und erwachten nun in Winkeln, wohin sie nicht gehören. Die Ohren müssen wir vor allen Dingen stutzen, sie haben sich etwas zu üppig gegen Himmel erhoben, an den Extremitäten sind dir überflüssige Haarbüschel gewachsen, auch deine Sprache schmettert sonderbar; warst du etwa bei einem Trompeter in der Lehre? Du kommst mir vor wie eine durcheinandergeworfene Bibliotek oder Garderobe, die einzelnen Bestandteile deiner Totalität sind richtig vorhanden, aber es fehlt die Harmonie."
"Alles nichts, mein Vater", sagte ich, nachdem ich vor den Spiegel getreten war, und mich wieder so ziemlich menschlich gesehen hatte. – Er brannte, meine geschichte zu vernehmen. Ich gab sie ihm in grossen Umrissen. Er glaubte, ich habe geträumt. "Sieh mich an", versetzte ich, "und sage dann noch einmal, dass dies Träume gewesen seien. Das letzte Wunder", so schloss ich meinen Bericht, "war das grösste. Hat man auch nur noch ein Fünkchen Humanität in sich, und soll man ausgestopft werden, so nimmt sich bei diesem Gedanken jenes Fünkchen zusammen und man restauriert sich von innen heraus. In den Tiefen von Angst, Grauen, Verzweiflung habe ich mich sozusagen als Menschen zum zweiten Male geboren und die Tierhülle durch Seelenkämpfe abgestreift."
"Streife jetzt nur auch eine anständige Hülle über!" rief mein Vater, ging zu einer Kommode und holte daraus die weissen Pumphöschen, das rote Collet, den kleinen blechernen Säbel und den Turban hervor. grosser Gott! die Janitscharenkadettenuniform war auch da! "Wo fandest du sie?" fragte ich ihn. "Im griechischen Gebirge, welches ich nach dir verzweiflungsvoll, wie Ceres Proserpinen suchte, durchrannte", antwortete er. "Ich fand die Stücke auf einem Felsenabhange und glaubte, dass dich ein Raubtier gefressen habe." – "Aber mein Vater", sagte ich, indem ich die Hosen anzog, "an den Kleidungsstücken war ja kein Blut, woher also dieser Glaube?" "Konnte dich das Raubtier nicht rein herausgefressen haben?" erwiderte er, etwas verstimmt über meine kritischen Zweifel. – Er musste mir nun auch seine geschichte erzählen. Sie war einfach. Aus Schmerz über meinen Verlust hatte er, nachdem er jede Hoffnung aufgegeben, mich wiederzufinden, sich noch eifriger den chemischen und physikalischen Studien ergeben, wie früherhin, und unter anderem auch jenes Farbenbereitungsgeheimnis entdeckt, welches ihn dem Holländer van Toll so wert machte. In der Heimat litt ihn der Kummer nicht, er reiste durch die land Europas als düsterer, zerrissener Porzellanmaler. Unterweges traf er mehrere Kollegen. Durch die allerseltsamste Fügung brachte uns das Schicksal wieder zusammen. Er ging bei Nacht aus, einen Bock zu zeichnen und traf seinen Sohn.
Wir machten uns noch vor Tagesanbruch von Vrouw Elizabet fort, denn mein Vater fühlte wohl, dass, da er dem Eigentümer das fremde Tier nicht auf die Vase liefern könne, seine Rolle im Landhause ausgespielt sei. Wir benutzten die erste Schuite nach Amsterdam, und dort die erste gelegenheit nach Bodenwerder. Als wir im Wagen sassen, ich wie in den ersten zeiten in der tasche, fiel mir der Gedanke an Frau von Münchhausen, die Gemahlin meines Vaters, schwer auf das Herz. Ich teilte ihm die Besorgnis mit und setzte hinzu: "Wird so es uns nicht gehen, wie Mynheer van Streef, der in der Pforte seines Landhauses zum zweiten Male auf Reisen geschickt werden sollte?"
"Nein, mein Sohn", erwiderte er, "die vortreffliche Frau ist bereits vor sechs Monden gestorben, von mir begraben und hinlänglich beweint worden." – Ich zollte ihrem Andenken ebenfalls einige nachträgliche Zähren.
Auf Bodenwerder widmete sich mein Vater nun ganz dem Werke meiner Ausbildung. Denn obgleich ich, wie aus dem Verlaufe dieser geschichte erhellt, schon als kleines Kind wie ein Buch sprach, so fehlte es doch meinem Wissen an Zusammenhang, der jetzt erzielt werden musste. Einen Augenblick dachten wir daran – denn ich gab zu meinem Bildungswerke auch jederzeit meine stimme – mich nach Lorinsers Ideen ohne Griechisch und Lateinisch bloss durch Haus- und Wirtschaftskenntnisse zum mann zu machen, allein es entstand die Besorgnis, dass ich bei dieser Metode leicht wieder in meinen früheren Zustand versinken könnte, und es dann vielleicht nicht einmal bis zum Bock, sondern nur bis zum Schöps brächte. Wir liessen also Lorinser Lorinser sein und mein Unterricht wurde in der Art geregelt, welche ich in einer meiner früheren Erzählungen zu schildern versucht habe.
Noch oft unterredeten wir uns über die Einzelheiten meiner ausserordentlichen geschichte. – "Sage mir nur, mein Sohn", sprach mein Vater eines Tages, "welche historische Lehre ziehst du aus allen diesen unglaublichen Vorfällen?" – "Vater", versetzte Münchhausen das Kind, "die geschichte ist erhaben über alle Lehren. Willst du aber aus der meinigen durchaus einen Satz ziehen, so ist es die einfache Wahrheit, welche jeder Student fühlt – dass die Söhne auf die Taschen ihrer Väter angewiesen sind." Hier machte der alte Baron noch einen letzten Versuch, den Strom Münchhausens zu hemmen, denn seine Kräfte waren schon halb gebrochen. Der Freiherr hatte aber auch jetzt Rat und Stärke, ihm zu begegnen, denn ehe der Schlossherr seinen Spruch vorbringen konnte, war bereits das zweite Manuskript entfaltet und die geschichte "von den Poltergeistern in und um Weinsberg" angefangen.
Als der Freiherr auch diese zu Ende gelesen hatte, schlief der alte Baron, erschöpft von den Anstrengungen