sie könnt' halt kürzer sein", erwiderte Kernbeisser. "dafür ist aber die innere Schrift, oder die Urschrift der Menschheit, welche die Seherin auch gefunden hat, desto präziser. kennen Sie dieselbe?" – "Ich kenne sie, sie ist ja mit abgedruckt", versetzte ich. "Ich schreibe gegenwärtig an einem Aufsatze, worin ich sie gegen den Einwurf der Spötter, dass sie aussehe, als hätten die Hühner auf dem Papiere gekratzt, verteidige, und die feinen, jedoch kenntlichen Unterschiede zwischen dem Sanskrit von Prevorst und den Hühnercharakteren an den Tag bringe."
Kernbeisser umarmte mich und sagte: "An Ihnen haben wir einen wahren Freund und Bruder gewonnen." Eschenmichel aber, der uns nachgeschlichen war, zog ihn beiseite, und ich hörte ihn die halblauten Worte zu jenem sprechen: "Du bist immer zu rasch, wir wollen ihn erst prüfen, bevor wir ihn in unserer Gemeinschaft aufnehmen." – Kernbeisser schüttelte den Kopf über Eschenmichels Zweifelsucht, doch musste er sich fügen, und die beiden Doktoren nahmen mich nun nach dem Garten mit. Dort setzten wir uns in die Laube, und das Examen rigorosum nahm seinen Anfang.
Vor dieser Prüfung hatte ich einige Scheu getragen, denn ich traute mir die rechten Kenntnisse in der Geisterlehre noch nicht zu. Indessen lief sie glimpflich genug ab. Zwar auf Eschenmichels fragen, wie hoch der Himmel und wie tief die Hölle sei, wieviele Himmel und wieviele Quartiere in der Hölle es gebe, welches die verschiedenen Klassen der Dämonen seien, und wie eine jede aussehe, konnte ich nur notdürftige Antworten geben, weil ich alle die Dinge erst hier lernen wollte. Desto besser bestand ich bei Kernbeisser. Denn dieser fragte mich, woher jegliches Böse, die schlechten Leidenschaften, der Hochmut, die falschen Begriffe und die oberflächlichen Kenntnisse unter den Menschen rührten? Darauf antwortete ich herzhaft: "Aus dem kopf." – Weitere Frage: "Wodurch dringen wir in das Sein und Wesen der Dinge ein, erfahren, was im Himmel und auf Erden vorgeht, und heiligen uns zu Gefässen Gottes?" Antwort: "Durch den Unterleib."
Die Examinatoren erklärten hierauf, es seien zwar in meinen Kenntnissen noch Lücken bemerklich geworden, aber den Glauben habe ich, und der sei die Hauptsache. Ich wurde sonach auf das Gangliensystem in Eid und Pflicht genommen und dann zum Mitgliede des Weinsberger Geisterbundes ernannt. Eschenmichel sagte, man habe eine wichtige Unternehmung vor, wovon ich den nächsten Tag mehr hören solle. In der Freude meines Herzens erzählte ich, da das Geisterwesen etwas still geworden zu sein schien, von allerhand profanen Dingen, die mir während der Reise begegnet waren, kam dann auch auf Würzburg, das Juliusspital und die beiden entlaufenen alten Weiber. Davon aber wollten meine Meister nichts wissen, sie unterbrachen mich heftig und riefen, über Würzburg solle ich nun und immerdar schweigen, der Ort sei ihnen unangenehm und rege ihnen widrige Erinnerungen auf.
V.
Himmel und Hölle zögern anfangs zu Weinsberg in
Konflikt zu geraten
In den nächsten Tagen lernte ich nun die Sinnesart der beiden Doktoren genauer kennen. Kernbeisser war ein gemütlicher alter Knabe, der sich hin und wieder selbst über die Dämonen lustig machte, einem fleissig vom Alten und Neuen einschenkte und dabei komische Schnurren erzählte, wie sich das Geisterpack mitunter so hundstoll betrage. Darüber konnte er lachen, dass ihm der Atem verging. Er gefiel mir sehr wohl – in der höheren Welt muss alles vorrätig sein, auch ein Schwänklein und Spässlein.
Eschenmichel dagegen hielt sich mehr zurück und hatte etwas Lauerndes in seinem Wesen, er sah nicht geradeaus, sondern seitwärts, oder schielte von unten empor. Er war immer in Ekstase, ich habe ihn den Bissen nicht in das Salz tauchen sehen, ohne dass ihm die Augen verzückt im kopf umherrollten. Wäre er kein Prophet gewesen, man hätte ihn leicht für einen Schelm halten können, da er aber ein Prophet war, so konnte er, wie sich von selbst versteht, kein Schelm sein.
Bald teilte er mir den Plan mit, auf welchen er früher hingewiesen hatte, und dieser bestand in nichts Geringerem, als darin, einen Poltergeist zu bekehren. "Das ist noch grösser", rief ich, "als ein Trygäosross und eine blaue Schwärmerin versittlichen zu wollen!"
"Es hat jede Kenntnis und Beschäftigung ihre Stufen", versetzte er. "Für den Anfang war das blosse Geistersehen, und dass man erfuhr, wie es im Zwischenreiche zugeht, hinreichend. Nach diesem trat der Magische mit seinen gewaltigen Kräften in unser Werk ein, der hat nun schon Macht über den Spuk, beschwört ihn und bringt ihn zur Ruhe, aber dabei darf die Sache auch nicht stehenbleiben. Wir müssen, wie gesagt, eine der Kreaturen, die um uns her schwärmen, wie die Mücken ums Licht, fromm machen; auf diese Weise setzen wir Fuss in Bügel, und können darauf in diesem dritten Stadio der Taumaturgie weiterkommen."
"Nämlich", rief ich, hingerissen von dem Gedanken aus, "wenn wir die Poltergeister in den Himmel gebracht haben, so machen wir uns sacht an die lässlichsten Verdammten, zu denen vom Zwischenreiche aus doch wohl auch eine Hintertüre sich entdecken lassen wird, beginnen bei denen unsere Missionsgeschäfte, und so immer weiter und weiter hinunter, hinunter!"
"Wir werden es nicht erleben", sprach Eschenmichel mit verdrehten Augen, "aber unseren Nachkommen ist es vorbehalten, selbst