den Teufel zum Christen zu machen."
Kernbeisser lachte, dass er sich nicht zufriedengeben konnte und rief: "'s ist schad', dass du dann nicht mehr auf Erden weilest, Bruder Eschenmichel, denn wenn der Teufel erst von Gottes Gnaden sein wird, so würdest du gewiss Leibarzt von des Teufels Gnade werden." – Er hatte überhaupt mancherlei gegen diesen Fortschritt der Taumaturgie einzuwenden, meinte, es möchte nicht gut sein, so tief die hände in das Geisterreich zu stecken, man wisse nicht, was man aufwühle, Poltergeister seien Poltergeister – bis ihn Eschenmichel anfuhr und gewaltig bedräute.
"So bist du immer", erwiderte Kernbeisser schmollend, "wenn es nach dir ginge, würde jedermann, der sich einen Einwurf gegen dich erlaubte, gehängt oder gerädert!" – "Du irrst dich gänzlich in mir", sprach Eschenmichel, "ich bin die Sanftmut selbst." – "Ja, im Geist der Inquisition", flüsterte Kernbeisser.
Indessen fügte er sich, wie immer, wenn sein Kollege den Kopf aufsetzte. Er war überhaupt so sanft, gutmütig und inkonsequent, als der andere den Eifer, die Härte und Folgerichtigkeit besass, welche zum Seher- und Feuergeiste gehören.
Es wurde also nun von uns dreien der Plan des Bekehrungsgeschäftes festgestellt. Die erste sorge musste sein, das Objekt herbeizuschaffen, nämlich den zu bekehrenden Geist. Leider war unter dem Vorrate des Etablissements nichts Taugliches. Mit dem Gergesener, als einem eigentlichen dickhäutigen Teufel zu beginnen, erschien misslich, die Sache konnte durch den ersten Versuch, wenn er nicht gelang, zu sehr blossgestellt werden. Die anderen aber, die drei Geister, zwei Geistinnen und das Kind liessen sich auch schwerlich verwenden, denn erstens standen sie nur auf einem höflichen Besuchsfusse mit den Hellseherinnen, hatten sich bei ihnen nicht eigentlich einquartiert, und zweitens war nichts Schlimm-Dämonenhaftes in ihnen; sie hatten nur Dinge von dem Belang der schwedischen Feldflasche oder der Butterbemme im kopf.
Wir dachten hin und her, wie wir Rat schaffen und eines handfesten, vom Höllenfeuer mindestens aus einiger Entfernung angesengten Bengels habhaft werden sollten. Unendlich bedauerten Eschenmichel und ich, dass wir des magischen Schneiders und seiner hülfe in solcher Not entbehren mussten. Aber dieser grosse Mensch lag fast immer im Stalle auf Stroh wegen des einzigen Fehlers, womit die natur ihn belastet hatte. Was Kernbeisser angeht, so hatte er sein Vergnügen an ihm, tröstete uns auch, wenn wir klagten und sagte: "Lasst's gut sein. Der Dürr gehört, wie der Tell, nicht in den Rat, er ist der Mann der Tat. Haben wir den Heiden von Dämon erst, so wird keiner kräftig sein im Werke, gleich der nimmersatten Gurgel."
Ich dachte im stillen: "Diese schwäbischen Kindsköpfe sind gut zum Erfinden, aber dann die Sache gehörig einzurichten, ihr eine Regel, Ordnung und Form zu geben, dazu bedarf es eines norddeutschen Verstandes. Ist's genug, dass in und um Weinsberg die Geister wild wachsen wie Wegerich? Hätte man sie nicht in Kultur legen können? Das Terrain in Schläge verteilen? Nach den Regeln von der Spargelzucht sie in Beeten ziehen, dass wenn man einen braucht, man ihn stäche? – Gott segne mir doch meine heimatlichen Gefilde an der Elbe, Oder und Weser! Diese Süddeutschen werden nie klug werden.
Du musst hier die Ehre Norddeutschlands retten und das Ding zum Ende führen", dachte ich. Klebte und pappte mir also aus den "Prevorstischen Blättern", der "Seherin von Grossglattbach" und anderen Sachen dieses Schlages eine Art von Geisterfalle zusammen, in Form einer gewöhnlichen Mausefalle und ging damit an alle entlegene Orte der Gegend, auf Kirchhöfe, hinter alte Mauern, in verfallene Keller, ja selbst in heimliche Gemächer, stellte meine Falle auf und murmelte dazu folgenden Spruch in der inneren oder Ursprache: "Rummeldebummeldefimmeldepippeldehusseldebusseldekimmeldelümmelde – schwips!" was sich auf deutsch nicht genau wiedergeben lässt, aber in der Umschreibung ungefähr soviel bedeutet, wie: "Ist's gefällig?" Ich sass stundenlang bei der Falle, es wollte sich aber nichts fangen.
Weil alle Bestrebungen der Vorsteher auf diesen einen Punkt gerichtet waren, so begann das Etablissement zu verfallen. Das Grunzen des Gegeseners wurde seltener, mehrere der Hellseherinnen schlichen sich im stillen weg, da sie keine regelmässige Behandlung mehr fanden, mit ihnen verloren sich die drei Geister, die zwei Geistinnen und die Hälfte vom kind, denn im Zwischenreiche kann auch ein halber Geist für sich bestehen. Das Geräusch, Poltern und Schlurfen verklang, und nur die dem haus treugebliebene andere Hälfte des Kindsgeistes wimmerte noch ein wenig; es liess sich aber der Tag vorhersehen, wo auch dieser laut ersterben und das Weinsberger Etablissement ohne allen Geist sein würde.
Während dieser Verlegenheit hörte ich eines Tages aus Kernbeissers mund sonderbare Worte. Ich sass, versteckt von einem Holunderbaume hinter einem Vorsprunge der Stadtmauer lauernd bei meiner Geisterfalle. Kernbeisser kam in den Garten, sah mich nicht, ging heftig auf und nieder und rief endich: "Ich sag's und hab' es stets gesagt, sie stürzt uns ins Verderben. Sie stellt die Ding' allzusehr auf die Spitz'." Hier wurde er meiner ansichtig, erschrak heftig und fragte mich, ob ich seine Worte verstanden habe. Als ich verneinte, schöpfte er Atem und erklärte sie für die Reminiszenz aus einem Schwanke.
VI.
Die engbrüstige Nähterin
Wenn ich, die Geisterfalle