon unter fürchterlichen Bedräuungen in das Antlitz sagte, oder vielmehr in den Mund der Besessenen hinein. Dagegen versicherte der Dämon, er sei kein Grobschmidt, sondern ein Magister, habe keinen Knecht mit dem Hammer erschlagen, sondern nur über dies und das frei gedacht.

Es war wohl das erstemal, dass das Zwischenreich so mit sich selbst in Konflikt geriet. Denn einer von beiden konnte doch nur recht haben, der Seher Dürr, oder der Dämon. Die Schnotterbaum verhielt sich dabei leidend. Sie pflegte zu sagen: "Ich bin dermassen herunter, dass mir's gleich ist, wen ich in mir trage, den Grobschmidt oder den Magister, meinen Vater. Ist's der letztere, dann haben sich die Herren eine Rute gebunden, als sie mich ins Haus nahmen, denn der Magister wird eine Bosheit auslaufen lassen, von welcher ihnen nichts träumet."

VIII.

Der Geist eines Grobschmidts mit den Erinnerungen

eines Magisters

Endlich nach unablässiger Bedräuung, vielem und oftmaligem Anschreien, Beschwören in dem Idiome der inneren oder Ursprache, schrecklichem Gebärden und Einwirken durch Augenrollen brachte es der magische Schneider dahin, dass der Dämon in sich schlug und anfing der Wahrheit, wenn auch noch nicht Gotte die Ehre zu geben.

Eschenmichel hatte dazu durch fleissige Vorhaltungen in seiner logisch-scharfen Manier wacker mitgeholfen. So zum Beispiel sagte er eines Tages zum Dämon: "Wenn wir sehen, dass du ein Grobschmidt bist, so kannst du doch kein Magister sein, begreifst du das nicht, Verworfener?" – Dämon wurde dazumal ganz still und schämte sich vermutlich seiner Dummheit.

Am vierzehnten September abends sieben Uhr erfolgte die erste offene beichte. Das Leibliche der Jungfer Schnotterbaum lag damals, von den unaufhörlichen Krämpfen und Anspannungen bestürmt, fast im Zustande der Auflösung. Der Dämon aber sprach aus ihr, zwar mit schwacher jedoch mit vernehmlicher stimme, ja, er wolle es nur gestehen, er sei der Grobschmidt Bumpfinger aus der Teufelsschmiede und nicht der Magister Schnotterbaum, von Hall bürtig. Gestand hierauf auch alles ein, was wir bereits von ihm wussten.

Die folgenden Tage wurden nun verwendet, den Dämon in seiner wahren Gestalt recht fest werden zu lassen. "Denn", sagte Dürr, "schlägt er wieder in den Magister zurück, so geht die Arbeit von vorn an." Er musste deshalb wohl zwanzigmal seine Grobschmidtsgeschichte vom ermordeten Knecht wiederholen, dergestalt, dass die Schnotterbaum von diesen Anstrengungen ungeduldig wurde und einstmals ausrief: "Liebe Herren, lasst es nun gut sein, er hat es ja schon so oft dargelegt, und im übrigen wird er doch nicht mehr sagen, als ihm mein Vater eingibt."

Diese Rede klang dunkel, wir sollten aber bald die Aufklärung empfangen. Denn nächsten Tages wurde auf Eschenmichels Antreiben ein scharfes Verhör mit dem Dämon erhoben, dessen Zweck dahin ging, allerhand nähere Auskünfte über höllische Dinge und über Eigentümlichkeiten des Zwischenreichs zu erlangen. Ich will die Hauptfragen und die darauf gegebenen Antworten hieher verzeichnen. ESCHENMICHEL: Wie bist du in das Zwischenreich gelangt? DÄMON: Wie man vom Fleck kommt. Guckt' erst ein wenig in die Höll', konnten mich aber da nicht brauchen, weil ich nicht an sie glaubt', die Höll' überhaupt dummes Zeug ist. ESCHENMICHEL: Dummes Zeug? DÄMON: Ja, dummes Zeug. MAGISCHER SCHNEIDER: Wie sieht die Höll' aus? DÄMON: Sie sieht gar nicht aus. MAGISCHER SCHNEIDER: Gar nicht aus? DÄMON: Nein, gar nicht aus.

Hier machte das Verhör eine Pause. Wir sahen

einander voll Erstaunen an. Kernbeisser rief: "All

mein Lebtage macht ihr diesen Dämon nicht zu

einem regelmässigen und aufrichtigen Grobschmidt! Kein Grobschmidt wird sagen, die Hölle sei dummes

Zeug und sehe gar nicht aus. Für solche Zweifel

hantiert er selbst zuviel im Feuer." – "Nur still",

sagte Eschenmichel, "