Ihr Vater", sagte er, "war ein Magister, der noch seine fuchsrote Perücke trug, sie ist, dass ich es Ihnen nur entdecke, ein Jungfernkind; der Alte hatte sich mit der Aufwärterin eingelassen, da er Präzeptor im Stift war. Ein verwetterter, leichtfertiger Kamerad, der seine Schraubereien über alles hatte und selbst Gotteswort nicht verschonte, weshalb ihn die Leute für einen Ateisten hielten und ihn mieden. Er wurde auch seiner Präzeptorschaft entsetzt wegen des Ärgernisses mit der Aufwärterin und wegen der gottlosen Reden. Nach dem strich er viel umher, hatte die Nas' hier und andererorten in jedem Kohl und suchte sich von seinen Schreibereien kümmerlich zu ernähren. An der Anna Katarina hat er aber doch rechtschaffen gehandelt, er nahm sie auf seine alten Tage zu sich, dass sie ihm wasche und koche. Da sie aber von Jugend auf sehr fromm gewesen, so mögen ihr die lästerlichen Reden, die der Alt' auch noch in seinen letzten Jahren nicht lassen konnte, eine grosse Trübsal erschaffen haben, und dazu kommt, dass er einige Zeit vor seinem Ende in eine grosse Unruhe verfallen ist, wie diese sich immer bei den bösen Christen zu begeben pflegt, wenn der Tod anfängt, die Sens' zu schleifen. Er ist ohne Nachtmahl verstorben. Das alles hat sich die Anna Katarina, seine Tochter, zu Gemüt geführt, und meinte sie gleich nach seinem Abscheiden, er könne nicht selig geworden sein. Überdies hat er sie mit einem Geheimnis belastet, und das ist's, worauf die Schnotterbaum zielt. Was es ist, weiss niemand aus ihr herauszuholen, sie sagt nur, es sei derart, dass kein Mensch sich dessen versehe, und ganz Schwabenland erstaunen werde, wenn es an den Tag komme. Ihr Vater habe den einen teil seiner Entdekkung auf einer seiner Streifereien, den andern aber hier zu Weinsperg im Kernbeisserschen Etablissement gemacht. Das Geheimnis sei auch von ihm niedergeschrieben worden in einer versiegelten Schrift, die er sein Testament genannt, und die hinterlegt worden, wo? will sie oder kann sie nicht sagen. Gegen uns war sie überhaupt in der letzteren Zeit schweigsam geworden, vermutlich weil sie die vielen fragen ängstigen."
Hier wurden unsere Unterredungen von einem dritten mann unterbrochen, der vom Tore herkam und uns eifrig zurief: "Wisst's was Neues? Wisst's was Neues? Ja, wann die Ehinger nicht wären, ihr erführt euer Lebtage hier nichts Neues. Der Dürr ist droben in der Teufelsschmied' und hämmert, als sollten heute noch zwölf Paar Hufeisen fertig werden. Und dazwischen fährt er grimmig auf den Geist ein, den er auf dem Ambosse hat." – "Was ist das, und was bedeutet die Teufelsschmiede?" fragte ich. – "Eine alte verfallene Schmiedewerkstatt", versetzte der Nachbar, "die schon seit hundert Jahren wüst lag, weil niemand drin arbeiten mochte. Sie sagen, diese Werkstatt habe einem Grobschmidt zugehört, der in Untaten hingefahren sei. Der letzte, welcher sich an die gespräche nicht kehren wollte und das Gemäuer bezog, soll einen solchen Schrecken darin bekommen haben, dass er selbst sein Schmiedewerkzeug im Stich und darin liess."
"Nun, dem Himmel sei Dank", rief ich, "jetzt wird der Magische wohl Rat geschafft haben! Wollt ihr mich, meine Freunde, hinauf in die Teufelsschmiede begleiten?" – Der Ehinger schützte Verhinderung in Spitzengeschäften vor, der Nachbar aber erklärte sich zum Mitgehen bereit. So machten wir uns auf die Wanderung. Unterweges schlossen sich, als sie hörten, wovon die Rede war, noch sechs bis sieben Strassenjungen uns an.
Wir stiegen bergauf, kamen, nachdem die Rebhügel in unserem rücken lagen, in eine wilde, einsame Gegend, wo sich nach einem beschwerlichen Klimmen über Fels und Steingeröll ein Trupp ärmlicher Hütten zeigte, der ein Dorf hiess. Etwas abseitig wies mir mein Begleiter einen Kamp von Schwarztannen und sagte, darunter liege die Teufelsschmiede. Unter den Bäumen war es sehr finster, ein dunkler Tümpel stehenden Wassers, der in der Mitte des Platzes zwischen hochaufgewehten Haufen gelber Tannennadeln stockte, spiegelte nichts zurück, hinter demselben sah ich die vier Brandmauern eines Gebäudes ragen, aus welchen der Hals des Schlotes wie ein Zeigefinger emporwies; denn das Dach war eingestürzt. In diesen Trümmern hörten wir heftige Schläge auf den Amboss.
Wir traten hinein und sahen den Magischen in voller Arbeit. Er hatte den Rock abgeworfen, die Hemdärmel zurückgestreift und schlug mit einem rostigen Hammer unaufhörlich auf den Amboss. Sein Gesicht war von Russ, der sich hier herum noch stellenweise an den Wänden erhalten hatte, geschwärzt, aus dieser Finsternis brannten seine roten Augen, die weit aufgerissen, ihm wild im kopf rollten, die dürren Glieder flogen während des Hämmerns wie die Teile des Kinderspielzeuges, welches Hampelmann genannt wird. Unsere Begleiter, die Jungen, lachten, als sie ihn sahen, der Nachbar nannte den Anblick scheusslich, ich fand ihn erhaben.
Zwischen dem Hämmern rief er jezuweilen: "Bist endlich mürb, du Mordgeist?" – Anfangs sah er uns, in seine Arbeit vertieft, gar nicht, als er uns aber erblickte, liess er den Hammer sinken und sagte: "Nun hastu genug, nun bistu zahm! Wie sehr im Irrtum waret Ihr, Herr von Münchhausen, mir von meiner gewohnten Lebensweise abzuraten! In jener elendigen Nüchternheit konnten meine abgeschwächten Kräfte durchaus keinen Geist entdecken, sobald ich mich aber, wie gestern