innigem Gebete vereiniget für den glücklichen Erfolg dieser Sendung. Ich betete in der Ursprache, Eschenmichel mischte in sein Gebet einige Verwünschungen der Gegner, Kernbeisser sagte zum Schluss des seinigen: "'s ist 'ne verwünschte G'schicht', dass die ganze Hoffnung der höheren Welt gegenwärtig auf einem Schneider beruht!" – "Dein Humor, dein unheiliger Humor wird uns zugrund richten", fuhr ihn Eschenmichel an. – "Was uns zugrund richten wird, lehrt die Folge", versetzte Kernbeisser. "Ich sag's und bleib' dabei, man muss nichts übertreiben. Das Zwischenreich war in gehöriger Ordnung und Verwaltung, nun soll es über die Gebühr angestrengt werden; wir wollen sehen, was dabei herauskommt und wer zuletzt das Bad bezahlt."
"Schweig!" rief Eschenmichel. "Ich schweig' schon", versetzte Kernbeisser.
VII.
Grobschmidt oder Meister? – Eine Frage an euch, ihr
himmlischen Mächte
drei Tage vergingen, ohne dass wir vom Magischen etwas anderes hörten, als was uns Leute zubrachten, die hin und wieder von ungefähr in das Etablissement kamen. Sie erzählten uns, dass er in alle Löcher und Spelunken krieche, nach kurzem Verweilen aber daraus wieder hervorkomme und zuweilen murre: "Es sitzt nichts drin."
Am vierten Tage war er aus Weinsberg verschwunden und zufolge der Aussage eines Ehinger Spitzenkrämers, der durch die Stadt hausieren ging, nach dem Gebirg wandernd gesehen worden. Wir mussten nun dem Himmel das Weitere anheimstellen, und ich schlenderte häufig durch die Gassen des Städtleins, da ich bei erloschenem Geisterwesen sonst dort nichts zu beginnen wusste.
Auf einem dieser Gänge fiel es mir auf, dass die engbrüstige Nähterin nicht mehr vor ihrem haus sass. "Ist die Jungfer Schnotterbaum krank?" fragte ich einen Nachbar. "O nein", versetzte der Mann, "aber sie muss Betrübnis haben, denn wir hören sie den ganzen Tag über in ihrer stube seufzen und mit sich selbst reden." – "Ei", sagte ich, "da will ich zu ihr gehen und sie trösten." – "'s geht nicht", erwiderte der Nachbar, "sie hält sich eingeschlossen und hat sogar das Schlüsselloch verstopft."
In diesem Augenblicke fuhr die Nähterin von innen an ihr Fenster, sah nach uns mit unheimlichen Augen und schoss dann wieder in die hinterste Ecke ihres Zimmers. – "Der person fehlt etwas", sagte ich, "man muss doch suchen, ihr zu helfen." – Ich ging ins Haus. – "Jungfer Schnotterbaum, tun Sie auf", sagte ich, nachdem ich vergebens an der tür geklinkt hatte. "Nein!" rief sie, "er kommt sonst mit und setzt sich auf mich." – "Wer denn?" fragte ich. – "Mein Vater, der Magister", versetzte sie. "Jetzt kann er nicht hereindringen, denn Fenster und Türen sind verschlossen, und im Schlüsselloche stickt ein Pfropfen. Aber sobald ich nur ein weniges öffne, kreucht er ein." – "Haben Sie ihn denn gesehen?" fragte ich. – "Nein", rief sie, "aber der Dürr hat ihn gesehen. Der garstige Balg tat, sooft er dieser Tage hier vorbeikam, nach mir ein greulich Blicken, dass es mir durch die Seele fuhr, und gestern brüllt' er mich an: 'Dir steht's nah! Wahr' dich!' – Das, und meine Angst zuvor – es ist gewiss, er geht um und wird sich auf mich setzen, und dann können die Geheimnisse an den Tag kommen, die mich zeitlebens unglücklich machen werden! O du arme Anna Katarina Schnotterbaum, womit hast du das verschuldet?"
Da alle meine Versuche, Einlass zu bekommen, umsonst waren, wandte ich mich zu dem Nachbarn zurück, und bat ihn um Aufklärung über diese dunklen Reden. Er versetzte, er wisse nicht, was der Schneider mit der Nähterin vorgenommen habe, übrigens könne der magische Kerl, wie er ihn nannte, den Menschen anschauen, dass ihm hören und Sehen vergehe. "Es ist ein Unglück", fuhr dieser Mann fort, "dass der Polterkram sich hier etabliert hat. Man ist gar nicht mehr sicher, dass man nicht auch einen Geist in der Familie besitzt, der bei gelegenheit Sachen ausschwätzt, die nicht vors Publikum gehören. Ist man einmal begraben, so muss die sache' für hienieden vorbei sein, wenn aber darnach alte Geschichten herfürgeplappert werden, so gibt's nichts als Prozess' und Unruh' und Verfeindungen. Als zum Beispiel, ich bin Spezereihändler, habe in meinem Geschäft den erlaubten kaufmännischen Vorteil genommen. Nun fahren mir aber da drüben Skrupel in den Sinn, weil man jenseits nichts zu tun hat, fange an, zu rumoren im Gewölb' und im Laden, werfe die Kästen durcheinander, stosse die Läden am Magazin auf, dass das Salz vom Einregnen feucht wird, errege meinen Erben Beschwer und Gewissenszweifel – was kommt dabei heraus? Ich wünschte wahrhaftig, dass die Regierung ein Einsehen täte, und dass durch Höchste Entschliessung das gesamte Zwischenreich Landes verwiesen würde."
Mir waren diese aus der einseitigen Tätigkeit des Zerebralsystems entspringenden Plaudereien sehr langweilig, ich drang daher in den Nachbar, mehr von der Schnotterbaum, ihrem Vater und ihren Geheimnissen mir zu sagen, auf welche sie auch schon bei früheren Gesprächen mit mir angespielt hatte. – "