kann vor deinem Getös' die Strunz hier nicht vernehmen, welche soeben beginnt mit der inneren Sprach' mir das Geheimnis des Jüngsten Tages auseinanderzusetzen."
"Ich muss doch dem Münchhausen den Dürr beschreiben!" rief Kernbeisser zugleich zornig und ermattet. – "Immer störst du mich im Aufschwung. Nun ist meine Anschauung zerbrochen, meine Kraft dahin, und ich bin für den Rest des Tages nur noch ein Lump. – Haben Sie den Dürr nicht unterweges erschaut?"
Ich wollte eben verneinend antworten, als der Fuhrmann eintrat und fragte, was denn mit dem toten Menschen auf dem Wagen werden solle. Ich bat Kernbeissern um einen Aufbewahrungsort für meinen Schützling. Er sagte ihn gern zu, ging mit hinaus, um den Menschen vom Wagen heben zu lassen, schlug aber wie ausser sich die hände über dem kopf zusammen, als er ihn, der wirklich wie tot auf dem grund des Fahrzeuges lag, ansichtig wurde, und rief: "Das ist ja der Dürr! das ist ja der Dürr! das ist ja der magische Schneider! O Himmel, muss ich dich wieder in diesem Zustande sehen, Dürr? – Schauen Sie", sagte er zu mir, "dieses ist die einzige Schwäche des ausserordentlichen Menschen; er besäuft sich einen um den andern Tag, woran aber freilich sein reizbares Nervensystem schuld ist. In dieser Verfassung kann er nun von allen seinen schönen magischen Gaben keinen Gebrauch machen, und so geht die Hälfte seines Lebens für die höhere Welt verloren. O Dürr! Dürr! Dürr! – Aber, was kann's helfen? Nehmt ihn säuberlich herunter und legt ihn auf Stroh, dass er ausschlafe."
Der magische Schneider, den ich so unwissend aus dem Strassengraben in das Hauptquartier des Geisterreiches befördert hatte, wurde in einen Stall getan, ich aber zog nunmehr bei den Taumaturgen ein. Bald nachher setzten wir uns ohne vorgängiges Wunder zu Tisch.
IV.
Der Gergesener – Die innere Sprache – Das Examen
Rigorosum
An dieser ersten Mittagstafel nahm ausser den Hausgenossen ein Mensch mit wilden Blicken teil, von dem ich schon gehört hatte, dass er seines Zeichens ein Besessener sei und hin und wieder grunze. Dieses war natürlich, denn es sass in ihm der Teufel einer, welche einstmals in die Gergesener Säue gefahren waren. Auf dem kurzen Wege, welchen er in einer solchen Behausung bis zum Teiche machte, wo hinein sich die Herde damals stürzte, hatte er das schweinische Leben so lieb gewonnen, dass er noch immer von Zeit zu Zeit jene Töne hören liess. Überdies verlangte er mitunter nach Schweinefutter, insbesondere nach Gerstenschrot. "Wir geben's ihm aber nicht, er muss Hausmannskost essen, wobei er oft jämmerlich brüllt und zuckt", sagte Kernbeisser. – "Ich habe von ihm die wunderbarsten Aufschlüsse erhalten", sprach Eschenmichel im Seherton. "Die Zeit ist aber für solche Mitteilungen noch nicht reif."
"Wie steht's heute, Pochhammer?" fragte er den Besessenen. – "Bis jetzt noch so ziemlich, Herr Doktor", versetzte dieser sehr höflich und in der Sprache eines gewöhnlichen Menschen, "aber es wird leider nicht lange dauern, er kullert schon etwas unterm Zwerchfell, es ist ihm wieder eine Ratz' durch den Kopf gelaufen, o weh – da steigt er auf – da sitzt er in der Kehle schon – da – da – oih! oih! oih!" – So fing er an zu grunzen, und dazwischen schrie er unaufhörlich mit rauher stimme: "Kleien! Schrot! Kleien! Schrot!" Eschenmichel betete, Kernbeisser sagte tolle Knittelreime auf den Gergesener her, und die übrigen Tischgenossen assen ruhig fort, denn dergleichen gehörte hier zu den alltäglichen Dingen, aus welchen niemand mehr ein Aufhebens machte.
Währenddem trat der Knecht, den ich im hof gesehen hatte, ein, und sagte: "Der Dürr ist erwacht und begehrt zu trinken." – "Ei, was hat der Schliffel ein Gefäll", rief Kernbeisser. "Er soll sich hereinscheren und hier erst seine Arbeit verrichten, und dann wollen wir weiter sehen." – "Ja, schicke den Magischen zu uns, sage ihm, der Gergesener grunze heute ausnehmend"; fügte Eschenmichel hinzu. – O ihr himmlischen Kräfte, welche Finsternis muss doch da drunten in der Hölle sein! Gott bewahre uns alle vor dem Abgrunde, darin Astarot heult, und Beelzebub einen feurigen Reif schlägt!
Der magische Schneider trat ein, noch unsicheren Ganges, mit roten Augen, die Zunge zwischen den trockenen Lippen hin und her bewegend. Kernbeisser und Eschenmichel gaben ihm zum Willkomm die Hand und forderten ihn auf, den Gergesener zu beschwören. "Den wollen wir bald zahm kriegen", sagte der Schneider, und trank ein grosses Glas Neuen aus. Er krempelte die Rockärmel auf, reckte seine spindeldürren Glieder, vor den Besessenen tretend, aus, hielt ihm die geballte Faust vor den grunzenden Mund und rief: "Bist gleich ruhig! Ich, der Dürr, befehl's dir, kraft meiner magischen Gewalt. Was für Sitten sind das, du Schweinteufel? Kannst du nicht sprechen, wie die andern, oder hast auf dem Weg nach dem wasser deinen teuflischen Dialekt vergessen? Ich an deiner Stelle würde mich doch schämen, den Schweinen nachzuahmen. Bist gleich ruhig, ich befehl's dir! Hast du keine Dankbarkeit nicht, dass dir einstmals vergönnt ward, dein Logis nach deinem