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Gefallen zu wählen? Kreuch 'nunter auf der Stell', oder ich haue den Pochhammer so lang', bis dass du's fühlen sollst."

Auf diese Anrede und besonders auf die letzte Drohung wurde der Gergesener Teufel stiller, das Grunzen ging in ein Gequiek, wie das eines Ferkels über, und verlor sich hierauf nebst dem Geschrei um Kleien und Schrot allmählich ganz. Pochhammer wischte sich den Schweiss von der Stirne, gab dem magischen Schneider die Hand und sagte: "Ich danke Ihnen gehorsamst, Herr Dürr, er sitzt nun ganz verzagt unten und schluchzt, wie ein Kind." – "So sind sie all'", sprach der Magische, "hochmütig und obenaus, aber wenn man sie brav kuranzt, fallen sie zusammen, wie eine aufgestochene Fischblas'. Gebt mir zu trinken."

Pochhammer verlangte nachträglich vom Braten, der während der dämonischen Szene ihm vorübergegangen war, und ass wacker. – "Bekommt nun davon der Gergesener etwas ab?" fragte ich. – "Behüte", versetzte Eschenmichel, "die Teufel nehmen keine irdische Speise zu sich, ich zweifle selbst, dass dieses Geschrei um Kleien und Schrot anders als symbolisch gemeint ist, wenigstens würde, wenn Pochhammer dergleichen hinunterwürgte, nur der Geist, sozusagen, des Schweinfutters an den Dämon in ihm gelangen."

Inzwischen hatte Kernbeisser dem magischen Schneider zärtliche Vorwürfe gemacht. "O Dürr", sagte er, "was für ein wüster Kerl bist du ausserordentlicher Mensch! In welche Tiefe warst du wieder heute verfallen!" – "Ich weiss nicht, ob es ein Graben, oder eine Lehmgrube war, worein ich verfallen gewesen", rief der Magische. – "Ein Graben, verehrtester Meister", sagte ich. "Ich freue mich ausserordentlich, Ihre Bekanntschaft zu machen, und dass ich so glücklich gewesen bin, Ihnen gleich eine kleine gefälligkeit haben erweisen zu dürfen."

"Ihr Narren denkt immer, unsereiner könne halt stets nüchtern und leer sein, und dabei doch die grossen Ding' verrichten", sprach der magische Schneider. "Das geht so nicht. Die Teufelsbannungen und Beschwörereien ziehen einem greulich den Nervengeist ab, und wenn man nicht nachgiesst, würde man bald fertig sein. Ich hatte' im Dorf überm Wald heute eine Dienstmagd zu besprechen, in der ein mordbrennerischer Schwed' aus dem Dreissigjährigen Krieg sitzt; der Gauch wollt' durchaus wissen, ob in dem von ihm angezündeten haus, was er mir selbst nicht nennen konnte, seine lederne Feldflasch' mit verbrannt sei, die er seitdem vermisse; eher könne er nicht zur Ruhe kommen. Das Geschäft hatte mich stark angegriffen, denn der Schwed' liess sich erst gar nicht bedeuten. Hernach musste ich mich stärken, und von der Stärk' geriet ich darauf in einige Schwachheit."

Nach Tische besah ich mit Kernbeisser das ganze Etablissement. In den Stuben umher sassen und schliefen sechs bis sieben Hellseherinnen, ich wurde mit ihnen in Rapport gesetzt und erhielt die wichtigsten Aufklärungen über die geheimsten Dinge, als zum Beispiel, wann ich die erste Uhr geschenkt bekommen habe, welchen Namen mein grosser Hund führe, den ich zu haus gelassen, wieviel ich dem Wirt in Ulm schuldig verblieben sei? – Bei einigen rutschte, klöpfelte, täppelte, klaschte, polterte es in den Stuben, dazu war ein Regen an den Fenstervorhängen und hin und wieder ein bisschen Lichtschimmer, auch das Geräusch, wie wenn man Papier oder Kalk an die Erde wirft. Im ganzen waren damals drei Geister und zwei Geistinnen auf den Beinen, doch ich irre mich; ein Kind gehörte auch noch dazu, welches einmal im Leben sein Butterbrot hatte fallen lassen, und sich darüber in jener Ewigkeit nicht zufriedengeben konnte. Der eine Geist trug einen schwarzen Rock, der andere eine Art von Schanzlooper, der dritte hatte Stiefeln an; von dem kam das Poltern. Wie die Geistinnen gingen, ist mir entfallen, das Kind aber hatte das Zeichen im Gesicht, ungeachtet welches Werter vorzeiten Lottens jüngsten Pflegebefohlenen küsste. So natürlich geht es im Zwischenreiche zu. Wer hienieden Stiefeln trug, zieht jenseits keine Schuhe an, und so weiter. Taten uns übrigens alle nichts, die Geister, nur die Hellseherinnen litten von ihnen, denn die sollten ihnen helfen. Das ging bis zu dem kind hinab, welches sein hienieden fallengelassenes Butterbrot jämmerlich schreiend verlangte.

Als wir in den Hof kamen, hörte ich den Knecht zur Magd sagen: "Schnuckli buckli koramsi quitsch, dendrosto perialta bump, firdeisinu mimfeistragon und hauk lauk schnapropäp?" – Die Magd versetzte: "Fressaunidum schlinglausibeest, pimple, timple, simple, feriauke, meriaukemau."

Ich hatte Ziegen und Engländer verstanden, aber diese Mundart war mir dunkel. Auf Befragen erfuhr ich, dass es die innere Sprache der Seherin von Prevorst sei, die Ursprache der Menschheit, die sie in ihren Verzückungen gefunden. "Wir bedienen uns ihrer seitdem, wenn wir innig werden über Angelegenheiten, die uns besonders zu Herzen gehen." – "Und was sagte der Knecht zur Magd?" – "Er fragte sie: 'Hast mir Knödel aufgehoben?' und sie versetzte: 'Ja'."

Ich sollte mein Gutachten über diese Sprache abgeben, und erklärte, sie komme mir in manchen Wurzeln verwandt mit derjenigen vor, worin Asmus seine Audienz bei dem Kaiser von Japan gehabt habe. übrigens scheine sie mir ein wenig weitschweifig zu sein. – "Ja,